Shoah, Claude Lanzmann

Auf arte zeigt man heute und kommenden Mittwoch den Dokumentarfilm Shoah von Claude Lanzmann.

Ich sitz gerade hier und versuch mir diesen Film anzuschauen.

Versuchen deshalb, weil es gar nicht so einfach ist, sich auf die unmittelbaren Erfahrungen und Emotionen derer, die überlebt haben und die hier nun erzählen, sich einzulassen: Ihr immer noch vorhandener Schmerz verleitet, sich einfach wegzuzappen, umzuschalten auf einen x bliebigen Sender oder einfach abzudrehen.

Erinnerungen kommen auch in mir hoch. Erinnerungen an Menschen, die mir nahe sind, an ihre Erzählungen, an ihren Schmerz aber auch an ihre große Kraft. Schicksale und Geschichten, die man mit unserem einfachen Menschenverstand eigentlich kaum in der Lage ist, zu erfassen. Viele mögen vielleicht nun wieder einmal sagen, warum lässt man das ganze nicht endlich ruhen, warum fängt man immer wieder damit an.

Gerade die Begegnungen mit Überlebenden, mit all jenen, die ihre Geschichten und ihre Tränen mit mir geteilt haben und immer wieder noch mit mir teilen, haben mich gelehrt, wie wichtig es ist, sich zu erinnern. Für sie, weil es eine Art von Heil und Weg sein kann, mit dem Erlebten zu leben und für uns, weil wir so viel von ihnen lernen können und weil wir ihnen unsere unbedingte Aufmerksamkeit einfach schulden.

Und genau deshalb werde ich mich nun wieder hinsetzen und weiterschauen, auch wenn es mich anstrengt, auch wenn es mich bewegt, auch  wenn ich morgen sehr müde sein werde, auch wenn ich Tränen mitweinen werde. Niemand von denen, die in diesem Film erzählen,hat damals eine Alternative gehabt. Deshalb sollten uns auch wir in diesem Moment keine Alternative leisten. Es gibt keine adäquate Alternative zur Erinnerung.

Dankbar gerade jetzt im Augenblick mit all jenen verbunden, die ihre Lebensgeschichte mit mir geteilt haben, und mit all jenen, die mit mir arbeiten und gearbeitet haben, um die Erinnerung lebendig zu halten. Von Jerusalem bis Wien, von London bis New York, von Buenos Aires bis in die Niederlande.

PS: der lesende Herr oben im rechten Bild ist übrigens Claude Lanzmannm.

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