Dysfunktional

Krank sein ist doof, das brauch ich glaub ich hier nicht extra zu erwähnen. Ich glaub ich bin nicht mehr oder weniger krank als manch andere/r …ja, mein Immunsystem ist mit Stressfaktoren gekoppelt und gibt schon gern mal nach und geht in die Knie, wenn ohnehin schon viel zu viel los ist. Mein Beruf bringt es wohl auch mit sich zu „Risikogruppen mit erhöhter Infektionsgefahr“ zu gehören, das macht sich definitiv auch bemerkbar, wenn man in Zeiten wie diesen von der Früh weg angeschneuzt, angeniest, angehustet und was weiß ich noch alles wird.

Und irgendwann ist es dann halt mal wieder so weit, es hat einen erwischt. Es hat mich erwischt.

Ich bin trotzdem noch auf einer Tagung, weils mir wichtig ist, weil ich es für meine Arbeit brauche und weil ich die Kontakte und Gespräche dort für eine Forschungsarbeit brauche, auch wenn ich ohnehin kaum mehr Stimme habe. Und ich genieß ja auch  die Zeit mit denen, mit den ich dort bin bzwmit denen,  die mich dorthin begleiten. Und irgendwie geht’s schon. Es muss gehen.

Irgendwann geht dann nix mehr. Sich wieder ewig herumdrücken vor dem Krankmelden, weil man die Reaktion schon kennt. Trotzdem, es nutzt ja nix. Versuchen so schnell wie möglich wieder fit zu werden, der Blick in den Terminkalender erlaubt eigentlich kein krank sein. Täglich der Anruf aus der Schule, weil der Chef was wissen will, was braucht, was loswerden will und immer die Frage, bist eh bald wieder gesund, kommst eh am Donnerstag wieder, so schlimm is es ja nicht, oder? Nein, klar, es ist nicht so schlimm. Natürlich komm ich am Donnerstag wieder, Ja sowieso versteh ich das, dass andere Kollegen auch krank sind und die anwesenden sauer sind über die anfallenden Supplierungen (ich gebe zu ich mag diese oftmals überraschenden Zusatzstunden auch nicht wirklich).

Zwischendurch zerbrech ich mir den ohenhin schon schmerzenden Kopf, wie ich den Arbeitsplan nun halbwegs einhalte, ich hab mir ja in den Kopf gesetzt, nebenberuflich ein Masterstudium zu absolvieren und bin nun dabei meine Masterthesis zu schreiben und die letzten beiden Studiensemester zu absolvieren.

Manchmal frag ich mich ja ein wenig, ob jemals einer von denen, die „berufsbegleitende Masterstudien“ aufsetzen,  selber berufsbegleitend irgendwas in der Art gemacht haben….streckenweise geht einem da nämlich ganz schön die Puste aus und da ja die Seminare „berufsbegleitend“ an Wochenenden stattfinden, werden freie Tage knapp.

Donnerstag. Ich geh wieder zur Arbeit und merk sehr bald, dass das nicht das allerschlauste war. Aber es nutzt nix, ich hab am Wochenende ja Seminar mit Anwesenheitspflicht. Irgendwie muss es gehen.

Freitag. Ich geh zwar wieder in die Schule, schlepp mich durch den Vormittag aber dann so kurz vorm Umfallen (also dort, wo man Watte in den Knien hat und Sternchen vor Augen, wenn man sich von der Tafel wieder hin zu den Schülern dreht) siegt die Vernunft und ich sag das Seminar mit schlechtem Gewissen ab. Schreib eine Entschuldigungsmail an den Prof.und leg mich mit Fieber ins Bett.

Mir is jetzt schon übel, denn ich weiß ja dass das zu den Schularbeiten der kommenden Woche, dem Elternsprechtag, der Arbeit an der Masterthesis, der noch zu formatierenden Seminararbeit vom letzten Seminarwochenende (24.000 Zeichen können ganz schön lästig sein….) jede Menge Mehrarbeit bedeuten wird. Und ja, der Prof überlegt grad, ob er mir wegen meines Fernbleibens eine Extraprüfung verpassen soll anstatt einer zusätzlichen Literaturarbeit, denn Zitat: „sooo billig darf ein Master dann ja auch nicht sein“. Mal ganz abgesehen davon, dass der Master alles andere als billig ist (nein, ich red hier nicht von der Geldsumme, die dieses Studium auch kostet sondern von der Arbeit, die wir da investieren) hey, ich bin krank.  Ich  hab mir keine faule Ausrede einfallen lassen und ich drück mich nicht vor der Arbeit, aber ich seh’s auch nicht ein, noch extra dafür bestraft zu werden, weil ich mal nicht funktioniere, so wie ich sollte.

Mein Chef (der aus der Schule) hat mir heut noch eine mail geschrieben und die endet mit dem netten Wunsch, ich möge mich doch am Wochenende ein wenig erholen, damit ich am Montag sicher wieder ganz fit bin.

Und irgendwann dann werd ich es geschafft haben, wegzukommen von dem doofen Gefühl funktionieren zu müssen und dann, ja dann, dann werd ich einfach leben anstatt zu funktionieren. Das wird kuhl.

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