Gänsehauttag

4.Oktober. Franziskustag. Der Gedenktag des Hl. Franz von Assisi ist in unseren franziskanischen Bildungseinrichtungen immer ein besonderer Tag, ein Feiertag. Meine Schule, also besser gesagt mein Team, hat für dieses Jahr beschlossen, am Franziskustag ganz im Sinne von dem, dem wir gedenken, miteinander Gutes für andere zu tun. Deshalb als Franziskuslauf. Ein Charity run in Kooperation mit der Caritas und deren Aktion „Laufwunder“.

Alle unsere kids suchen im Vorfeld Sponsoren (ein Hoch auf alle Eltern, Großeltern, Onkeln,Tanten etc) und diese zahlen pro gelaufenem Kilometer einen mit dem Kind vereinbarten Betrag. 300 Kinder, 30 Lehrer und auch einige Eltern waren also heute am Vormittag am Traunufer unterwegs. Es spielt keine Rolle, ob man läuft, walkt, geht oder mit dem Rolli unterwegs ist, jede Runde zählt. eine Runde ist genau ein Kilometer. Zwischendurch gibts Pausenstationen (keine Ahnung wieviel Bananen ich heut geschält und wieviel Äpfel ich aufgeschnitten hab….) und für jede Runde ein Stricherl auf der Startnummer….. soviel mal zur Erklärung.

Es war ja wirklich ein perfekter Tag heute, die strahlende Herbstsonne hat uns begleitet und wir wurden beschenkt, durch so viele berührende Momente….

  • Bis vorgestern war der Trinkbrunnen entlang der Strecke in Betrieb, heute morgen kein Wasser. Information von Passanten „der wurde gestern eingewintert“….ein Anruf beim Zuständigen E-Werk, 20 Minuten später ist ein Wassertechniker da, der alles wieder anschließt und somit allen fleißigen Läufer/innen Trinkpausen ermöglicht. Unkompliziert, engagiert und mit viel Herz.
  • Als ich zur Brücke und zu „meiner“ Obststation gehe, sehe ich einen Vater auf einer Bank sitzen und auf sein vorbeilaufendes Kind warten. Ich unterhalt mich ein wenig mit ihm, er sagt, er ist da, weil sein Mädel nicht so gern läuft u d er sie motivieren möchte. Als ich weitergehe sagt er noch, eigentlich sollt man eh selber auch laufen….keine 10 Minuten später läuft er mit seiner Tochter an mir vorbei. Der Vater ist alles andere als Sportskanone, er ist auch nicht wirklich im Sportsoutfit da, sondern in Hemd und Jeans…..er läuft gemeinsam mit seiner Tochter 7 Runden, der Schweiß rinnt ihm in Strömen herunter, aber er strahlt und lacht, weil er so mit seinem Mädel die zehn Runden schafft, die sie sich so vorgenommen hat……den hätt ich am liebsten umarmt.
  • Ein Papa taucht überraschend auf mit voller Kameraausrüstung, hat sich spontan doch freigenommen, um seinen Sohn zu motivieren und anzufeuern.
  • Unser Held des Tages ist unser Rolli Kind. 1.Klasse NMS. , also grad mal 11 Jahre, voll motiviert auf der Strecke und er schafft unbeschreibliche 7 Runden, also 7 Kilometer….am Ende des Tages treff ich noch seine Mutter, die mit Tränen in den Augen dasteht und sagt, mein Kind strahlt, danke, dass Sie ihm ermöglichen, sich normal zu fühlen…..
  • Die Kinder sind so unglaublich motiviert, spornen sich gegenseitig an, unterstützen sich und schaffen soviel gemeinsam. 3 Mädels kommen extra vorbei, um mir zu sagen, dass sie es super finden, dass ich mir heut auch so viel Zeit für sie nehme.
  • Unser Elternvereinsobmann schaut mit seinem Hund vorbei, hat jede Menge Obst und Traubenzucker im Gepäck und begleitet dann seine Kinder auch auf den Runden….
  • Passanten, die stehen bleiben und sagen, ma ist das eine Freude, euch zuzuschauen wiegen diejenigen bei Weitem auf, die mich als Leiterin wüst beschimpfen, weil sie kurz vim Rad absteigen mussten und meinen, wir sollten gfälligst woanders laufen…

Um 12:30 waren alle kids wieder eingesammelt und nach dem Zusammenräumen begann das spannende Abrechnen und Kilometerzählen…. und dann sitzen wir da im Konferenzzimmer und rechnen und schauen uns ungläubig an. Nochmal schnell nachrechnen und sicherheitshalber auch ein drittes Mal….2016 bei unserem letzten Lauf schafften wir 2430 Kilometer……wir waren sooooooo gespannt, was wir heuer geschafft haben……und dann steht da plötzlich eine Endzahl: 2690

Wir schauen uns an und jubeln los, Gänsehautmoment. Zwei.tausend.sechs.hundert.und.neunzig. Kilometer…….Wahnsinn!! Ich könnt grad platzen vor Stolz und Freude über das gesamte Team und all die eifrigen Kids….gemeinsam kann man wirklich so viel erreichen und vor allem, man kann sich dabei auch selber noch so viel Lebensfreude und Lebendigkeit schenken.

Morgen um 09:20 trommeln wir alle im Schulgarten zusammen und werden dort per Megaphon eine Zahl hinausschreien und den Kids das Kilometerergebnis damit verkünden. 2690. Und vermutlich werdet ihr unseren Jubel weit hören…..

Jetzt bleibt noch abzuwarten, welche Spendensumme wir aufgrund der Kilometer schaffen…..das wird nochmal spannend. Stay tuned 😉!

Advertisements

dem Leben ein Fest

wir versammeln uns um dich und

beginnen ein fest, wie in den großen traditionen.

große feste beginnen am vorabend.

dein lachen begrüßt uns

und noch fällt es schwer, es zu erwidern.

wir feiern dein fest, auch wenn wir dich morgen zu grabe tragen.

am abgrund des todes dem leben ein fest und die spuren

deiner unerschütterlichen liebe zum leben tanzen und singen.

du hast gekämpft, bist immer wieder auf die beine gekommen, hast dich vom rollstuhl

nie bezwingen lassen.

du hast uns angesteckt mit deiner lust auf leben, deinen mann, deine kinder, deine

familie und uns alle. ich kann mich an keine begegnung ohne lachen mit dir erinnern.

du forderst uns auf mit deinem viel zu frühen tod, dem leben ein lachen zu schenken,

du zeigst uns, wie wertvoll und not_wendend es sein kann, die prioritäten zu ändern,

ohne wenn und aber konventionen hinten anzustellen und das leben zu lieben.

du wirst uns nah bleiben und die erinnerung an dein lachen wird uns begleiten und

wege weisen, wenn wir uns zu verirren drohen in unseren hamsterrädern.

den eigenen tod müssen wir sterben, doch den tod derer, die uns nah sind müssen wir

leben.

danke, dass du warst und nun bist.


Empört euch…oder was die Ankündigung von Schulreformen mit einer Direktorin macht.

Ja, ich empöre mich.

Ich bin wütend und zornig.

Nach einem intensiven Arbeitstag im Dienst von vielen Kindern steige ich ins Auto, um aus dem Radio wieder einmal nicht unwesentliche Informationen meinen Beruf betreffend zu hören. Ich mag das ja besonders gern, solche Dinge über die Medien mitgeteilt zu bekommen. Der neue Herr Minister, der uns noch nicht mal eine Begrüßungsmail geschickt hat oder einen Brief geschrieben hat, erklärt also, dass die Neue Mittelschule reformiert werden soll, Teamteaching verändert und die Notenskala wieder rückgeführt werden soll.

Soll ich gleich losheulen oder hysterisch lachen -ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, was mich morgen in der Schule erwarten wird. 30 Lehrer/innen, die von mir wissen möchten, ob das, was heute in den Medien gesagt wurde, tatsächlich stimmt. Ich will nicht sagen müssen, ja, liebe Kollegen, große Teile von dem, was wir mühevoll erarbeitet haben und wo wir jetzt endlich begonnen haben, die Früchte zu ernten, werden wieder in den Schubladen verschwinden und wir gehen wieder zurück an den Anfang, der ohnehin auch schon eine Systemkatastrophe war. Ich will morgen nicht sagen müssen, ja, für zwei oder drei von euch wird das auch bedeuten, dass ich keine Stunden mehr für euch haben werde. Und ich will den Eltern nicht erklären müssen, dass das, wovon wir sie mittlerweile überzeugen konnten, nun doch wieder obsolet ist.

Eine meiner ersten Aufgaben als Schulleiterin war es, die damalige Hauptschule in eine Neue Mittelschule umzuwandeln. Wir haben unzählige Fortbildungen besucht, ungezählte Stunden in Teambesprechungen verbracht, haben externe Begleitung gesucht,um unser Tun besser reflektieren zu können und Veränderungen hinsichtlich neuer Methoden und neuer Aufgabenkultur herbei zu führen. Wir haben uns bemüht weit bis an unsere Grenzen, wir haben unglaublich viel Herzblut investiert, um verunsicherte Eltern davon zu überzeugen, dass es gut ist, was wir tun und dass Neue Mittelschulen Kinder fundiert vorbereiten auf entweder Lehrstellen oder weiterführende Schulen.

Wir lassen uns medial durch den Fleischwolf drehen, werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, wie etwa zu wenig Medaillen bei olympischen Spielen und so weiter und dennoch geben wir nicht auf und bleiben dran. Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem selbst die engagiertesten mutlos werden und resignieren, um dann halt nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.

Dabei wünsch ich mir nichts anderes, als dass wir gehört werden, dass man gerade auch mit uns Schulleitern ins Gespräch kommt unseren Blick wahrnimmt und mit ein bezieht in Entscheidungen. Derzeit sind wir leider nichts anderes, als Spielbälle der jeweils Mächtigen.

Es muss uns doch verdammt nochmal bewusst sein, dass die Kinder in unseren Schulen, die Zukunft unserer Gesellschaft sind.

Ich hab für mich persönlich noch nicht entschieden, wie mein künftiger Weg in diesem System ausschauen wird, aber ich weiß, dass ich immer an der Seite der Kinder sein werde und zwar auch vor allem jener, die es nicht so leicht haben, die handicaps haben, die sozial schlechter gestellt sind, die Heimat brauchen und davon wird mich auch die mutwillige Zerstörung eines Systems nicht abhalten.

Es ist verantwortungslos unseren Kindern nicht die bestmöglichen Ausbildungen zuteil werden zu lassen, weil eigene Interessen oder politische Programme wichtiger zu sein scheinen. Es ist verantwortungslos, Gesamtschule nicht einmal andenken zu dürfen ohne gleich wieder geprügelt zu werden. Und es ist verantwortungslos und hochgradig gefährlich, eine junge Generation in Systeme zu stecken, die Bildung verhindern. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja sogar gewollt. Je weniger Bildung, umso mehr Chance dem Populismus, den fake news, den Verhetzungen und Verleumdungen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, uns das alles gefallen zu lassen.


Familienbande

Es hätte ein großes Fest werden sollen, der 100 er meiner Tante Paula, (die eigentlich die Schwester meines Großvaters war) aber alles kam anders, da sie uns im Jänner verließ.

Meiner Tante war diese Familienzusammenkunft immer sehr wichtig und so haben ihr ihre Enkelinnen das Versprechen gegeben, dass wir auch feiern würden, wenn sie einmal nicht mehr ist. Das Versprechen wurde gehalten und ein Termin vereinbart. Was wir damals bei der Beerdigung meiner Tante alle nicht ahnen konnten, war, dass uns bis zu dem angesetzten Feiertermin noch 3 aus der Familienrunde verlassen würden, darunter leider auch mein Paps.

Und so sind wir heute alle zusammen gekommen mit sehr gemischten Gefühlen, aber jetzt am Abend kann ich auch sagen, dass mich schon lange kein Familienfest mehr so berührt hat, wie das heute.

Wir haben heute gemerkt, dass wir miteinander lachen und weinen können, dass wir füreinander da sind und dass wir Emotionen und Trauer nicht verbergen brauchen. Wann immer eine/r von uns mit den Tränen zu kämpfen hatte, war mindestens ein/e andere/r da, um sie/ihn in den Arm zu nehmen.

Es gab so viele liebevolle Details. Rudi, der Hausherr, hat in seiner Begrüßungsrede schon so liebevoll all derer gedacht, die wir noch so gern bei uns gehabt hätten.

Normalerweise gab es immer ein Schätzspiel. Das gibt es nun nicht mehr, denn die letzten beiden Gewinner waren meine Tante Paula und mein Paps und deshalb sollen die beiden auch in Hinkunft die Nummer eins bleiben.

Wir haben es wie alle Jahre gemacht, gemeinsames Mittagessen, wir „Jungen“ (also die Generation beinahe 50) kümmerten uns dann um Geschirr, Gläser,Abwasch etc…. die Kinder tobten im ersten Stock und hatten Spaß, die Oldies plauderten am Tisch, wir bauten das Buffet ab und den Kuchentisch auf und freuten uns, dass wir es auch dieses Jahr geschafft haben.

Und wie alle Jahre haben wir dann mit Sekt angestoßen auf meine Tante Paula, aber auch auf meinen Paps und die beiden anderen, die fehlen.

Wir ließen bunte Luftballone in den nebelgrauen Himmel steigen, an jedem hing ein guter Gedanke oder Wunsch für die, die nicht mehr hier sind.

Mein Onkel hatte unglaublich liebevoll Fotos der Geburtstagsfeiern der letzten zehn Jahre herausgesucht und als Präsentation zusammengestellt….bei vielen Fotos mussten wir schmunzeln, bei manchen kamen uns die Tränen und doch war es gut, sich gemeinsam zu erinnern.

Meine Tanten haben uns überrascht und die eine hat für jeden einen kleinen Engel gebastelt und die andere für jeden ein Stoffherz genäht, um zu zeigen, wie wichtig ihnen der Tag heut war.

Und wenn einen genau diese Tanten dann beim Abschied fest in den Arm nehmen und ins Ohr flüstern „ich bin so froh, dass es dich gibt“ , dann bin ich dankbar und berührt Teil dieser wunderbaren Familie sein zu dürfen…….


Erwachsenengerechter Pflichtschulabschluss oder wie man Steine aus dem Weg räumt.

In unserem Haus gibt es im WRG eine sogenannte Übergangsklasse für Asylwerber.  Nach Abschluss dieser Klasse sind die jungen Menschen berechtigt, an einer Neuen Mittelschule extern die Pflichtschulabschlussprüfungen zu absolvieren.  Jeder von ihnen am eigenen Wohnort, also in einer Schule, die vielleicht keine Ahnung hat, was in dem Jahr alles unterrichtet und gelehrt wurde.

Die Bürokratie, die für uns Schulleiter/innen damit verbunden ist, ist enorm. Die Entlohnung ein Hohn (ich bekomme pro Prüfungsvorsitz 1 €, jeder Jugendliche muss insgesamt 6 Teilprüfungen ablegen). Den unterrichtenden Kolleg/innen in diesen Übergangsstufen hat man erst zu Ende des Jahres mitgeteilt, dass die Prüfungsfächer z.B nicht Deutsch sondern „Deutsch und Geschichte“ oder nicht Englisch sondern „Englisch und Globalität, Transkulturalität“ (also Geografie im Weitesten) heißen.

Wenn man in so einer Dienstbesprechung sitzt, wo einem das Prozedere erläutert wird, beschleicht einen das Gefühl, dass man es jungen Menschen extra schwer machen will, bei uns Fuß zu fassen -aber das ist natürlich nur eine sehr, sehr subjektive Wahrnehmung meinerseits.

Nun, wir haben uns entschlossen, den jungen Menschen in unserem Haus entgegen zu kommen und ihnen das Angebot zu machen, dass alle (Wohnsitz hin oder her) bei uns die Prüfung ablegen können. Meine Kolleg/innen haben sich bereit erklärt trotz Schulschlussstress noch Berufsorientierung, Deutsch und Mathematikprüfungen zu erstellen und diese noch vor Schulschluss abzuhalten. Englisch und die Wahlfächer kommen im Herbst.

9 junge Burschen/Männer haben die Zulassungsbedingungen erfüllt. Heute um 13 Uhr begannen die ersten Prüfungen.

Montag, 26.06.2017, 13:00 – ich stehe in einem schön vorbereiteten Prüfungsraum, vor mir sitzen die 2 Prüfenden Kolleginnen, mir gegenüber 9 aufgeregte junge Männer, alle förmlich in dunkler Hose und hellem Hemd gekleidet und unglaublich nervös. Ihre beiden Klassenvorständinnen begleiten sie, genauso wie mein Kollege, der Direktor des WRG.

Ich begrüße alle, eröffne die Prüfungen und sage noch, dass wir großen Respekt vor den Leistungen der jungen Menschen haben und dass sie nicht nervös sein brauchen (ja eh, leichter gesagt, als getan…)

Noch bevor ich weiter reden kann, steht einer von den jungen Männern auf und sagt:  Frau Direktor, wir sagen danke, dass Sie uns ermöglichen, die Prüfungen hier gemeinsam zu machen.

Wir bitten den ersten Kandidaten heraus.  Präsentation Portfolio Berufsorientierung – deine Lebensgeschichte, deine beruflichen Ziele.

Taha ist 19 Jahre alt und beginnt seine Geschichte zu erzählen. Er ist top vorbereitet, hat eine tolle Präsentation zusammengestellt und spricht frei in wirklich schönem Deutsch. Taha lernt seit 1,5 Jahren Deutsch und allein seine Sprachfertigkeit nach dieser kurzen Zeit beeindruckt mich ungemein.

Als er den Tag beschreibt, an dem er seinen Vater das letzte Mal sah, stockt er und versucht seine Emotionen in Griff zu bekommen. Er versucht vergeblich, seine Tränen zurück zu halten, ich steh auf, geh zu ihm und da ich den Inhalt der Geschichte kenne, beende ich den Satz für ihn. Allerdings auch mit dem vergeblichen Versuch, meine Tränen zurück zu halten. Ich bin nicht die einzige im Raum, der es so geht – wir Erwachsenen sind alle erschüttert von der Fluchtgeschichte.

Ein junger Mann, der auf der Flucht mit einer Familie schreckliche Dinge erlebt hat, bei denen es uns schon schwer fällt zu zuhören, erzählt von seinen Träumen. Er erzählt uns, was er gelernt hat: niemals aufzugeben, für die eigenen Ziele zu kämpfen, die eigenen Familie zu beschützen, zu lernen, zu studieren, um Fuß fassen zu können. Gänsehautmoment.

Taha ist ein Beispiel von vielen jungen Menschen, die wirklich mehr als redlich bemüht sind, ihr bestes zu geben und trotz schrecklicher Umstände, die sie zwangen ihre Heimat zu verlassen, eine positive Zukunft zu gestalten.

Ich kann gar nicht sagen, wieviel Respekt ich vor der Leistung dieser jungen Menschen habe, vor Ihrem Eifer, vor Ihrem Durchhalten und den Bemühungen. Vor der Ernsthaftigkeit und Dankbarkeit mit der sie heute diesen Prüfungsmarathon begonnen haben.

Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um diesen jungen Menschen zu ihrem Pflichtschulabschluss zu verhelfen. Und bin einmal mehr entsetzt über all den Hass und die Gewalt, der man in unserer Gesellschaft zum Thema Flucht und Asyl derzeit begegnet.

Wenn uns doch manchmal ein wenig bewusster wäre, was für ein Glück wir haben, in diesem Land Österreich geboren zu sein. Und dass damit keinerlei Leistung verbunden ist, sondern eben einfach nur das Quäntchen Zufall, das Leben oft so unterschiedlich verlaufen lässt.

Tragen wir dazu bei, dass Friede und Verständnis füreinander die Oberhand behalten, dass wir erkennen, dass uns niemand etwas wegnimmt, dass es uns nicht schlechter geht, dass Menschen auf der Flucht keine grundsätzliche Bedrohung sind.

Und nein, ich bin nicht blauäugig. Ich weiß, dass viele Asylwerber sich schwer tun mit Integration, dass nicht alles so läuft, wie wir uns das wünschen würden und dass es viele schwierige Momente gibt. Aber: wir haben die Chance, jenen zu helfen, die sich redlich bemühen, wir können aufhören mit Pauschalverurteilungen und endlich anfangen genauer hinzuschauen statt permanent weg zu schauen.

Von den 9 jungen Männern, die heute zu den Prüfungen angetreten sind, hatten erst 2 ein Interview. Und im Prinzip können alle 9 wieder abgeschoben werden. Und trotzdem lernen und arbeiten sie voller Hoffnung für ihre bessere Zukunft.

Ähnliches Foto

 

 


Nikolaus

Gleich mal vorweg ich bin Nikolausfan. Bekennender. War schon als kleines Kind fasziniert von dem Mann mit Rauschebart, dessen Stimme so sehr an meinen Papa erinnerte, aber mein Papa hat den Besuch des Nikolaus zu meinem Ärgernis ja immer verpasst, er kam da jedesmal zufällig zu spät vom Dienst nach Haus…..

Nun gut. Es wurden viele Nikolaussackerl heute verteilt und es gab viele strahlende Gesichter. Auch ich hab mich über meine schon sehr gefreut heut. Dienstag ist ja auch immer mein „Mutterhaustag“ – soll heißen, da bin ich am Nachmittag nicht in der Schule sondern im Büro im Mutterhaus. Und da sitz ich also am späten Nachmittag so am Computer und tippe fröhlich vor mich hin (und genieße Ruhe und Stille) da klopft was an der Tür. Erster Gedanke, ah die Putzfrau kehrt draußen schon zusammen. Es klopft nochmal, diesmal hartnäckiger. Oh, da will wer zu mir. Also Tür auf.

Und dann steht er da. Der Nikolaus. Groß, langer Rauschebart, schönes Kleid mit schönem Umhang, eine goldene Mitra mit bunten Steinen und natürlich ein Bischofsstab. Schwester Floriberta, die den Nikolaus begleitet, kann sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen, kein Wunder, wenn man mich so mit offenem Mund und großen staunenden Augen da stehen sieht. Der Nikolaus schlägt sein goldenes Buch auf und sucht meinen Namen. Und dann beginnt er zu erzählen. Das, was ihm Schwestern über mich erzählt haben. Und ich steh da. Gänsehautfeeling. So viel Wertschätzung, soviel Anerkennung für meine Arbeit und so viel Rückenstärkung für den weiteren Weg. Ich antworte artig auf die Fragen und ertappe mich dabei, wieder Kind geworden zu sein. Verlegen und mit roten Wangen steh ich aufgeregt da und hab Mühe, meine Rührung zu beherrschen, als mir der Nikolaus aus seiner Tasche Schokolade schenkt.

Der Nikolaus muss wieder weiter. Die Tür schließt sich wieder und ich steh allein im Büro. Mit einem Herzen angefüllt bis obenhin mit Freude und Dankbarkeit. Was ist das doch für ein Geschenk, wenn Menschen einander so wichtig nehmen, dass sie sich so viel Mühe machen. Erwartungslos. Bedingungslos. Nur der Sache wegen.Die Liebe, die diese Schwestern (die Franziskanerinnen von Vöcklabruck) schenken, lässt Menschen heil werden. Ganz tief innen drinnen, dort, wo wir es alle am Nötigsten haben.

Danke, lieber Nikolaus für dieses überraschende Wiedersehen nach gut 40 Jahren. Du hast dich kaum verändert……

image


Gone…..

In ein paar Tagen wird es ein Jahr, dass du nicht mehr mit uns bist. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht und trotzdem fühlt es sich so an, als hätten wir erst gestern noch ein Glas guten Rotwein miteinander getrunken und über Gott und die Welt – im wahrsten Sinne – geplaudert.

Heut morgen am Weg in die Arbeit hat mir dein geliebter Traunstein im Sonnenaufgang wunderbar entgegengeleuchtet und ich musste lächeln, weil ich in so einem Moment immer das Gefühl hab, dass du da bist. Ein Sonnenaufgang soll ich werden/sein, für die, die mir anvertraut sind, hast du gemeint. Manchmal schieben sich aber trotzdem gehörige Wolken vor.

Ich vermiss deinen Rat, deine Meinung – wie gern hätt ich das amerikanische Wahlergebnis mit dir diskutiert. Ich vermiss dein Lachen, den Klang deiner Stimme, unsere Spaziergänge im Schweigen, deine kritischen Anmerkungen, deine Impulse, das gemeinsame Meditieren , das schelmische Funkeln in deinen Augen und so viel mehr.

Und dennoch ist da auch so viel Dankbarkeit für all das, was wir in den letzten Jahren teilen durften, für die vielen Begegnungen, für lange Gespräche, für all unsere Kunstbetrachtungen, für gemeinsame Erlebnisse, nächtliche lange Telefonate und für all das, was immer noch von dir da ist. Für deine Freundschaft und deine Verbundenheit. Für dein Mitgehen und Dasein. Für dich.

image