In der Küche mit meiner Großmutter

Wenn ich in der Küche stehe, dann ertapp ich mich öfter bei dem Gefühl, mit meiner Großmutter zu kochen. Sie schaut mir über die Schulter, kommentiert und gibt Tipps und sie ist einfach da.

Heut war das so beim Birnenkompott….ich hab eine Schranktür geöffnet und wollte nach dem Sternanis greifen und schon begann unser Gespräch.

Was machst du denn damit?

Ich geb den gern ins Birnenkompott, das ist Sternanis, gibt eine ganz feine Würze.

Und Nelken oder so gibst auch noch rein?

Nein, Oma, ich nehm noch Ingwer dazu.. schau, zwei, drei Scheiben,das reicht.

Aha, Ingwer ist das also. Ich hab das oft im Geschäft gesehen und nie gewusst, was man damit macht. Ich kannte Ingwer immer nur als Pulver. Den gab’s früher auch manchmal.

Und dann köchle ich wieder weiter und schmunzle vor mich hin…….

Ja, meine Großmutter lebt seit ein paar Jahren nicht mehr und mancher mag vielleicht den Kopf schütteln über so ein „Gespräch“ aber egal. Es ist eben so. Sie ist eben manchmal zu Gast in meiner Küche, sie ist mitten drinn und voll dabei.

Vor ein paar Tagen hab ich Wild gekocht, einen Rehrücken. Wild war für meine Großmutter so  die hohe Kunst des Kochens und ich hab da viel von ihr gelernt aber auch ihre hohen Ansprüche übernommen. Ich weiß, dass sie da immer besonders kritisch darauf achtet, dass ich alles genauso mach, wie sie’s eben weitergegeben hat. Und ich merk, dass mir das auch wichtig ist. Sie ist mir in diesem Tun einfach sehr nahe. Manchmal halt ich inne und frag sie: Oma, was denkst du, soll ich noch einen Schuß Wein dazu geben?

Oder ich hör sie plötzlich sagen: Piment…ohne Neugewürz wird das nix….. und schon weiß ich, was noch fehlt.

Und so werkeln wir quasi gemeinsam in der Küche. Ein paar ihrer Küchenutensilien hab ich aufbewahrt und verwende sie weiter. Ich fühl mich ihr verbunden, wenn ich den Krug zum Aufgießen nehm oder die kleinen Schalen für die Gewürze. Ich muss schmunzeln, wenn ich den Kartoffelstampfer oder die alte Keksdose seh. An besonderen Tagen oder für besonders liebe Menschen hol ich ihre „guten Gläser“ aus dem Schrank.

Meine Koch“künste“ hab ich wohl zu einem großen Teil ihr zu verdanken.

Und umso netter, wenn ich dann am Tisch sitze, den ersten Bissen vom Essen nehm und dann feststelle, ja, es schmeckt so, wie ich es von ihr kenne.

Gell, Oma, was Kochen anbelangt, bist du doch recht zufrieden mit mir……

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Über borsetta

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2 responses to “In der Küche mit meiner Großmutter

  • Bianca

    … gell, mein Herzchen, du weißt, dass sie das nicht nur mit dem Kochen wäre … Und wäre sie noch auf der Erde und würde sie mich über deine Kochkünste befragen, könnt ich bestätigen, dass du das drauf hast und immer sehr lecker würzt – in fremden wie in der eigenen Küche 😉

  • lemonissimo

    sehr sehr liebevolle Qualitätssicherung.

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