Monatsarchiv: August 2010

long distance

in Gedanken spazier ich grad an einem der herrlichsten Sandstrände, die England so zu bieten hat entlang….warum grad dort, das ist leicht erklärt….weil es die Heimat eines mir sehr sehr lieben Freundes ist. so schaut’s dort übrigens aus: Saunton Sands in North Devon…..unglaublich schön

Heute wohnt er nicht mehr dort, heut lebt er in London. Bevor er aber nach London ging, lebte er in Österreich und zwar mehr oder weniger hier bei mir um’s Eck. Seine Frau ist Österreicherin, die Kinder sind hier geboren und er arbeitete an der Uni. Uns verbindet eine lange schöne Freundschaft. Gerne erinnere ich mich an ewig lange Abende im Haus der beiden, wo wir über Gott und die Welt getratscht haben. Aber auch an das, was wir alles miteinander geteilt und miteinander getragen haben, wo wir füreinander da waren und uns unterstützt haben so gut es ging. Curryabende waren immer etwas ganz besonderes….englisch/indische Curry Gerichte, stundenlang dahin essen, sich gut unterhalten, Spaß haben, Freude empfinden, Freundschaft spüren.Oder einfach schnell mal zwischendurch auf einen Tee (ja, ein Englischer Haushalt eben, da trink selbst ich Tee…und den sogar mit Milch 😉  ) und einen Tratsch vorbeischauen…..viele Erinnerungen, gemeinsame Urlaube in England, unter anderem eben auch in Saunton Sands…nachspüren und erinnern, wie wichtig es meinem Freund damals war, mir sein zu Hause, seinen Strand zeigen zu können.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem er merkte, Veränderung steht an und so kam es, dass die beiden mit ihren Kindern vor mittlerweile nun schon wieder 8 Jahren nach England gingen. Zuerst Cambridge, weil er dort noch ein Studium absolvierte, dann in der Umgebung von Liverpool und nun in London.

Einmal im Jahr kommen sie zurück nach Österreich, um ein oder zwei Wochen Urlaub zu machen. Diese Wochen sind dann Stress pur, weil die Familie seiner Frau Zeitansprüche stellt und natürlich auch viele Bekannte und Freunde hier in der Umgebung sie sehen wollen. Meist bleibt uns dann nur wenig Zeit füreinander…. So eben auch dieses Jahr…ich hab sie nun eineinhalb Jahre schon nicht mehr gesehen (was sehr ungewöhnlich ist aber unsere Lebensumstände ließen dazwischen diesmal keine Besuche zu) und heute war’s nun endlich so weit…..

Ich hab mich tagelang nun schon darauf gefreut und gleichzeitig aber auch schon so ein feines Magengrummeln dabei gehabt.

Es mag vielleicht seltsam klingen aber ich hab ernsthaft überlegt, ob’s nicht besser sei, sie gar nicht zu sehen. Im Alltag haben wir uns ja arrangiert, wir kommen klar mit der Distanz, wir denken aneinander, hören voneinander, lesen voneinander. Aber wenn wir uns dann wiedersehen, wird uns in all der Freude auch immer wieder bewusst, wie sehr wir einander letztlich vermissen.

Ich vermiss den trocken nüchternen Rat meines Freundes in so vielen Lebenslagen, ich vermiss seinen noch viel trockeneren britischen Humor und ich vermiss seine Kochkünste. Ich vermiss sein wohliges Grunzen, wenn er etwas besonders Gutes isst, ich vermiss seine typischen „Sager“. Ich vermiss die Warmherzigkeit seiner Frau, ihre selbstverständliche Gastfreundschaft, ihren Rat, ihre Sicht der Dinge, unser gemeinsames Kicher wie Teenagegirls. Ich vermiss das Lachen und die Launen der Kinder….es gibt so vieles was man vermissen kann……

Und ich bin schlecht im Abschied nehmen. Sehr schlecht.

Ja,  deshalb ist das so ein zwiespältiges Gefühl…..man freut sich so sehr, Menschen, die man vermisst und die man von Herzen gerne hat, endlich mal wieder gesehen zu haben. Allerdings war diesmal nur eine knappe Stunde dafür Zeit, weil Unvorhergesehenes dazwischen kam. Eine Stunde ist verdammt wenig Zeit im Vergleich zu eineinhalb Jahren ;-))

Andererseits reicht eine Stunde aber auch aus, um zu spüren, dass dieses Band zwischen uns immer noch da ist, dass unsere Freundschaft weiterwächst, egal, wieviele Kilometer uns voneinander trennen.

So gibt es dann eben diese Abschiedsmomente im Leben, an denen die Tränen kullern und man dennoch lächelt und sich freut…Leben pur eben.

An solchen Tagen werd ich immer wieder auch sehr dankbar für alle Menschen, die mir nah sind im Leben, egal ob viele Kilometer oder Distanzen zwischen uns liegen oder sie um’s etwas erweiterte Eck wohnen….

Es ist schön zu wissen, dass es euch alle gibt…..und es ist gut, euch ab und an auch so richtig schwer zu vermissen….das gehört eben auch dazu…. 😉

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summer_time

verbeneZeit ist etwas unendlich kostbares. Das wissen wir wohl alle, jeder kämpft mit seinen Terminen, mit den 24 Stunden, die so ein Tag eben „nur“ mal hat, mit den 7 Tagen einer Woche und manchmal hat man das Gefühl, sich ständig nur hinter her zu laufen. Leben im Hamsterrad eben….

Aber dann gibt es da diese so ganz anderen Zeiten im Leben. Da hat man plötzlich Zeit…..unendlich viel gefühlte Zeit, auch wenn’s vielleicht in Wahrheit nur ein paar Tage sind. Momente, die einen aufatmen lassen, die einem an Körper, Geist und Seele gut tun.

Keine Eile mehr haben, unendlich trödeln einfach, weil man es kann, stundenlang lesen, dem Regen zuhören, die Sonne und den Wind genießen, Stille aushalten, sich am Vogelgezwitscher freuen, die Natur wahrnehmen und langsamer werden. Durchatmen und Aufatmen. Die Gegenwart genießen, Mensch sein und mit sein, einander wahrnehmen und annehmen, sich selber und der eigenen Mitte wieder sehr nahe kommen.

Sich einpendeln oder vielleicht eher auspendeln…. gelassen werden…..und lachen können…Freiheit spüren….

Zeit als Geschenk, Zeit als Herausforderung und alles in allem Momente, in denen man am liebsten genau jene  Zeit anhalten möchte…..

Summer_time eben…..