Zachor – Erinnere dich.

Fest der Freude am Heldenplatz in Wien. Gerne wäre ich selber heute vor Ort dabei. 

Ich vermisse meinen Großvater und meinen Onkel Cees. Die beiden Menschen, von denen ich gelernt habe, was Freundschaft bedeutet. Mein Großvater war ungefähr 18 Jahre, Krieg, er in den Niederlanden, in der Gegend von Alkmaar. Ausgangssperre. Der junge Soldat hat Dienst und entdeckt eine junges Mädel – Tini – die noch auf der Straße unterwegs ist. Er spricht sie an, begleitet sie nach Hause, kommt ins Gespräch mit ihr. Er kommt noch ein paar Mal zu der Familie und bemerkt bei einem Besuch die illegalen Waffen. Er bemerkt, dass er, der reichsdeutsche Soldat mitten im Widerstand gelandet ist. Er verlässt das Haus und verliert darüber nie ein Wort, er kehrt aber wieder. Er riskiert sein eigenes Leben. Der Krieg führt ihn weiter zurück nach Deutschland, Dresden- beim Bombenangriff verbrennt ihm der Stahlhelm die Ohren. Er ist ein junger Draufgänger, leistet sich viel und wird immer wieder strafversetzt. Seine Kriegstagebücher lassen uns ein wenig erahnen, was er alles erleben musste. Geredet hat er darüber nie sehr viel. Er konnte nicht. Weihnachten flossen bei ihm immer Tränen. Und er hat sich wohl ein Leben lang Vorwürfe gemacht für all das was er als Soldat mitunterstützt hatte und der Menschen wegen, die durch ihn zu Tode kamen. 

Waizenkirchen, 1951. Der Krieg vorüber, mein Großvater ein jungverheirateter Familienvater. Eines Tages läutet es an der Gartentür. Ein junger Holländer steht am Zaun. Wohnt hier ein Otto Tumeltshamer? Meine Eltern schicken mich, ihn zu suchen. Cees Ris, der Bruder von dem jungen Mädchen, das mein Großvater in der Nähe von Alkmaar damals nach Hause brachte, anstatt sie anzuzeigen. Cees und mein Großvater konnten einander damals nicht treffen, denn der 16 jährige Cees und einige seiner Freunde wurden kurz zuvor als Widerstandskämpfer verhaftet. Sie wurden in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1941 in Uitgeest verhaftet. Cees war bis Juni 1942 im Gefängnis Amstelveensweg in Amsterdam, anschließend bis August 1942 im Durchgangslager Amersfoort, September 1942 – Februar 1944 in Buchenwald, Februar 1944 bis Juli 1944 in Lublin (Majdanek). August 1944 bis Jänner 1945 in Auschwitz, Todesmarsch von Auschwitz zur tschechischen Grenze, Februar 1945 bis Mai 1945 Mauthausen bzw. die letzten Wochen in Gusen, im Nebenlager 2. Dort erlebte er vor heute 71 Jahren die Befreiung und kehrte zurück in die Niederlande zu seiner Familie, die ihr Glück gar nicht fassen konnten.  Und nun stand er am Gartenzaun meiner Großeltern. Cees Eltern wollten unbedingt in Erfahrung bringen, ob der junge Soldat von damals überlebt hatte, da die Briefe von ihm irgendwann endeten. Mein Großvater und er waren von diesem Moment an die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Ihre Familien – unsere Familien wurden in diesem Moment zu einer Familie und die beiden Männer haben das den Rest ihres Lebens so gelebt. Die Familie Ris war meinem Großvater so unendlich dankbar , dass er sie und die befreundeten Widerstandskämpfer nie verraten hatte und  sie hatten großen Respekt vor seinem Mut. Mein Großvater brauchte wohl diese Erinnerung zum Überleben, denn die „andere Seite“ , den befehlsausführenden Soldaten, gab es ja trotzdem und diese Erinnerungen machten ihm sehr zu schaffen. 

Ich hab mit ungefähr 14 Jahren zum ersten Mal von Cees Geschichte erfahren. Es war einherrlicher  Sommertag, Cees war mit seiner Frau, meiner Tante Truus zu Besuch bei den Großeltern und wir standen beide Hände waschend am Waschbecken. Ich entdeckte an seinem linken Unterarm eine tätowierte Nummer und fragte ihn, was das ist und ob das eine Bedeutung hat. Er hat mich angesehen und gefragt, ob ich in Geschichte in der Schule schon einemal etwas von Auschwitz gehört hätte. Ich bejahte und er meinte, nun, so eine Nummer bekam man, wenn man einmal in Auschwitz war. 

Mir war als Schülerin die Tragweite dieser Aussage damals nicht bewusst. Ich hab erst als junge erwachsene Frau begriffen,was mir mein Onkel Cees an diesem Sommertag ins Herz gepflanzt hat. Cees und mein Großvater konnten herrlich streiten, sie waren aber auch die dicksten Freunde und haben einander blind vertraut. Mein Großvater hat in Nordholland eine zweite Heimat gefunden und hat uns diese Liebe zu Land und Leuten und in erster Linie zur Familie Ris weitergegeben und auch wenn Cees und mein Großvater heute nicht mehr bei uns sind, so sind unsere Familien bis heute miteinander verbunden und wir sind dankbar, was wir voneinander lernen durften. Cees hatte kein leichtes Leben, auch wenn er ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann wurde, die Erinnerungen quälten ihn und er war ein Leben lang auf der Suche nach dem, der ihn damals verraten hatte. Cees hatte 2 Söhne und diese beiden Söhne hatten es durch die Lebensgeschichte ihres Vaters auch alles andere als einfach. Und so schwierig die Lebensgeschichten der beiden Männer, Cees und Otto, durch diesen Krieg sich gestalteten, so dankbar bin ich den beiden, für all das, was ich durch sie erfahren und erlernen durfte und vor allem dass sie mir durch ihre Geschichten Wege eröffnet haben, die ich bis heute gehe. 

Danke, dass ihr immer noch ein Teil von mir seid und vor allem, dass ihr immer noch mit mir seid. 
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Nichtsdestotrotz

3 Menschen gegangen,
Kommen nie mehr.
Die eigenen Seelen kraftlos und leer.
Nichtsdestotrotz.
Wir feiern das Leben.
Und mehr.

Projekt „txt.*“ https://www.facebook.com/projekttxt/

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Train of Hope Linz

Weil ich es zuhause einfach nicht mehr aushalte, grab ich den Riesenrucksack aus und mach mich auf den Weg zum Bahnhof Linz.
Erster Stopp: die Hoferfiliale im Nachbarort. Ich kaufe jede Menge Hygieneartikel und ernte verwunderte Blicke von Menschen, die an der Kasse anstehen. Die Kassiererin wünscht mir mit auffallend strahlendem Lächeln noch einen wunderschönen Tag.
So, alles gut im Rucksack verstauen und den ins Auto wuchten (ja, auch Zahnpasta und Seife kommen in Summe auf ordentliches Gewicht) und ab nach Linz.

Stau an der Stadteinfahrt…..ah ja….Ars electronica, Klangwolke u d irgendwas Sportliches mit vielen Fans…..naja, ich bin trotzdem überzeugt, hinter dem Ibis einen Parkplatz zu finden und tadaaaaaaaa, einer war noch frei! Rucksack umschnallen und zum Bahnhof rüber traben, runter zur Spendensammelstelle . Da sind erfreulicherweise jede Menge Leute und alles ist super organisiert, es gibt beschriftete Schachteln oder Plätze, wo man die mitgebrachten Sachen einsortieren kann. Während ich den Rucksack leere, packen zeitgleich unzählige fleißige Hände diverse Sackerl….Hygienepakete, Essenspakete, Babypakete (da kommt auch ein Kuscheltier rein…), Einkaufswägen voll mit Wasser….
Fleißige Helfer transportieren die fertigen Pakete auf den Bahnsteig. Gleis 5 und 6.

Ich schnapp mir auch a Schachtel und folge der kleinen Karawane.

Am Bahnsteig sind Versorgungsinseln, die alle mit den diversen Paketen ausgerüstet sind und mit Menschen, die sich drum kümmern und auf die nächsten Züge warten.
Ich geselle mich zu einer eher spärlich besetzten solchen Insel. „b6“
Ein junger Mann, eine junge Frau, eine Frau in meinem Alter (also noch eine junge *hust*), eine ältere Dame und ich. Wir verstehen uns alle auf Anhieb und reden und diskutieren über die Menschen, die auf der Flucht sind…..was geht in ihren Köpfen vor, was müssen sie alles verarbeiten, wie geht es ihnen, was wird uns erwarten…..

Ein Zug wird angkündigt….wir schnappen Sackerl, sprechen ab, wer in den Zug reingeht und wer heraußen bleibt um Türen offen zu halten, damit niemand von den Helfern unabsichtlich mitfahren muss….

In den Zügen viele Menschen. Reisende und Flüchtlinge. Reisende, die aussteigen informieren, wo Flüchtlinge etwas brauchen könnten, niemand ist ungehalten, niemand regt sich auf, alles passiert erstaunlich flott und ruhig. Die flüchtenden Menschen sind vorsichtig und scheu aber letztlich immer wieder unglaublich dankbar für die Hilfe.

Es braucht nicht viele Worte. Gesten reichen völlig aus. Und ein Lächeln und manchmal auch Tränen auf beiden Seiten.

Der nächste Zug ein Sonderzug. Die Ansage: Zug fährt durch. Wir werden aber informiert, dass der Zug trotzdem halten wird. Wir packen alles mögliche in den Zug, Flüchtlinge helfen im Zug beim verteilen, junge Migranten übersetzen, helfen beherzt mit, was nicht gebraucht wird, wird wieder herausgereicht. Niemand bunkert oder bereichert sich. Der Zug steht locker 10 Minuten, kein Stress. Ein Schaffner erzählt, wie lange er schon arbeitet….72 stunden, es ist aber kein Thema für ihn und er ist immer noch freundlich und lächelt.
Der Zug fährt ab, wir applaudieren, jubeln den Flüchtlingen zu und winken….und die Flüchtlinge in den Zügen winken, lachen, weinen, legen ihre Hand aufs Herz, werfen Küsschen und wir stehen am Bahnsteig und lachen und weinen mit.

Vom Spendensammelpunkt kommt wieder Nachschub mit vielen Helfern auf den Bahnsteig, die Inseln werden wieder aufgefüllt. Wir warten auf den nächsten Zug, plaudern, lachen, rauchen eine Zigarette…..ein junger Mann neben uns, lange Haare, Lederkluft, ordentliche beats umghängt, schwere Stiefel hört uns zu, raucht eine und wendet sich plötzlich an uns. „Ich hab hier zwar nichts hergebracht, aber kann ich mich zumindest finanziell beteiligen?“ Er kramt einige Euromünzen raus und drückt sie einer Helferin in die Hand, die strahlt und sagt „ich renn sofort runter und kauf „quetschsaftl“ (kleine Tetrapacks mit Säften) “ und schon rennt sie los….der junge Mann fragt, ib er helfen kann und wir bieten an, dass er Packerl mit in den Zug nimmt und verteilt. Der Zug fährt ein, der junge Mann steigt ein, wir gehen auch durch und beim Aussteigen bringt der junge Mann schnell nochmal zurück, was er nicht verteilen konntw, springt wieder in den Zug, dreht sich um und ruft noch ein „Danke für euer Engagement“ raus.

Wir warten auf den nächsten Zug.
Neben uns zwei junge Burschen. Cool guys mit Gitarren und Mütze und Hut. Einer wendet sich zu uns und fragt in kuhlstem amerikanischem Englisch, ob sie was in den Zug mitnehmen dürften, sie würden das auch gern verteilen. Die beiden sind seit ein paar Wochen schon auf Reisen, vorwiegend durch Osteuropa und jetzt via Frankfurt auf dem Weg nach Amsterdam. Sie sind beeindruckt, sagen sie. Der Zug kommt, wir steigen wieder ein…..

Die Inseln werden wieder aufgefüllt.
Dazwischen immer wieder freundliches Zugpersonal auch am Bahnsteig, sichtlich müde aber verständnisvoll und geduldig, wenn die Helfer nicht schnell genug wieder aus den Zügen heraußen sind. Auch Westbahnmitarbeiter/innen helfen mit. informieren in welchen Wägen Flüchtlinge sitzen oder fragen um Essenspakete, die sie selber verteilen.

Das Rote Kreuz ist zwischendurch immer wieder da, ebenso die Polizei. Aber die schauen immer nur kurz vorbei, alles geht ruhig und gut organisiert ab, was angesichts der Tatsache, dass sich diese Hilfe quasi aus dem Nichts formiert hat, unglaublich ist.

Der nächste Zug kommt, diesmal nur wenige Flüchtlinge.dennoch, die Inseln werden wieder aufgeräumt und gecheckt und Helfer bringen gegebenenfalls den benötigten Nachschub. Die Inseln sind voll.

Wir warten auf den nächsten Zug.

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attimo

diese wertvollen augenblicke,
an denen man das leben einfrieren
und die zeit still stehen lassen möchte,
weil sich alles gerade so leicht und richtig anfühlt.

die starre des winters weicht aus meinem körper, meiner seele,
die sonne hat mich wieder.
einem gemalten bild gleich möchte
ich diesen moment des erkennens festhalten
einem gemälde gleich ihn immer wieder betrachten
und trotzdem lasse ich los
und treibe weiter im strom der zeit
gehalten und getragen vom licht,
gehalten und getragen von einem anderen bild in mir,
dem ich so unendlich dankbar bin, dass es ist.

ein bild, das sich immer wieder verändert
und mir dennoch vertraut ist,
ein bild, das mich meine eigene lebendigkeit spüren lässt,
das mich sein lässt und mich begleitet,
gleich einem kompass,
ein bild, auf das ich nach all den jahren
Immer wieder mit dankbarkeit und freude schaue.
dein bild.

(Wort 4 und 5 von [*txt])

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Schulleiterinnenglücksgedanken

Krankenstände bringen es so mit sich, dass man relativ viel Zeit zum Nachdenken hat. So war das auch bei mir in den letzten Tagen. Nicht, dass ich nicht selber genug Stoff hätt, um den meine Gedanken kreisen könnten, aber die letzten Tage hat Schule mich mal wieder sehr beschäftigt. Schule und Schule leiten. Was mich zu diesem Nachdenken brachte, war diese furchtbare, unfassbare Tragödie des Flugzeugabsturzes der Germanwings Maschine über Frankreich und die traurige Tatsache, dass dabei auch eine Schüler/innengruppe mit ihren beiden Lehrerinnen ums Leben kamen. Meine Gedanken waren ganz viel bei dem Schulleiterkollegen in Deutschland, den ich natürlich nicht persönlich kenne, aber dessen Beruf mir so vertraut ist und ich maße mir an zu sagen, dessen Denken mir ein wenig vertraut ist. Über den Alptraum, den er persönlich als Leiter der Schule erlebt, mag ich gar kein Wort verlieren (und bitte nicht missverstehen, ich vergleiche hier keine Alpträume, all dem kann man angesichts der Unfassbarkeit der Tragödie sowieso nicht gerecht werden…)
Aber dennoch lässt die Frage mich nicht los, was braucht eine Schulgemeinschaft, um so ein Unglück gemeinsam tragen zu können.

Seit drei Jahren nun leite ich also eine Schule. Ich bin verantwortlich für…. naja kurzgesagt für fast alles, für Stundenpläne, Diensteinteilungen, Personalentwicklung, Budgets, Abrechnungen, Einkäufe, Gebäude Instandhaltung, Schulentwicklung und und und. Manchmal fordert der Job total, manchmal überfordert er auch und die Bürokratie verschlingt mich, dann gäbe ich ein Königreich für ein Sekretariat, für einen Administrator etc. Aber Gott sei Dank gibt es jede Menge anderer Tage….. Ich mach meinen Job unglaublich gerne, ich fühl mich verantwortlich für eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre für die 300 Kinder und meine 30 Kollegen. Ich fühl mich gemeinsam mit den beiden anderen Leiterkollegen verantwortlich für eine gute Atmosphäre am ganzen Campus – das sind dann in etwa 1000 Kinder und Jugendliche und in etwa 130 Mitarbeiter/innen (inklusive Hortpädagoginnen, Reinigungszauberfeen, unersetzbarem Hausmeister etc)
Ich leg mein Herzblut in diese Arbeit, bilde mich weiter, informiere mich, habe immer eine offene Tür, will da sein, hellhörig sein, will zuhören, trösten, planen, verändern, neue Wege beschreiten, Entwicklungen fördern und dafür Sorgen, dass Kinder in vier Jahren an unserer Schule jede Menge positive Erfahrungen machen und lernen, dass es okay ist, so zu sein, wie man eben ist, ob mit oder ohne handicap, Migrationshintergrund, Sommersprossen etc.
Zwischendurch gibt es immer wieder Momente, in denen das System „Schule und Bildung in Österreich“ mich lähmt und ich große Zweifel habe an dem, was ich tue.
Und dann gibt es Tage wie heute. Um 11 Uhr hat sich heute die ganze Rasselbande bei uns im Festsaal zur ersten Schulversammlung getroffen. Und da sitz ich dann so auf den obersten Stufen zur Bühne und schau auf 300 lachende Kindergesichter, die vor mir auf dem Boden sitzen und merke, wie ich kurz um Fassung ringe, weil der Gedanke „das sind alles ‚meine'“ mich total berührt. Und ich sag zu den Kindern, wie gern ich dieses Bild mag und dass es schön ist, sagen zu dürfen „alles meine“ …..und sie jubeln und applaudieren….. Wir laden die Geburtstagskinder des Monat März ein, aufzustehen und singen ein „Wie schön, dass du geboren bist“ und es freuen sich die großen und die kleinen Geburtstagskinder. Wir laden ein zu einer Lobrunde, Lehrer/innen loben Schüler dafür, dass sie ihnen was erklärt haben im Bereich Technik, oder dass sie bei der Durchführung von Schulveranstaltungen so tatkräftig mithalfen. Schüler/innen loben andere Schüler/innen für Unterstützung, für gemeinsame Projekte, Schüler/innen loben eine Lehrerin, die spontan eingesprungen ist und somit eine Schulveranstaltung gerettet hat und und und…… Und dann singen 72 Erstklassler für uns alle noch ein Lied. „Freunde, wie wir….“ ….. Und dann schicken wir sie alle in die Ferien, der Festsaal leert sich, es wird wieder still, ich bleib noch ein Moment auf der Bühne sitzen. Ein Kollege geht vorbei und sagt: „Gut, dass du wieder da bist.“

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Abgrundtief

Ich wage mich vor
an den abgrund meiner seele
und blicke hinunter
in das schier endlose dunkel.

ich konzentriere meinen blick
und durchdringe die nacht.
Ich begegne dem fremden,
das dennoch ein teil von mir ist.

ich erkenne
meine wut, meine ohnmacht und
auch meinen hass.
sie kauern unsicher und zerzaust
in der hintersten ecke
des dunkels.

lange bleibe ich stehen und betrachte
stumm, was diese grenze mir zeigt.
doch ich laufe nicht weg,
ich beuge mich tief und reiche die hand
meiner wut, meiner ohnmacht und auch dem hass.

sie kommen zaghaft nach vorne und treten
ins licht. sie verlieren ihren schrecken
und ich nehme sie an.
ungern, aber bewusst und wissend,
dass sie vervollkommnen die, die ich bin.

abgrundtief. das dritte wort. [*.txt] http://neonwilderness.net/2015/02/18/das-dritte-wort-txt/

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Wunschfrau

den sekundenbruchteil des augenblicks, wenn dein lächeln mich findet
den freudigen flügelschlag des schmetterlings, wenn die sonne den saum seiner flügel berührt
das leise lachen des windes, wenn er sich in unseren haaren verfängt,
den weichen klang der erde, wenn kleine füße sie berühren,
die sanfte klarheit des regens, der alle unsicherheit wegwäscht,
die bergende wärme deiner nähe,
das aufgeregte rascheln der blätter bevor sie sich auf ihre reise begeben,
die geheimnisvollen gärten in den gründen unserer seele,
das prächtige farbenspiel der rosen im garten der erinnerung,
das leidenschaftliche lied der wellen, das uns an den strãnden unserer meere erwartet.

was mehr könnte ich mir wünschen, außer vielleicht die nährende stille deiner gegenwart täglich neu zu erkennen.

[ projekt *.text, Wort 2 „wünschen“ http://neonwilderness.net/2015/01/28/das-zweite-wort-txt/ ]

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