Dondolo

Vor langer Zeit lebte einst in den Wäldern der Dondolo. Der Dondolo war ein seltsames Wesen, der seine Gestalt verändern konnte und den man deshalb auch nur schwer finden konnte. Man wusste ja nie genau, ob es denn nun der Dondolo war oder doch jemand anders, wenn man so durch die Wälder streifte.

Der Dondolo war eigentlich ein sehr friedliebendes Wesen, das den Menschen gerne helfen wollte, zu dem zu werden, was sie eigentlich sein sollten. Das war aber gar nicht so einfach. Vor allem für den Dondolo war es nicht so einfach, denn der hatte mit sich selber manchmal ganz schön viel zu tun. Es war nämlich gar nicht immer so lustig, sich in verschiedene Gestalten verwandeln zu können. Manchmal war das für den Dondolo nur furchtbar anstrengend.

Da wachte er morgens auf, und stellte fest, er ist mal wieder eine Schildkröte. Das wäre ja nicht weiter schlimm aber oftmals passierte ihm, dass er Menschen zu sich eingeladen hatte und genau wenn die kamen, hatte er aber dann justament das Bedürfnis, sich in seinen Panzer zu verziehen. Schildkröten machen so etwas ja gerne.

Die Menschen bemühten sich dann redlich, den Dondolo wieder hervorzulocken, alles mögliche ließen sie sich einfallen, sie meinten es ja gut mit ihm und freuten sich, wenn sie Zeit mit ihm verbringen konnten. Aber da war nix zu machen, wenn der Dondolo sich in seine Höhle, in seinen Panzer zurückgezogen hatte, dann blieb er da auch drin, solang es ihm passte und nix auf der Welt konnte ihn wieder hervorlocken.

Manche Menschen gingen dann verärgert weg, andere wiederum kannten ihn schon ganz gut und wussten, er braucht eben seine Zeit aber wenn’s ihm dann passt, dann kommt er ja wieder raus.

Und dann gab’s da auch die Zeiten,da war der Dondolo keine Schildkröte sondern da war er so genüsslich unterwegs wie ein Nilpferd. Er liebte es dann, sich bei jeder bietenden Gelegenheit im Schlamm zu wälzen und herumzuplanschen und wenn ihm dann auch noch jemand etwas besonders Feines zum Futtern vorbeibrachte, dann war er rundherum zufrieden und hatte jede Menge Spaß mit den Menschen. Er genoss das Zusammensein mit ihnen und die Menschen genossen die Zeit mit ihm, denn jedesmal wenn sie von ihm weggingen merkten sie, dass sie ein Stück ruhiger und ausgeglichener waren und das tat ihnen allen natürlich sehr gut.

Eines Tages beschloss der Dondolo, dass er nun sein Wesen einfach nicht mehr wechseln würde, um die Menschen auch nicht mehr zu verschrecken. Eine Zeit lang ging das ja auch ganz gut aber dann wurde der Dondolo furchtbar krank. Niemand wusste, was ihm fehlte, die Menschen machten sich große Sorgen um ihn aber nichts konnte ihm helfen. Der Dondolo war schon ganz schwach geworden, er sehnte sich doch so danach, endlich wieder eine Schildkröte sein zu dürfen, wenn ihm danach war oder dann auch mal wieder ein Nilpferd, eben auch , wenn ihm danach war. Er wollte sogern der sein, der er eben war und er mochte sich nicht mehr verstellen.

Den Menschen fiel auf, dass sie den Dondolo kaum noch zu Gesich bekamen und sie machten sich große Sorgen um ihn. Da kam ein weiser alter Mann ins Dorf und die Menschen erzählten ihm vom Dondolo und seiner Veränderung. Der weise alte Mann machte sich auf den Weg in den Wald, um den Dondolo zu suchen. Und tatsächlich, er fand ihn auch. Ganz klein und krank lag er da so in seiner Höhle und wollte zuerst den alten Mann gar nicht herein lassen. Doch der verstand es, mit dem Dondolo umzugehen und der Klang der Stimme tat dem kleinen Dondolo gut und so fasste er vertrauen zu dem alten Weisen.

Und der Alte tat nichts anderes, als sich hinzusetzen und dem Dondolo zuzuhören. Und er hörte ihm lange zu. Tagelang erzählte der Dondolo. Von seinen früheren Jahren, von seiner Fmailie, von dem Ort, wo er aufgewachsen war, von den Menschen, die ihm dort vertraut waren, von den Abenteuern, die er dort erlebte genauso, wie von den Kämpfen die er dort auszutragen hatte. Er erzählte  von all den Orten, an denen er schon wohnte und von den vielen Begegnungen, aus denen er ein wenig glücklicher hervorging, weil er wieder gemeinsam mit jemand wachsen konnte. Er erzählte von seinen Träumen und von seinen Sehnsüchten und es gelang ihm auch, über seine Ängste und Sorgen zu sprechen. Und der alte Mann saß einfach da und hörtes ihm zu. Er hörte ihm auf eine ganz besondere Art und Weise zu, denn der Dondolo merkte, dass er mit jeder Geschichte, die er dem alten Mann erzählte, selber wieder mehr Kraft und mehr Energie bekam. Als der Dondolo nach vielen Tagen endlich das Gefühl hatte, nun alles erzählt zu haben, stand der alte Mann auf.

Was, du kannst jetzt aber nicht so einfach gehen, meinte der Dondolo. Ohne dich werd ich ja sofort wieder krank werden, meinte er. Oh nein, antwortete der alte Mann, du brauchst nicht mich, um dir zu helfen, du brauchst dich selber. Du musst lernen, ganz du selber zu sein und deine Seiten anzunehmen. Du wirst lernen, die Schildkröte in dir genauso gern zu haben, wie das kleine Nilpferd und ihr werdet gut miteinander auskommen und du wirst sehen, du wirst viel schneller merken, wer du am nächsten Tag sein wirst. Du kannst die Menschen dann besser darauf vorbereiten und so wird es ihnen dann leichter gelingen, dich anzunehmen, so wie du eben bist und sie werden nicht mehr dauernd mit ihren Vorschlägen daherkommen und versuchen wollen,dich zu verändern.

Der Dondolo konnte zunächst gar nicht glauben,dass es so einfach sein sollte, da er dem alten weisen Mann aber vertraute, wollte er es zumindest versuchen. Er begann gut auf sich zu achten, hörte viel in sich hinein und lud auch nicht mehr ganz so viel Menschen gleichzeitig zu ihm ein. Von Tag zu Tag wurde er wieder kräftiger und eines Tages merkte er, dass er nun wieder völlig hergestellt war und vor allem auch, dass er endlich ganz er selber war und dass die Menschen ihn so nehmen konnten, wie er eben war.

Er kam aus seiner Höhle raus und freute sich. Er freute sich unglaublich. Er freute sich über jede einzelne Blume, die er sah, er freute sich über das Licht, über die Wolken, über den Regen genauso wie über den Wind. Er freute sich an allen Lebewesen und empfand eine ungeheuer große Zuneigung zu ihnen. Und auch die Lebewesen erwiederten diese Zuneigung und der Dondolo fühlte sich wohl so mitten unter ihnen, so als einer von ihnen.

Oftmals am Abend saß er da so, sich im Wind wiegend, vor seiner Höhle und dachte an den alten weisen Mann, der solang an seiner Seite saß und ihm zuhörte. Und manchmal fragte er sich dann, ob er ihm jemals wieder begegnen würde. Und eine Stimme ganz tief drinnen im Dondolo sagte ihm, dass dieser alte weise Mann ganz ihn seiner Nähe war. Mitten in seinem Herzen. Und dort fand er ihn auch immer wieder, wenn er sich zurückzog und seiner Sehnsucht Raum gab. Und so wurden der alte weise Mann und der Dondolo gute Freunde und sie freuten sich beide sehr, einander immer wieder zu begegnen. Genauso wie die Menschen sich täglich neu freuten, wenn sie dem Dondolo begegneten.

Schön, lieber Dondolo, dass du bei uns bist und wir gemeinsam ein Stück aneinander wachsen dürfen.

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