Tante Paula

Meine Tante Paula war bereits 52 Jahre als ich zur Welt kam. Sie selber kam 1917 zur Welt. Eigentlich ist sie ja gar nicht meine Tante im ursprünglichen Sinn, sonder sie ist die älteste Schwester meines Großvaters.

Aber da mir meine Großeltern immer ähnlich wie Eltern waren, ist Tante Paula ja doch irgendwie auch meine Tante. In ihrer Gegenwart hab ich mich, wie man auch auf dem Bild sieht (ja, das bin tatsächlich ich 😉 ) immer schon wohl gefühlt.

Wir begegnen uns zwar nicht allzuoft, aber wenn, dann sind das immer sehr herzliche Begegnungen und ihre lustige, warmherzige Art berührt mich sehr. So auch heute am Nachmittag.

Mein Großvater hätte heute seinen Geburtstag und irgendwie wurde der Familiennachmittagskaffee heut auch ein wenig so etwas wie ein spontanes Geburtstagsfest für meinen Großvater.

Sie erinnert mich natürlich auch sehr an ihn, weil sie sich eben auch sehr ähnlich sind oder besser gesagt waren. Je älter meine Tante wird, desto mehr beginnt sie aber auch meiner Urgroßmutter zu gleichen. Ich hab nicht mehr sehr viele Erinnerungen an sie, denn meine „Omalele“, wie sie genannt wurde, starb als ich noch sehr klein war. Aber immer, wenn ich Tante Paula heute anschaue, dann seh ich auch  wieder das Gesicht meiner Urgroßmutter.

Es hat sich so ergeben, dass ich heute Zeit hatte, um da beimeinen Eltern auch schnell vorbeizuschauen, ihre Kinder samt Schwiegerkinder (also Cousin und Cousine meiner Mutter) waren auch mit und es war ein sehr herzlicher Nachmittag mit vielen Geschichten aus der Vergangenheit. Ich bin  für solche Gelegenheiten sehr dankbar, erfahr ich doch jedesmal wieder etwas Neues dabei über meine Familie oder auch über mich selber. Heute hat sie mir gesagt, dass sie so gerne nach dem Essen eine Runde mit mir Spazieren gefahren ist. Ich natürlich meist selig schlummernd im Kinderwagen. Oder auch dass ich, wenn meine Großmutter ihre Musikstunden gab, immer bei meiner Urgroßmutter oben war und die mich stundenlang auf ihrem Schoß sitzen hatte. Man war auch mal wieder einhellig der Meinung, dass ich ein schrecklich braves Baby gewesen sei 😉 (bin ich ja auch heute noch – schrecklich brav, mein ich)

Alte Bilder und Fotos gemeinsam betrachten, stundenlang den Geschichten zuhören, die dazu erzählt werden, versuchen möglichst viel davon in sich aufzunehmen und abzuspeichern, dankbar sein wieder einmal die eigenen Wurzeln, die Heimat so intensiv zu spüren. Dankbar sein, für die, die heute nicht mehr mit uns sind aber die mich so sehr geprägt haben. Zu hören bekommen, dass sie glaubt, dass mein Großvater sich sehr an mir erfreuen würde, wenn er mich heute sehen könnte. (Opa, ich glaub, du siehst mich ohnehin und bist immer wieder in meiner Nähe…..) gesagt  bekommen, dass mein Lachen auch sein Lachen war. Verbunden sein, Familie erleben. Nahe sein.

Berührt weg gehen, in einer herzlichen Umarmung spüren und in ihren Worten hören, wie sehr sie sich gefreut hat, dass auch ich Zeit hatte. Und nachdenklich wegfahren mit der Frage, wie oft  uns das wohl noch geschenkt werden wird…..

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Über borsetta

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