Monatsarchiv: Mai 2010

Auf den ersten Blick…..

Eignetlich ist das hier kein so wirklich gelungenes Foto und dennoch steht es für mich gerade für etwas, das ich hier in Worten versuchen will zu beschreiben. Der Ort ist in Jerusalem, genauer gesagt am Gelände von Yad Vashem und es handelt sich dabei um die Allee der Gerechten. Im heißen Sommer ein willkommener Zufluchtsort – die Picknickbänke im Schatten. Dieser Ort ist für mich ein besonderer geworden, erinnert er mich doch immer wieder an eine Freundschaft, die eng damit verknüpft ist. Und darüber hinaus  erinnert  er mich auch an eine besondere Begegnung mit einem  Menschen, zu dem ich auch weiterhin eine gute Beziehung pflegen darf, auch wenn Israel nicht unbedingt um’s Eck liegt.

Freundschaft, ein unglaublich großes Wort. Manchmal viel zu selbstverständlich genommen. Freundschaft – ein Geschenk. Ich hatte gestern einmal wieder das große Glück, wahrnehmen zu dürfen, wie sehr mich so eine Freundschaft dann auch immer wieder berührt und beschenkt. Wie dankbar ich bin für das Angenommen sein, für das Verstehen und für das Dasein. Für die Herzlichkeit und das Lachen, genauso wie den Platz für Tränen und Schweres.

Einander begegnet sein und beim ersten Blick in die Augen des anderen gewusst haben, es passt. Ungewöhnlich ja, aber in dem Fall war es wohl wirklich so. Und von dem Moment an als quasi Team unterwegs zu sein. Eine intensive Reise miteinander bewältigen, Eindrücke miteinander teilen, einander helfen,diese zu verarbeiten, gemeinsame Abenteuer erleben, durch die Nacht streifen, lachen, lachen und immer wieder lachen….sich mehr und mehr vertraut werden.

Von diesen Erinnerungen lange zehren und immer wieder darauf zurückkommen. Aber auch im weiteren Begegnen neue Erinnerungen schaffen. Spüren, dass die Reise nicht zu Ende ist. Weiter miteinander unterwegs sein. Dankbar und berührt nach den Begegnungen auseinander gehen und sich auf das nächste Mal freuen. Sein dürfen. Danke dafür. Aus ganzem Herzen.

Und eigentlich muss hier nun ein zweites Bild kommen:

denn ja, auch in Berlin kann einem so etwas passieren. Auf einen Menschen treffen, bei dem man vom ersten Moment an merkt, das passt.

Zwei wundervolle Frauen, scheinbar zufällig in mein Leben gestolpert. Eine unheimliche Bereicherung. Facettenreichtum. Begegnungen mit Tiefgang.  Leben teilen, wann immer und wo immer es uns möglich ist.

Wie schön, dass es euch gibt.

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100.000 Rosen …

…haben mich die letzten Tage sehr beschäftigt.

Ein Projekt mit Tiefgang. Das Fremde kennenlernen – die Nachbarn, die wir mitunter gar nicht gut kennen, Menschen mit Migrationshintergrund die in unserer Umgebung wohnen, die wir oft viel zu wenig kennen und  sie gerade deshalb mit Vorurteilen belegen und dadurch oftmals ausgrenzen.

100.000 Rosen, zuerst zu einem Bild zusammengefügt um dann verschenkt zu werden mit dem Gedanken, dass Menschen sie nach Hause tragen und wieder weiterverschenken an den/ die unbekannte Nachbarin.

Das Rosenverteilen brachte viele Eindrücke und viele Begegnungen mit menschen, die unterschiedlicher nicht sein hätten können.

Ungläubiges Staunen darüber, dass die Blumen verschenkt werden, Geschichten teilen an wen die Rosen weiterverschenkt werden sollen. Viel Berührendes dabei zu hören bekommen. Aber auch Menschen, die sich anstellen,w eil sie denken, billig an einen Strauß Rosen zu kommen, Ungeduld,weil man warten muss, Unverständnis, weil man nicht sofort „bedient“ wird….nicht sehen können, dass da soviel anderes dahinter steht….

aber das was überwog waren die schönen Momente, die Gespräche und die Begegnungen am Absperrungsgitter, über das wir die Rosen an die Menschen weitergreicht haben.

Und es hat Begegnungen gegeben, die sich einprägen werden und die ein Lächeln zaubern,w ann immer man sich an die erinnert:

Am Absperrgitter steht ein Mann, seine kleine Tochter am Arm, den leeren Kinderwagen neben sich. Ein stattlicher Herr und eine ebenso bezaubernde kleine Prinzessin…dunkle Löckchen, Pausbäckchen, Lackschühchen…. Er steht ein wenig abseits und blickt verunsichert, als ich ihn frage, ob er auch gerne eine Rose möchte. Er ringt nach Worten, da erst merk ich, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist. Er versucht’s mit Englisch, entschuldigt sich x mal für sein gebrochenes Englisch aber ichversteh schnell,dass er gerne eine Rose ohne Dornen hätte, damit die Kleine sich nicht daran stechen würde. Ich suche eine entsprechende Rose, entferne noch ein paar Blätter und reich sie der jungen Dame. Da spricht der Vater sie auf Italienisch an, und meint, sie solle doch einmal daran schnuppern, ob die denn auch dufte, die Kleine steckt ihre Nase hinein und lacht….Der Vater fragt darauf hin seine kleine Tochter, ob sie mir für diese Blume nicht ein Küsschen geben möchte.

Und was macht dieses zauberhafte Wesen? Sieht mich an, beugt sich von Papas Arm aus über das Geländer und drückt mir einen sehr feuchten zarten Schmatz auf die Wange.Da musste ich ehrlich schlucken vor Rührung.

Der Vater ringt wieder um Worte, möchte gerne wissen, worum es bei dem Projekt geht, ist interessiert und strahlt soviel Größe und gleichzeitig Bescheidenheit aus. Am Ende unserer Begegnung geben wir ihm noch ein paar Rosen für die Mutter der Kleinen mit….natürlich auch wieder ohne Dornen, denn die süße Maus hält diese Rosen stolz wie eine kleine Prinzessin eben in ihrem Kinderwagen auf ihrem Schoß.

Die beiden gehen weg, drehen sich nochmal zu uns her und lächeln und winken.

Man kann mit Worten oft nicht beschreiben, was in solchen Momenten  in einer Begegnung passiert.

Man vergisst, wie müde man eigentlich schon ist, wie sehr einen Hände, Rücken und vielleicht auch Beine  vom Arbeiten und Rosen schneiden schmerzen,  man vergisst den Ärger über so manch andere Begebenheit am Absperrgitter und man merkt, wie tief einen zwei wildfremde Menschen im Moment des Augenblicks berühren können, wenn man es geschehen lässt…..

Grazie di cuore, principessa…..


Professor Zed

Weit weg in einem fernen Teil des Landes lebte einst Professor Zed. Professor Zed war jetzt aber gar kein Professor, wie man ihn sich nun vielleicht vorstellen würde. Er war nicht alt und grau, er hatte auch keine Frisur so wie Einstein, hatte keine Brille auf der Nase und war auch nicht so verwirrt, wie manch anderer Professor. Aber Professor Zed war, so wie viele seiner Kollegen ein weiser Mann.

Professor Zed hatte ein ungewöhnliches Gespür für die Menschen und ihre Nöte. Er fand für jeden das richtige Wort und schaffte es immer wieder, Menschen zum Lächeln zu bringen. Er half ihnen mit seiner bescheidenen aber so einfühlsamen Art, den Blick auf ihre Sorgen ein wenig zu verändern oder zwischendurch immer mal wieder gelassener zu werden. Dafür waren ihm viele sehr dankbar und suchten gerne seinen Rat und seine Gesellschaft.

Dabei war das gar nicht so einfach, den Professor Zed lebte recht zurückgezogen und man bekam ihn eigentlich recht schwer zu Gesicht. Der Professor lebte hoch oben in seinem Turm, von wo aus er einen herrlichen Blick über die Stadt hatte. Er ging gerne hinaus auf’s Dach, um hinunterzuschauen auf die Menschen aber genauso auch, weil er dort dann den Wolken und dem Himmel näher war.

Das war für den Professor das aller aller schönste. Und deshalb war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Professor eines Tages beschloss, das Fliegen zu erlernen. Er ging zu seinem besten Freund und erzählte ihm davon. Dieser war gar nicht überrascht, ahnte er doch schon lange, dass der Professor eines Tages mit diesem Wunsch zu ihm kommen würde. Und somit war es auch beschlossene Sache, der Professor würde seinen Pilotenschein machen.

So kam es, dass der Professor ein leidenschaftlicher Pilot wurde und sein größtes Glück war, wenn er seine Maschine starten konnte und sich mit ihr in die Lüfte erheben konnte. Dort – so hoch oben – fühlte er sich so unendlich frei und leicht und dort sammelte er immer wieder die Ideen und Gedanken, mit denen es ihm zurück auf der Erde wieder gelang, den Menschen in ihren Sorgen zu helfen. Der Professor liebte seine Flüge, die Freunde, mit denen er fliegen konnte und das Gefühl der Weite, dort hoch oben.

Eines Tages aber geschah ein Unglück und der Freund, bei dem der Professor das Fliegen erlernte, kam in große Schwierigkeiten. Nun war es der Professor selbst, der nicht mehr ein noch aus wusste und er war völlig verzeifelt, weil er seinem Freund nicht wirklich helfen konnte und wohl auch, weil er große Angst hatte, selber nie wieder fliegen zu können.

Die Menschen merkten, dass der Professor noch weniger  als sonst aus seinem Turm herauskam. Nur des nachts machte er sich manchmal noch auf den Weg und durchquerte die Stadt. Er war einfach so schrecklich traurig und verzweifelt, dass er es nicht ertragen hätte können, anderen zu begegnen. Und darüber hinaus konnte er es noch viel weniger ertragen, den Menschen, die so auf ihn vertrauten  und all ihre Hoffnung in ihn setzten, von dem Unglück zu erzählen. Er machte sich große Sorgen und wusste nicht mehr, wie er ihre Erwartungen erfüllen konnte. Oftmals saß er auf dem Dach seines Turmes und weinte bitterlich.

Aber mit all den geweinten Tränen kehrte langsam auch wieder die Gelassenheit zurück und der Professor begann zu ahnen, dass ihm die Fliegerei keiner mehr wegnehmen konnte. Und so wurde er von Tag zu Tag wieder ein wenig zuversichtlicher. Er begann neue Ideen zu entwickeln und er konnte endlich mit denen, die auf ihn vertrauten über seinen Kummer sprechen. Und was geschah? Er wurde total überrascht von deren Reaktionen und war überwältigt von ihrer Zuwendung und den Hilfen, die sie ihm anboten.

Professor Zed kam nun endlich wieder mehr heraus aus seinem Turm und es machte ihm wieder große Freude, mit den Menschen gemeinsam unterwegs zu sein. Er fand es spannend immer wieder neue Menschen kennenzulernen, waren sie ihm doch Bereicherung und Ideengeber für seine eigenen künftigen Pläne. Er hörte genau hin auf das, was sie sagten, er hatte ein enormes Gespür für das was sie brauchten und was so zwischen den Zeilen lag und er freute sich, wenn er merkte, dass wieder einmal ein Mensch Lächeln konnte, weil er ihn ein wenig  von dessen Sorgen ablenkte.

Der Professor schöpfte viel Kraft aus der Beziehung zu den Menschen, die er liebte, die seinem Herzen und seiner Seele ganz nahe waren und deshalb war es für ihn sehr wichtig, sich auch immer wieder Zeit zu nehmen, um nur für diese besonderen Menschen da zu sein. Das war gar nicht immer einfach, weil die mal hier und mal dort waren, aber das war keine Hürde für den Professor. Er war ja schlau und weise und so ließ er sich immer wieder etwas Neues einfallen, um auch diese besonderen Menschen zu überraschen.

Den Menschen in der Stadt gefiel das und sie freuten sich jedesmal, wenn sie nach oben auf den Turm blickten und sahen, dass der Professor wieder einmal da war und ein Auge auf sie hatte. Sie waren berührt und sehr dankbar, ob all der Aufmerksamkeit und dem Gespür, dass er ihnen immer wieder zuteil werden ließ und sie mochten den Professor nicht nur deshalb von Herzen gerne.

Und so braucht ihr euch auch weiter nicht wundern, wenn ihr eines Tages in diese Stadt kommt und seht, dass die Menschen immer zu einem Turm hoch schauen. Sie wollen ja nur wissen, ob der Professor da ist und ob es ihm gut geht. Und ich kann euch nur empfehlen, tut es ihnen gleich…….