Glas

Glas – ein Stoff, der mich schon lange fasziniert.  Ein amorpher, nichtkristalliner Feststoff, hauptsächlich aus Quarzsand, Kalk und Soda bestehend. Metalloxide dazu und schon erhält man auch noch Farbglas. So würd die Chemikerin das mal beschreiben.

Aber Glas ist einfach soviel mehr. Eine amorphe Masse, wandelbar, verwandelbar und faszinierend.

Dünn, zerbrechlich, stark, tragend, durchsichtig, färbig, spieglend, formbar, flüssig, schmelzend, erstarrend, Bauglas, Trinkglas,  Fensterglas, Brillenglas….ein Stoff, der sich nicht so einfach einordenen und kategorisieren lässt.

In einer weltweit anerkannten Glaswerkstatt ( http://www.stift-schlierbach.at/glaswerkstatt/glaswerkstatt.htm ) auch selber etwas arbeiten zu können, ist für mich ein besonderes Geschenk.

Dem Werkstoff Glas begegnen, von ihm lernen und tun. Wenn der Meister den Glasschneider in die Hand nimmt und eine schwungvolle Linie über das Glas zieht, dann schaut es so einfach aus. An der richtigen Stelle dann noch angegriffen und schon bricht das Glas in genau die zwei Formen, die man haben möchte. Wieviel Übung dazu nötig ist merkt man, wenn man selber den Glasschneider ansetzt.

Granulate und Gläser in den herrlichsten Farben, verlockend schön und dennoch auch ein Geheimnis in sich bergend. Denn nachdem es durch’s Feuer gegangen ist, ist oft nichts mehr so, wie es vorher schien. Aus einem hellen Gelbton wird ein intensives Rot, aus einem scheinbaren Hellblau ein intensives Violett.

Fusingglas wird geschnitten, gebrochen, in Granulaten auf Trägerplatten aufgetragen, über Formen gelegt und erneut in den Ofen geschoben. Dort – je nach Größe – um die 24 Stunden bei 850 Grad und mehr nochmal gebrannt. Dabei verändert es sich wieder. Scharfe Kanten schmelzen ein zu weichen, runden Formen, Farben verändern sich, Teile verschmelzen miteinander, nehmen Form an und werden so zu einem neuen Ganzen. Spannung entsteht.

Wenn der Ofen aufgeht, ist die Spannung groß. Sowohl die Spannung im Glas, als auch die Spannung, bei jenen, die um den Ofen stehen. Wenn es keine Risse gibt, dann ist es gut, es braucht Geduld, das Glas dann noch abkühlen zu lassen. Beim Herausnehmen ist Vorsicht geboten. Wenn zwei Gläser, die noch nicht ganz abgekühlt sind, aneinanderstoßen, kann die Spannung so hoch werden,dass eines oder gar beide zerspringen.

Wenn es dann fertig ist, wird es gereinigt, eventuell noch ein wenig glatt geschliffen, schützend verpackt, damit es heil an seinem neuen Bestimmungsort ankommt und dort das Licht, das auf das Glas trifft wiederum ganz neue Facetten von ihm zeigen kann.

Und wenn ich über all das so nachdenke und dankbar auf die letzten zwei Tage in der Glaswerkstatt zurückschaue, dann fällt mir auf, wieviele Parallelen es zwischen dem Glas, seinen Eigenheiten und mir so gibt.

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