Es war einmal…..

Es war einmal eine Eule. Diese Eule allerdings war eine besondere Eule, denn sie hatte in ihrem Gefieder auch ein paar goldene Federn versteckt.

Diese Federn bekam sie einst von der großen Eule anvertraut. Die kleine Eule war sehr stolz darauf, dass die große Eule ihr diese Federn anvertraute. Immerhin waren das ja sehr spezielle Federn. Nicht nur, dass sie golden waren, nein, diese Federn hatten auch ganz besondere Zauberkräfte. Wer so eine Feder besaß, der konnte damit ganz weit in die Herzen der Menschen hineinblicken.

Die kleine Eule war ja selber so eine ganz besondere Eule. Die hätte diese goldenen Federn vielleicht gar nicht so unbedingt gebraucht, denn mit ihren feinen Antennen konnte sie immer wieder erahnen, wie es den Menschen ging, die den Weg zu ihr suchten. Die kleine Eule freute sich über die vielen, die zu ihr kamen und sie war gerne immer wieder für deren Sorgen, Ängste und Nöte da. Sie lachte auch gerne mit ihnen und war vielen ein guter Freund.

Nur eines Tages, da geschah das Unglück. Ein Mann kam auf sie zu und erzählte ihr eine Geschichte. Er erzählte von seinen Sorgen und wie schwer er es habe und das Eulchen hatte Mitleid mit ihm. Irgendwie fühlte es sich auch sehr wohl in seiner Nähe und deshalb beschloss es, mit ihm zu gehen. Der Mann nahm die kleine Eule mit und versprach ihr, dass er gut auf sie achten werde. Die kleine Eule vertraute ihm und verließ ihren gewohnten Wald, in dem sie sich so sehr zu hause fühlte. Immerhin brauchte der Mann sie ja dringend und naja, es war eben auch sehr angenehm bei ihm.

Aber wie groß war der Schrecken, als sie zu Hause ankamen und der Mann sie dort ganz schnell in einen Käfig sperrte. Die kleine Eule konnte nachts nicht mehr losfliegen, sie konnte nicht mehr in die Häuser und Herzen der Menschen schauen und sie wurde ganz einsam und eines Tages wurde sie dann auch noch schrecklich krank. Sie wusste nicht mehr ein noch aus. Die kleine Eule wusste, sie musste einen Weg finden, um das Schloss zu öffnen, damit sie endlich wieder frei sein konnte und nach Hause in ihren Wald fliegen konnte.

Sie überlegte hin und her aber es schien beinahe aussichtslos. Tag für Tag wurde die Eule schwächer. Nur in den Nächten,da träumte sie von ihrem alten Leben, von ihrer Freiheit und davon, die Flügel endlich wieder ausbreiten zu können. Eines Nachts erschien ihr die große alte Eule im Traum und ermutigte sie, nicht aufzugeben.

Und tatsächlich, am nächsten Morgen hatte die kleine Eule doch eine Idee. Mit einem Federkiel müsste es doch gelingen,das Schloss zu öffnen. Dazu musste sie sich aber einige Federn ausrupfen, um den passenden Kiel zu finden. Das war gar nicht so einfach, denn nachdem die kleine Eule schon so krank war, war ihr Gefieder auch schon ganz schön inMitleidenschaft gezogen. Tapfer begann sie, sich Federn auszurupfen. Sie hätte am liebsten laut aufgeheult aber kein Laut kam aus ihrem kleinen Schnäbelchen, so tapfer war sie. Endlich war ein halbwegs starker Federkiel dabei und die kleine Eule schnappte ihn und versuchte verzweifelt, das Schloss zu öffnen. Die ersten Versuche schlugen fehl, immer wieder rutschte sie ab. Sie wollte beinahe aufgeben aber da dachte sie wieder an ihren Wald, an ihre Bäume und dort wollte sie ja unbedingt wieder hin. Einmal noch…. und siehe da, es gelang ihr….*klick* machte es und das Schloss sprang tatsächlich auf. Ganz verdutzt saß die kleine Eule nun hier und konnte ihr  Glück kaum fassen. Schnell plusterte sie ihr zerrupftes Kleid auf, streckte ihrer Flügelchen einmal durch, flatterte  kurz einmal damit und dann hob sie ab und flog zum Fenster hinaus. Endlich wieder in Freiheit….sie konnte sich gar nicht genug freuen und kicherte fröhlich und erleichtert vor sich hin. Aber sie hatte auch gewaltige Angst. Angst davor,dass der Mann sie wieder finden und erneut einsperren würde. Deshalb flog sie, so schnell sie konnte, zurück in den Wald. Dort versteckte sie sich erstmal für lange Zeit in einem alten Baum. Eines Tages hörte sie Menschen des Weges kommen und plötzlich verstand sie auch wieder, was diese so zwischen den Zeilen alles sprachen. Sie konnte wieder in die Herzen der Menschen schauen. Das machte sie ganz glücklich und so wagte sie sich vorsichtig aus ihrer Baumhöhle heraus.

Im Wald machte es bald die Runde, dass die Eule wieder zurückgekehrt war und alle kamen, um sich selber davon zu überzeugen. Auch die große alte Eule hört davon und machte sich auf den Weg, um die kleine Eule zu besuchen. Die kleine Eule erschrak natürlich zunächst einmal sehr heftig, denn mit so hohem Besuch hatte sie nicht gerechnet. Aber die alte Eule war sehr stolz auf die kleine Eule. So viel hatte sie doch geschafft und sie hatte es ganz alleine geschafft. Die alte Eule lobte die kleine Eule und es entging der alten Eule aber auch nicht, wie sehr die kleine Eule gelitten hatte und wie zerzaust sie immer noch war, nach all den Strapazen.

Euli, ich hab ein Geschenk hier für dich, meinte die alte Eule. Nur ganz wenige Eulen bekommen so etwas von mir, aber du hast dir das ehrlich verdient. Und ganz sanft und vorsichtig steckte sie der kleinen Eule, dort wo sie am meisten zerzaust war, ein paar kleine goldenen Federn in ihr Gefieder. Die kleine Eule war furchtbar stolz und drehte sich entzückt herum, damit alle ihre neuen Federn sehen konnte. Und sie freute sich so sehr, als sie merkte,dass diese feinen goldenen Federn auch im Sonnenlicht blinkten und glänzten. Sie war nun überhaupt keine zerrupfte Eule mehr sondern eine besonders hübsche Eule. Die große Eule meinte noch,dass die kleine Eule gut auf ihrer goldenen Federn achten solle, denn diese Federn würden ihr auch noch mehr Kraft verleihen und ihr noch mehr ermöglichen, mitten in die Herzen der Menschen hineinzuschauen und in ihnen zu lesen.

Die anderen Tiere freuten sich sehr mit der kleinen Eule. Sie hatten sie ja doch auch alle vermisst und wollten ihr auch schon mehrfach helfen, ihre kleine Höhle zu verlassen. Aber sie verstanden auch, wieviel Angst die kleine Eule hatte und deshalb drängten sie sie nicht.

Aber nun war eben die Zeit gekommen. Die große Eule verabschiedete sich, sie blickte die kleine Eule nocheinmal ganz sanft an und breitete ihre großen, mächtigen Schwingen aus, um die kleine Eule damit nocheinmal sehr fest einzuhüllen. Die kleine Eule wär da am liebsten nie wieder hervorgekommen aber die große Eule flüsterte ihr nochmal zu: Vertrau auf dich und denk an deine goldenen Federn. Die werden dir helfen und dich davor beschützen, noch einmal in einem Käfig zu landen.

Die kleine Eule war zwar noch ein wenig zaghaft aber sie versprach der großen Eule, sich nun nicht mehr zu verstecken sondern wieder mitten unter den anderen Tiern und gemeinsam mit den Menschen im Wald zu wohnen.

Dort ist sie auch heute noch zufinden. Sie wird von Tag zu Tag wieder kräftiger, ihre eigenen Federn sind wieder nachgewachsen und verdecken die goldenen Federn nun schon fast. Und jeden Tag freut die kleine Eule sich auf’s Neue. Sie freut sich über das, was sie alles geschafft hatte und sie freut sich über all das, was nun vor ihr lag.

Und manchmal, da schüttelt sie ihre Federn und breitet ihre Schwingen aus und fliegt davon. Einfach so. Weil das Leben schön ist und sie sich endlich wieder daran erfreun kann. Flieg weit, kleine Eule und pass auf dich auf……..

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Über borsetta

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2 responses to “Es war einmal…..

  • eulenei

    Es muß schon viele Jahre zurück liegen als ich das letzte mal von einer Geschichte zu tränen gerührt war…Eine wirklich sehr gelungene und vor allem treffende Geschichte, für die ich Dir auf diesem Weg unbedingt danken möchte.
    So tippe ich hiermit meinen ersten Kommentar unter die Worte eines anderen Menschen und versuche mit viel blinzeln die Tränen der Rührung zu stoppen *ganz dicken Schmatzer*

  • applebrei

    …schoen … einfach nur wunderschoen…

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