Monatsarchiv: Januar 2010

Schmunzelhasen

Vor langer Zeit lebte einmal ein fleißiger Mann. Er war den ganzen Tag ziemlich beschäftigt und das war auch kein Wunder, hatte er doch ganz schön viel zu tun. Neben seinem herkömmlichen Beruf war er nämlich auch noch Bürgermeister. Und als Bürgermeister hat man sich eben um allerhand zu kümmern.

Die Leute im Dorf waren sehr froh um ihren Bürgermeister und sie hatten ihn gern. Überall wo er hinkam, fand er offene Türen vor und er ward gerne gesehn bei den Leuten. Viele luden ihn zu sich nach Hause ein und der Bürgermeister kam auch gerne. Nur manchmal, manchmal da wünschte er sich etwas mehr Ruhe und ein wenig mehr Zeit für sich selber und vor allem auch für seine Familie. Die kamen manchmal nämlich ganz schön zu kurz.

Aber anderseits sah der Bürgermeister auch, dass die Menschen ihn brauchten. Sie kamen mit ihren Sorgen zu ihm und oftmals saß er den ganzen Tag nur da und hörte zu. Vieles, was er da zu hören bekam, machte ihn ganz schön nachdenklich.  Und es beschäftigte ihn oft noch lange. Oftmals kam er dann nach ein paar Tagen bei jemandem vorbei, um sich zu erkundigen, wie’s ihm oder ihr denn nun ginge. Die Leute waren beeindruckt davon, was sich ihr Bürgermeister so alles merken konnte und sie fühlten sich ernstgenommen von ihm.

Und der Bürgermeister hatte noch eine besondere Eigenschaft. Er konnte besonders gut Geschenke machen. Er fand immer etwas, das genau zu der Situation passte und er freute sich selber sehr, wenn er merkte, dass auch die Beschenkten sich freuten. Und es gab alle möglichen Geschenke von ihm. Zuckerstangen in allen erdenklich bunten Farben für Groß und Klein, manchmal kam er sogar mit einem junge Bäumchen an, das die Menschen dann erfreut in ihre Gärten setzten und es hegten und pflegten. Aber ein Geschenk war bei den Menschen im Dorf immer besonders begehrt. Der Bürgermeister kam manches mal mit einem Korb in der Hand zu den Menschen. Über den Korb war meist ein Tuch gebreitet und deshalb sah man den Inhalt auch nicht sofort. Wenn man aber genauer hinsah, dann merkte man,dass das Tuch sich immer mal wieder bewegte. Und wenn der Bürgermeister  endlich das Tuch wegnahm,  war die Freude meist sehr groß, denn im Korb saß nämlich ein kleines, flauschiges Kaninchen.

Und das waren nicht irgendwelche ganz normalen Kaninchen, sondern es waren sehr besondere Tierchen. Diese Kaninchen brachten die Menschen zum Schmunzeln. Und so kam es, dass in dem Dorf immer mehr Leute auf den Straßen unterwegs waren, die so ein freundliches Schmunzeln im Gesicht hatten.  Egal, ob es in Geschäften, Lokalen oder auf  der Straße war, man traf immer mehr zufriedene Menschen an. Die Leute wurden geduldiger und nachsichtiger, sie lächelten einander an,wenn sie sich auf der Straße trafen,sie hatten ein freundliches Wort füreinander und wenn sie sich erst nach ihren Kaninchen zu erkundigen begannen, dann wurde aus dem freundlichen Schmunzeln meist ein breites Grinsen. Die Kaninchen steckten alle an, egal ob es die Kinder im Dorf waren oder die Alten, die manchmal nur noch griesgrämig vor den Häusern saßen. Diese kleinen weichen Geschöpfe übertrugen ihre Ruhe und Gelassenheit einfach auf die Menschen, sobald diese begannen sie zu streicheln.

Oftmals geht der Bürgermeister nun am Abend noch eine Runde durch sein Dorf. Und er freut sich, wenn er sieht, wie friedlich und freundlich es bei ihnen im Dorf nun wurde. Und als Abschluss des Tages gab es für ihn oft nichts Schöners, als noch ein Stück weiter aus dem Dorf rauszugehen und auf den Wiesen das saftigste Grünzeug einzusammeln, für all die kleinen Kaninchen, die bei ihm zu Hause noch auf ihre neuen Besitzer warteten. Und der Bürgermeister überlegte auf dem Heimweg meist schon, wen er am nächsten Tag besuchen würde und welches seiner Kaninchen ihn auf diesem Weg begleiten würde. Und seine Familie freut sich mit ihm, denn auch er selber wurde immer ruhiger und zufriedener, mit jedem Besuch den er den Menschen abstattete. Er sah, dass das was er tat gut war und darüber freute er sich.

Und so hegen und pflegen sie alle ihre Kaninchen in dem Dorf und wenn du dort einmal hinkommst, dann wundere dich nicht über all die schmunzeldnen Gesichter sondern schau, dass du auf deinem Weg den Bürgermeister triffst.  Vielleicht hat er ja auch ein Kaninchen für dich.

Advertisements

Sibirischer Tiger…….

….müsste ich sein 🙂

Dann wär mir heut morgen vielleicht nicht ganz so kalt gewesen. Ach was heißt heut morgen, im Prinzip is mir den ganzen Tag heut schon kalt. Allerdings so Extremkälte hat auch was an sich. Kindheitserinnerung total: Durch knirschenden Schnee stapfen, die Nase friert beim Einatmen fast zu und die Kälte sticht im Gesicht.

Laut Nachrichten hatten wir hier in Österreich heut die kälteste Nacht seit 13 Jahren. Tiefster Wert heut nacht wurde in Niederösterreich erreicht mit MINUS 27,6 Grad….. hm, da waren bei uns die minus 17 Grad von heut morgen ja vergleichsweise warm.

Und das Wetter hat’s ja an und für sich faustdick hinter den Ohren…. da hübscht es sich mit strahlend blauem Himmel und Glitzerschnee auf, Sonnenschein noch dazu und man denkt sich noch, oh wie fein und kaum macht man einen Schritt raus, hört man es schon *Ätsch* rufen….strahlend blau und Sonne pur täuschen nämlich gewaltig, es hat immer noch minus 10 Grad.

Und deshalb werd ich mir jetzt ein warmes Plätzchen suchen und versuchen, mich wieder aufzutauen.

Ach ja, erwähnte ich schon, dass ich gerne wieder Sommer hätte. Jetzt sofort dann. Bitt schön, liebes Wetter!!


Billy Apfel

Im Land Ganzanderswo lebte einst ein Junge. Sein Name war Billy, aber von den meisten wurde er Billy Apfel genannt. Billy hatte nämlich schon seit die Menschen sich an ihn erinnern konnten einen Apfel auf dem Kopf.

Das schaute durchaus lustig aus und viele, die ihn zum ersten mal sahen, waren sehr erstaunt, dass der Apfel nicht herunterfiel. Manche allerdings glaubten, der Apfel müsste angewachsen sein, denn Billy bewegt sich ja, wie jeder andere Junge in seinem Alter auch. Er hüpfte und tobte genauso wie die anderen herum, wenn ihm danach war. Aber viel öfter war ihm nach langen, einsamen Spaziergängen. Das liebte er, wenn er so durch die Wälder oder auch durch die Städt streifen konnte, er ganz allein mit seinem Apfel auf dem Kopf. Da entdeckte er allerhand wundersame Dinge und Gestalten und von diesen langen Spaziergängen kam er oft mit tollen Ideen zurück, die er dann sofort in die Tat umsetzte.

Billy hatte es nicht immer leicht, weil vielel Menschen in Ganzanderswo ihn auch nicht verstanden. Immer wieder musste er sich rechtfertigen und musste erklären, warum er eben so mit seinem Apfel auf dem Kopf leben wollte. Billy selber war zwar auch nicht immer so ganz zufrieden mit seinem Leben aber er schaffte es immer wieder, das Beste daraus zu machen und er wusste einfach, der Apfel gehört zu ihm. Basta.  Billy nahm sich ohnehin kein Blatt vor den Mund und sagte den Bewohnern von Ganzanderswo oftmal gehörig seine Meinung. Viele schätzten ihn deswegen aber mindestens soviele konnten damit auch gar nicht gut umgehen. Billy selber war eigentlich ein recht stiller Junge, der viel nachdachte. Oftmals war er auch furchtbar tarurig, weil seine Wünsche, Pläne und Sehnsüchte irgendwie so gar nicht wahr werden wollten. Aber dennoch, er schaffte immer wieder, sich aufzurappeln. Einmal schauen, ob der Apfel richtig sitzt, einmal tief einatmen und den Duft des Apfels wahrnehmen und schon war seine Welt wieder halbwegs in Ordnung.

Doch eines Morgens geschah das Unfassbare. Billy war noch ziemlich müde und verschlafen als er ins Bad tappste. So richtig wohl fühlte er sich auch nicht und als er in den Spiegel blickte, da erschrak er fürchterlich. Ogottogott, wie konnte das passieren?? Der Apfel war weg….einfach weg. Billy rannte sofort zurück in sein Zimmer, um im Bett und auf dem Boden zu suchen…aber der Apfel war weg.

Diese Nachricht verbreitete sich in windeseile in Ganzanderswo und alle kamen herbei, um Billy zu sehen. Viele waren einfach neugierig, wie er denn so ohne Apfel ausschaute, andere aber versuchten ihn zu trösten und manche brachten ihm einen neuen Apfel mit. Aber leider nützte das gar nichts. Billy wollte sich nicht irgendeinen Apfel auf den Kopf setzten sondern er wollte seinen Apfel wieder haben. Er war untröstlich und wäre am liebsten gar nicht mehr außer Haus gegangen. Und so vergingen Wochen und Monate, es wurde Frühling und es wurde Sommer und Billy war kaum noch zu sehen. Keine ausgedehnten Spaziergänge mehr, keine Diskussionen mit den Menschen in Ganzanderswo. Und die Menschen stellten fest, er fehlte ihnen.

Und irgendwann stellte auch Billy fest, dass ihm die Menschen fehlten und so wagter er sich außer Haus. Er war sehr unsicher, hatte er doch seinen Apfel nicht mehr. Aber dennoch, er wollte  einfach wieder raus und unter Menschen sein. Sein erster Erkundungsgang führte Billy in den Garten und er staunte nicht schlecht, was er dort vorfand. Direkt unter seinem Zimmerfenster, da regte sich etwas. Er ging hin und schaute genauer und traute seinen Augen kaum. Da wuchs doch tatsächlich ein kleines aber feines Apfelbäumchen. Billy war überglücklich und hegte und pflegte das Bäumchen und das Bäumchen wuchs und wuchs und wurde zu einem stattlichen jungen Apfelbaum. Viele Menschen in Ganzanderswo waren begeistert, wie gut Billy diesen Baum pflegte und wie sehr er sich mittlerweile auch um den restlichen Garten gekümmert hatte. Es war ein wahrer Paradiesgarten geworden. Viel kamen nun und erfreuten sich an den Pflanzen und den Blüten, an dem Duft und an den Früchten. Oftmals kam auch ein Bewohner von Ganzanderswo mit seiner Pflanze zu Billy, um seinen Rat und seine Hilfe zu holen. Billy hatte nämlich wahrlich einen grünen Daumen und ganz ganz viel Feingespür für Lebewesen aller Art. Und das merkten und schätzten die Bewohner von Ganzanderswo auch so sehr an ihm.

Und schließlich war es soweit. Die erste Apfelernte stand an. Wunderschöne, rote, saftige Äpfel bot ihm das Bäumchen an und Billy nahm sie dankbar entgegen. Einen kurzen Augenblick war Billy versucht, sich wieder einen Apfel auf den Kopf zu setzten aber dann ließ er es gelassen doch wieder bleiben. Er wusste ja mittlerweile, dass ihn die Menschen aus Ganzanderswo auch so achteten und schätzten und er keinen Apfel mehr brauchte, um auf sich aufmerksam zu machen.

Er nahm die Äpfel und alles andere, was ihm sein Garten bot und lud die Menschen zu einem großen Fest in seinen Garten ein. Und es wurde wahrlich ein rauschendes Fest. Und wenn mich nicht alles täuscht, dann feiern sie in Ganzanderswo immer noch ein wenig und Billy ist glücklich mitten unter den Menschen in seinem Garten.


Dondolo

Vor langer Zeit lebte einst in den Wäldern der Dondolo. Der Dondolo war ein seltsames Wesen, der seine Gestalt verändern konnte und den man deshalb auch nur schwer finden konnte. Man wusste ja nie genau, ob es denn nun der Dondolo war oder doch jemand anders, wenn man so durch die Wälder streifte.

Der Dondolo war eigentlich ein sehr friedliebendes Wesen, das den Menschen gerne helfen wollte, zu dem zu werden, was sie eigentlich sein sollten. Das war aber gar nicht so einfach. Vor allem für den Dondolo war es nicht so einfach, denn der hatte mit sich selber manchmal ganz schön viel zu tun. Es war nämlich gar nicht immer so lustig, sich in verschiedene Gestalten verwandeln zu können. Manchmal war das für den Dondolo nur furchtbar anstrengend.

Da wachte er morgens auf, und stellte fest, er ist mal wieder eine Schildkröte. Das wäre ja nicht weiter schlimm aber oftmals passierte ihm, dass er Menschen zu sich eingeladen hatte und genau wenn die kamen, hatte er aber dann justament das Bedürfnis, sich in seinen Panzer zu verziehen. Schildkröten machen so etwas ja gerne.

Die Menschen bemühten sich dann redlich, den Dondolo wieder hervorzulocken, alles mögliche ließen sie sich einfallen, sie meinten es ja gut mit ihm und freuten sich, wenn sie Zeit mit ihm verbringen konnten. Aber da war nix zu machen, wenn der Dondolo sich in seine Höhle, in seinen Panzer zurückgezogen hatte, dann blieb er da auch drin, solang es ihm passte und nix auf der Welt konnte ihn wieder hervorlocken.

Manche Menschen gingen dann verärgert weg, andere wiederum kannten ihn schon ganz gut und wussten, er braucht eben seine Zeit aber wenn’s ihm dann passt, dann kommt er ja wieder raus.

Und dann gab’s da auch die Zeiten,da war der Dondolo keine Schildkröte sondern da war er so genüsslich unterwegs wie ein Nilpferd. Er liebte es dann, sich bei jeder bietenden Gelegenheit im Schlamm zu wälzen und herumzuplanschen und wenn ihm dann auch noch jemand etwas besonders Feines zum Futtern vorbeibrachte, dann war er rundherum zufrieden und hatte jede Menge Spaß mit den Menschen. Er genoss das Zusammensein mit ihnen und die Menschen genossen die Zeit mit ihm, denn jedesmal wenn sie von ihm weggingen merkten sie, dass sie ein Stück ruhiger und ausgeglichener waren und das tat ihnen allen natürlich sehr gut.

Eines Tages beschloss der Dondolo, dass er nun sein Wesen einfach nicht mehr wechseln würde, um die Menschen auch nicht mehr zu verschrecken. Eine Zeit lang ging das ja auch ganz gut aber dann wurde der Dondolo furchtbar krank. Niemand wusste, was ihm fehlte, die Menschen machten sich große Sorgen um ihn aber nichts konnte ihm helfen. Der Dondolo war schon ganz schwach geworden, er sehnte sich doch so danach, endlich wieder eine Schildkröte sein zu dürfen, wenn ihm danach war oder dann auch mal wieder ein Nilpferd, eben auch , wenn ihm danach war. Er wollte sogern der sein, der er eben war und er mochte sich nicht mehr verstellen.

Den Menschen fiel auf, dass sie den Dondolo kaum noch zu Gesich bekamen und sie machten sich große Sorgen um ihn. Da kam ein weiser alter Mann ins Dorf und die Menschen erzählten ihm vom Dondolo und seiner Veränderung. Der weise alte Mann machte sich auf den Weg in den Wald, um den Dondolo zu suchen. Und tatsächlich, er fand ihn auch. Ganz klein und krank lag er da so in seiner Höhle und wollte zuerst den alten Mann gar nicht herein lassen. Doch der verstand es, mit dem Dondolo umzugehen und der Klang der Stimme tat dem kleinen Dondolo gut und so fasste er vertrauen zu dem alten Weisen.

Und der Alte tat nichts anderes, als sich hinzusetzen und dem Dondolo zuzuhören. Und er hörte ihm lange zu. Tagelang erzählte der Dondolo. Von seinen früheren Jahren, von seiner Fmailie, von dem Ort, wo er aufgewachsen war, von den Menschen, die ihm dort vertraut waren, von den Abenteuern, die er dort erlebte genauso, wie von den Kämpfen die er dort auszutragen hatte. Er erzählte  von all den Orten, an denen er schon wohnte und von den vielen Begegnungen, aus denen er ein wenig glücklicher hervorging, weil er wieder gemeinsam mit jemand wachsen konnte. Er erzählte von seinen Träumen und von seinen Sehnsüchten und es gelang ihm auch, über seine Ängste und Sorgen zu sprechen. Und der alte Mann saß einfach da und hörtes ihm zu. Er hörte ihm auf eine ganz besondere Art und Weise zu, denn der Dondolo merkte, dass er mit jeder Geschichte, die er dem alten Mann erzählte, selber wieder mehr Kraft und mehr Energie bekam. Als der Dondolo nach vielen Tagen endlich das Gefühl hatte, nun alles erzählt zu haben, stand der alte Mann auf.

Was, du kannst jetzt aber nicht so einfach gehen, meinte der Dondolo. Ohne dich werd ich ja sofort wieder krank werden, meinte er. Oh nein, antwortete der alte Mann, du brauchst nicht mich, um dir zu helfen, du brauchst dich selber. Du musst lernen, ganz du selber zu sein und deine Seiten anzunehmen. Du wirst lernen, die Schildkröte in dir genauso gern zu haben, wie das kleine Nilpferd und ihr werdet gut miteinander auskommen und du wirst sehen, du wirst viel schneller merken, wer du am nächsten Tag sein wirst. Du kannst die Menschen dann besser darauf vorbereiten und so wird es ihnen dann leichter gelingen, dich anzunehmen, so wie du eben bist und sie werden nicht mehr dauernd mit ihren Vorschlägen daherkommen und versuchen wollen,dich zu verändern.

Der Dondolo konnte zunächst gar nicht glauben,dass es so einfach sein sollte, da er dem alten weisen Mann aber vertraute, wollte er es zumindest versuchen. Er begann gut auf sich zu achten, hörte viel in sich hinein und lud auch nicht mehr ganz so viel Menschen gleichzeitig zu ihm ein. Von Tag zu Tag wurde er wieder kräftiger und eines Tages merkte er, dass er nun wieder völlig hergestellt war und vor allem auch, dass er endlich ganz er selber war und dass die Menschen ihn so nehmen konnten, wie er eben war.

Er kam aus seiner Höhle raus und freute sich. Er freute sich unglaublich. Er freute sich über jede einzelne Blume, die er sah, er freute sich über das Licht, über die Wolken, über den Regen genauso wie über den Wind. Er freute sich an allen Lebewesen und empfand eine ungeheuer große Zuneigung zu ihnen. Und auch die Lebewesen erwiederten diese Zuneigung und der Dondolo fühlte sich wohl so mitten unter ihnen, so als einer von ihnen.

Oftmals am Abend saß er da so, sich im Wind wiegend, vor seiner Höhle und dachte an den alten weisen Mann, der solang an seiner Seite saß und ihm zuhörte. Und manchmal fragte er sich dann, ob er ihm jemals wieder begegnen würde. Und eine Stimme ganz tief drinnen im Dondolo sagte ihm, dass dieser alte weise Mann ganz ihn seiner Nähe war. Mitten in seinem Herzen. Und dort fand er ihn auch immer wieder, wenn er sich zurückzog und seiner Sehnsucht Raum gab. Und so wurden der alte weise Mann und der Dondolo gute Freunde und sie freuten sich beide sehr, einander immer wieder zu begegnen. Genauso wie die Menschen sich täglich neu freuten, wenn sie dem Dondolo begegneten.

Schön, lieber Dondolo, dass du bei uns bist und wir gemeinsam ein Stück aneinander wachsen dürfen.


behütet

Gestern spät am Abend fuhr ich mit meinem Auto vom Bahnhof nach Haus zu mir. Eigentlich keine schlechten Fahrverhältnisse, trockene Fahrbahn, klare kalte Winternacht.

Als ich von Hauptstraße in die Ortszufahrt einbiegen will, sehe ich vor mir in der Kurve der Zufahrt eine spiegelglatte schwarze Schicht, die den Boden dort an der Stelle überzieht und weiß, ich kann dem nicht ausweichen. Wieso ist es dort jetzt eisig, wo kommt das her, was tu ich, was passiert mir gleich.

Und in dem Moment, das Gesicht eines lieben Bekannten aufleuchten sehen, in meinen Gedanken seinen Namen sagen „Norbert“ und dann überrascht feststellen, wohl behalten über das Eis drüber gekommen zu sein ohne schleudern, ohne Schaden. Herzklopfen. Dankbar.Und mit dem Gefühl, da hat mich jetzt jemand drüber gehoben.

Norbert verunglückte vor fast 10 Jahren in der Nacht meines 30. Geburtstages tödlich an dieser Stelle,  ein Weinhändler mit seinem Kleinlastwagen kehrte damals dort mitten auf der Fahrbahn um, weil er die falsche Abfahrt erwischte und Norbert konnte nicht mehr ausweichen.

Danke, Norbert.


Applebrei’s Gute Nacht Geschichte

In einem Land ganz weit von uns entfernt lebte einmal ein Bär mit gaaaaaaanz großen Ohren. Der Bär wohnte dort  in einer feinen Höhle am Waldrand und beobachtete von dort aus gerne die Menschen.

Er war schon ein sehr besonderer Bär, denn er liebte Musik aller Art. Musik war für den Bären Lebensfreude, Energie aber genauso auch Trost wenn es ihm mal nicht so gut ging und manchmal brauchte er Musik einfach, um wild zu tanzen, wenn er wütend war und sich abreagieren wollte. Das schaute eigentlich ganz amüsant aus, wenn er da so herumtappste und laut vor sich hingröhlte. Der Bär hatte Spaß dabei aber manchmal erschreckte er die Menschen damit und die hielten ihn deshalb für furchtbar gefährlich.

Nur einige wenige kannten ihn gut und waren mit ihm befreundet. Diese Freunde mochte er sehr sehr gerne und freute sich jedesmal, wenn sie vorbeischauten und er alles mit ihnen teilen konnte. Am liebsten teilte er natürlich Musik mit ihnen. Und das war eben das besondere an ihm. Er hatte einen furchtbar guten Riecher dafür, welche Musik gerade zu wem passen könnte und er schaffte es immer wieder, mit seiner Musik den Menschen in ihrer jeweiligen Situation ein wenig weiterzuhelfen.

Das machte dem großen Bären auch selber viel Freude.

Aber es gab da eben auch noch die Menschen, die ihn nicht verstanden und die Angst vor ihm hatten, weil er so laut brüllte.Diese Menschen überlegten, wie sie den Bären einfangen könnten und ihn wegsperren könnten.

Einer von ihnen hatte die Idee, eine riesige Musikanlage auf dem Marktplatz aufzustellen und mit der den Bären anzulocken. Und weil unser Bär eben so Musikversessen war, gelang dieser Plan auch und schwupp, der Bär saß in der Falle.

Seine Freunde versuchten vergeblich, den anderen zu erklären,dass der Bär ein ganz harmloser Bär wäre, der zwar manchmal ein wenig brummte, aber der niemandem etwas zuleide tat. Ganz im Gegenteil, seine Musik würde den Menschen helfen, wieder ausgeglichener zu werden und wieder viel zufriedener zu sein.  Aber niemand hörte auf die Freunde des Bären und so saß der Bär lange Zeit in seinem Käfig und wurde ganz krank, weil er keine Musik mehr hatte.

Aber auch die Menschen in dem Ort veränderten sich. Sie wurden immer grauer und unzufriedener. Sie sprachen kaum mehr miteiander und selbst den Blumen im Ort war schon ganz schlecht, weil soviel Unfreundlichkeit und Kälte Einzug gehalten hatte. Keiner hatte mehr Zeit für den anderen, jeder war nur noch mit sich selbst beschäftigt und dennoch sehr unzufrieden. Die Menschen suchten vergeblich nach Ausgleich und Ruhe aber konnten sie nicht finden.

Die Freunde des Bären wussten, dass  der Bär helfen konnte, denn das was den Menschen fehlte war einfach die Musik.

Aber wie konnte es gelingen den großen Bären aus diesem Käfig wieder zu befreien. Das war gar nicht so einfach. Sie überlegten lange hin und her und waren schon fast am aufgeben, so ausweglos erschien die Situation. Aber da fiel ihnen dann doch noch etwas ein. Sie hatten den Bären einmal so richtig wild vor sich hintanzen gesehen und waren damals selbst überrascht, wieviel Kraft und Energie der Bär da entwickelte. Man müsste ihn also einfach wieder zum „abrocken“ bringen und dann könnte er vielleicht selber die Käfigtür durchtanzen.

In einer Nacht- und Nebel Aktion trommelten sie viele musizierende Freunde zusammen und versammelten sich vor dem Käfig des Bären. Der war zunächs ganz schön überrascht über so viele Menschen und gleichzeitig aber auch sehr traurig, dass die Käfig stäbe ihn von ihnen trennte. Aber als er die Instrumente sah, da begannen seine Augen zu leuchten. Und Musik kennt ja keine Grenzen und lässt sich von ein paar Gitterstäben nicht behindern. Die Freunde begannen zu musiziern und der Bär wurde immer fröhlicher und konnte sich letztlich nicht mehr halten und begann seinen ganzen Ärger über den Käfig und die Menschen, die ihn da hinein gesperrt hatten, sich von der Seele zu tanzen. Und da ging wahrlich die Post ab. Der Bär rüttelte und schüttelte sich und sog die Musik mit jeder Faser seines Körpers und mit jedem Haar seines Pelzes auf. Und er tanzte und tanzte und plötzlich gab es einen Ruck und tatsächlich…die Käfigtür war aufgesprungen, der Bär konnte sich wieder frei bewegen.

Die Freude war groß und alle begannen gemeinsam zu tanzen. Die laute Musik und die Tänze weckten natürlich auch die anderen Menschen im Dorf auf. Neugierig und grießgrämig kamen sie aus ihren Häusern heraus, um zu schauen, was da los war. Und  da geschah Seltsames….. die Musik und die Freude der Tanzenden war so ansteckend, dass auch die, die den Bären ja eigentlich wegsperrten, sich nicht mehr halten konnten und miteinstimmten und so wurde aus der ganzen Befreiungsaktion ein Riesenmusikfest. Der ganze Ort war mitten in der Nacht auf den Beinen und tanzte und machte Musik und die Freude, die die Leute dabei empfanden wurde immer größer.

Dabei lernten sie auch den Bären besser kennen und merkten, dass er es wirklich gut mit ihnen meinte und ihnen nichts Böses wollte, auch wenn er manchmal sehr brummig war.

Der Bär war von nun an gern gesehener Gast im Ort und viel kamen auch zu ihm hinauf, zu seiner Höhle am Waldrand. Sie kamen, wenn sie traurig waren oder Sorgen hatten, sie kamen , um ihre Freude mit ihm zu teilen, sie kamen, wenn sie träumen wollten, sie waren da, wenn sie sich ankuscheln wollten und der Bär hatte für jeden auch immer die passende Musik auf Lager. Diese Musik schenkte er furchtbar gerne her und freute sich mit den Menschen, weil er sehen konnte, wei heilsam seine Musik für die Menschen war.

Es war eben ein sehr besonderer Bär. Ein Bär, mit einem Riecher und viel Gespür für andere. Ein Bär, der vielen Menschen Freude machen konnte mit seiner Musik.

Und nun schlaf gut, großer Bär, morgen ist auch wieder ein Tag und wir freuen uns auf deine Musik.


Shoah, Claude Lanzmann

Auf arte zeigt man heute und kommenden Mittwoch den Dokumentarfilm Shoah von Claude Lanzmann.

Ich sitz gerade hier und versuch mir diesen Film anzuschauen.

Versuchen deshalb, weil es gar nicht so einfach ist, sich auf die unmittelbaren Erfahrungen und Emotionen derer, die überlebt haben und die hier nun erzählen, sich einzulassen: Ihr immer noch vorhandener Schmerz verleitet, sich einfach wegzuzappen, umzuschalten auf einen x bliebigen Sender oder einfach abzudrehen.

Erinnerungen kommen auch in mir hoch. Erinnerungen an Menschen, die mir nahe sind, an ihre Erzählungen, an ihren Schmerz aber auch an ihre große Kraft. Schicksale und Geschichten, die man mit unserem einfachen Menschenverstand eigentlich kaum in der Lage ist, zu erfassen. Viele mögen vielleicht nun wieder einmal sagen, warum lässt man das ganze nicht endlich ruhen, warum fängt man immer wieder damit an.

Gerade die Begegnungen mit Überlebenden, mit all jenen, die ihre Geschichten und ihre Tränen mit mir geteilt haben und immer wieder noch mit mir teilen, haben mich gelehrt, wie wichtig es ist, sich zu erinnern. Für sie, weil es eine Art von Heil und Weg sein kann, mit dem Erlebten zu leben und für uns, weil wir so viel von ihnen lernen können und weil wir ihnen unsere unbedingte Aufmerksamkeit einfach schulden.

Und genau deshalb werde ich mich nun wieder hinsetzen und weiterschauen, auch wenn es mich anstrengt, auch wenn es mich bewegt, auch  wenn ich morgen sehr müde sein werde, auch wenn ich Tränen mitweinen werde. Niemand von denen, die in diesem Film erzählen,hat damals eine Alternative gehabt. Deshalb sollten uns auch wir in diesem Moment keine Alternative leisten. Es gibt keine adäquate Alternative zur Erinnerung.

Dankbar gerade jetzt im Augenblick mit all jenen verbunden, die ihre Lebensgeschichte mit mir geteilt haben, und mit all jenen, die mit mir arbeiten und gearbeitet haben, um die Erinnerung lebendig zu halten. Von Jerusalem bis Wien, von London bis New York, von Buenos Aires bis in die Niederlande.

PS: der lesende Herr oben im rechten Bild ist übrigens Claude Lanzmannm.