Monatsarchiv: Oktober 2010

Dark Lord

Im Dunkel der Stadt lebte einst ein weiser, stiller Mann. Die Nacht war sein Elemtent und daher war es auch nicht verwunderlich, dass, wenn man von ihm sprach, alle vom „Dark Lord“ sprachen. Das ließ Raum für viele, viele Spekulationen, denn eigentlich hatte ja noch niemand den Dark Lord wirklich  gesehen.

Da erzählte man sich allerhand Geschichten und meinte, ihn zu kennen, es wurde vermutet und spekuliert, Bilder wurden entworfen und Urteile festgesetzt und so dauerte es gar nicht einmal so lange, bis alle sich sicher waren, den Dark Lord doch irgendwie zu kennen.

Was die wenigsten aber wirklich wussten war, dass der Dark Lord ein äußerst sanftmütiges Wesen war, der sich vor allem deshalb im Dunkel der Stadt so wohl fühlte, weil er da Schutz und Geborgenheit fand und er sein konnte, wie er eben war. Da fühlte er sich frei und leicht, da gab es keine Konventionen. Manchmal schüttelte er den Kopf, bei all den Geschichten, die er so über sich hörte und dachte bei sich, „Wenn sie doch alle nur wüssten….“

Der Dark Lord war ein großer Kämpfer. Es geschah öfter als einmal in seinem Leben, dass er alles einsetzte, was er an Kräften aufzubieten hatte, um gegen das wirkliche Dunkel anzukämpfen. Und meist war er auch sehr erfolgreich dabei. Er konnte seine Kraft einsetzten, nicht nur für sich selber sondern auch zum Wohle derer, die ihm Nahe und im Herzen waren.

Der Dark Lord übernahm schwere Entscheidungen und schwere Wege aus Freundschaft und Zuneigung zu anderen. Er begleitete andere Wesen bis hinein in ihren Tod, auch dann, wenn es ihm selber dabei fast das Herz zu zerreißen drohte, aber er wusste, diese Wesen brauchten ihn, mehr als alle anderen in diesem Moment. Diese Wesen suchten aus einem natürlichen Instinkt heraus auch immer wieder seine Nähe und auch der Dark Lord fühlte sich wohl mit ihnen.

Der Dark Lord war eigentlich die Sanftmut in Person – auch wenn es manchmal anders erschien und Geschichten über Zornesausbrüche oder ähnlichem die Runde machte. Aber es war eben notwendig, ihn selber kennen zu lernen. Der Dark Lord hatte allerlei Mittel, um anderen zu helfen. Einerseits verstand er es sehr geschickt, sein Lebenswasser einzusetzen, andererseits hatte er aber auch beinahe fast so etwas wie eine Zauberküche in seinem dunklen Schloss, in der er allerhand zusammenbraute und rührte und sich drinnen stundenlang aufhalten konnte, weil er wusste, dass die Ergebnisse daraus den Seinen zum Guten gereichte und sie stark machte und ihnen all die Energie weitergab, die der dunkle Lord in diese Rezepturen hineinlegte.

Seine eigene Kraft gewann er immer wieder aus dem Feuer. Feuer, das er so dringend brauchte, wie andere ihr Brot zum Leben und so war er auch immer auf der Suche nach neuen Feuerpflanzen, von denen er ernten und essen konnte.

Es bereitete ihm große Freude, diese Pflanzen zu hegen und zu pflegen und sie auch mit anderen zu teilen. Manchmal erlaubte er sich einen kleinen Scherz mit diesen Feuerpflanzen, in dem er anderen nicht sagte, wieviel von dem Feuer in diesen Pflanzen wohnte. Aber er stand ihnen dann ja auch mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie versuchten, das Feuer, das sich dann in ihrem Körper ausbreitete wieder einzudämmen.

Für ihn war es etwas herrliches, dieses Feuer seinen Körpter erobern zu spüren. Er genoss es unendlich, wenn jede Faser seines Körpers von diesem Feuer durchflutet wurde und er dabei manchmal fast das Gefühl hatte, von innen her zu verglühen. Er sehnte sich immer wieder nach der Begegnung mit diesem Feuer und auch das Feuer suchte ihn immer wieder. Die beiden waren ein perfect match und ergänzten einander herrlich. Der eine gab dem anderen Kraft zum Wachsen und zum Werden.

Der dunkle Lord war ein wunderbares Wesen, und das offenbarte sich allen, die die Gelegenheit hatten, ihn doch auch einmal kennenzulernen oder ihm auf die eine oder andere Art persönlich zu begegnen. Die Gelegenheiten dazu waren zwar nicht so einfach zu finden, dennoch konnte es gelingen und wenn man ihm dann begegnete und ihm Nah war, dann konnte man nur noch den Kopf schütteln über die Geschichten und Bilder, die andere von ihm erzählten.

Und eins ist allen, die ihn kennen gemein: das beruhigende Wissen, dass er sie selbst im Dunkel der Nacht gegen böse Wölfe und andere Bedrohungen schützen würde.

Deshalb lohnt es sich, den Menschen auf der Straße draußen mit offenen Augen zu begegnen und in ihre Herzen zu schauen, denn wer weiß, es könnt gut sein, dass einer von ihnen, der dir da gegenüber steht, der dunkle Lord ist.

Und ich würde die Chance, ihm zu begegnen nicht verpassen wollen…… so watch out, you’ll never know…….

 

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Erinnerung

Er war ein großer Mann. Ein Fels in der Brandung. Mein Fels in der Brandung.

Er war der Beschützer und der Behüter für mich, der, der mir den sicheren Hafen garantiert hat. Er war nicht einfach zu nehmen für andere.

Er war immer da. Für mich. Er war zu wenig da für seine Kinder.

Er war ein Mann mit gewaltiger Stimme. Donnergleich genauso wie samtweich und dunkel. Liebevoll genauso wie auch streng. Sein Humor und sein Lachen waren weithin bekannt. Er war bekannt.

Er war der Ritter und starke Held meiner Kindertage und ich war seine Prinzessin. Sein Augapfel.

Er war der Ratgeber und Freund in meinen erwachsenen Jahren und ich noch immer sein Augapfel.

Er war mir Lehrer und Vorbild in vielem, hat mir Werte vermittelt und mich geprägt. Lange Spaziergänge mitten durch die Landschaft. Zeit, die nur uns beiden gehörte. Zeit, die wir sehr genossen haben und die wir uns immer wieder gestohlen haben. Von den anderen.

Einander anvertrauen, einander verstehen und einander annehmen.

Er war immer da, eine Konstante in meinem Leben, ein Leuchtturm im Nebel, ein Lichtschein in der Dunkelheit. Kompass und Orientierungshilfe genauso wie wärmendes Feuer.

Und irgendwann der Moment, wo das Leben uns zwang, einander loszulassen.

Ein unendlich schmerzvoller Moment. Ein Augenblick, an dem die Zeit still stand und meine Welt aufhörte sich zu drehen.

Manchmal erscheint es unwirklich, manchmal erwarte ich ihn und sehe ihn um die Ecke kommen. Manchmal hab ich das Gefühl, als sei es erst gestern gewesen.

Ich höre noch immer den Klang seiner Stimme, sein Lachen und spüre die Wärme seiner Umarmungen. Ich nehme seine Nähe wahr. Auch heute noch in so vielen Momenten.

Ich bin dankbar für den Platz, den er in meinem Leben eingenommen hat.
Ich bin dankbar für so viele Erinnerungen und für so viel gemeinsam verbrachte Momente.

Ich bin dankbar, für die, die ich sein durfte und für die, die ich geworden bin.

Er hat mich geprägt und begleitet. Er ist ein Teil von mir geworden.

in liebevoller Erinnerung an meinen Großvater,

Otto Tumeltshamer 24.02.1926 – 26.10.1993

 


Staunen können….

Staunen oder Verwunderung ist ein emotionaler Zustand als Reaktion auf das Erleben von etwas Unerwartetem, das nicht den bekannten Denkmustern/Schemata entspricht.

…so steht’s als Definition geschrieben und ja, es kommt auch ganz gut hin, find ich.
Staunen können ist etwas ungeheuer wertvolles für mich. Große Augen bekommen, so wie ein kleines Kind und zumindest gedanklich den Mund offen stehen haben (okay, manchmal nicht nur gedanklich)

Ich hatte gestern auch mal wieder das Glück, sogenannte Bauklötzchen staunen zu können und Anlass dieses Staunens war wieder einmal Mutter Natur.

Eigentlich wollt ich ja „nur“ mein neues Objektv ausprobieren und hätt vor lauter Staunen eh zunächst beinahe auf’s Fotografieren vergessen. Ich bin mir ein wenig vorgekommen, wie in einer Zauberlandschaft. Der Herbst hat seine allerschönsten Farben hervorgekramt, ein Meer aus Rot- und Orangetönen durchsetzt mit Grün und Gelb….ein Farbschauspiel erster Klasse und dazu noch strahlende Herbstsonne, ein Licht, das fast schon kitschig wirkt, weil es so perfekt alles beleuchtet….von den angenehm wärmenden Strahlen mal ganz zu schweigen….und dazu dann die herrliche Kulisse der Bergwelt….

Leider sind gestern noch Unmengen anderer Menschen auch auf die Idee gekommen, das Almtal (Grünau) zu durchwandern….gefühlte hunderttausend… ist ja auch deren gutes Recht, sollen ja alle was davon haben von dieser Pracht. Allerdings scheinen viele davon die Pracht absolut nicht wahrgenommen zu haben, sind in Gruppen (Familienverbände, Autobusgruppen, Stammtischrunden, Kaffeekränzchen, Nachbarschaftstreffen, etc.) durch die Gegend gerast und haben geschnattert, dass den Enten hören und sehen verging.

Kaum einer, der Inne hält, der stehen bleibt und seine Aufmerksamkeit dem ihn umgebenden Naturschauspiel widmet. Kaum eine, die sich eine Pause gönnt und sich auf die Bank am Seeufer setzt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt. (Freie Bänke bei dem Menschenaufkommen sind eigentlich schon wieder ein eigener Anlass zum Staunen….)

Da lob ich mir doch den Fischotter, der lachend aus dem Wasser guckt und sich dann davon trollt, weil er einfach einen Heidenspaß an dem herrlichen Herbstwetter habt und keinen Pfifferling drauf gibt, ob die Menschen ihn dabei beobachten oder nicht. Der hatte einfach seinen Spaß und seine Freude an der Sonne, an den Farben und am Wasser.

Ein klein wenig waren wir uns ähnlich an dem Tag, der Otter und ich. 😉