begegnung

vor ungefähr drei jahren musste ich die unangenehme erfahrung machen, dass ein schüler mir gegenüber gewalttätig wurde und mich auch verletzt hat. kein erfahrung, die ich nochmal brauche, weniger schlimm der körperliche schmerz als der seelische in dem augenblick.

wir beide hatten keinen konflikt. ich war quasi zur falschen zeit am falschen ort oder wenn man es im nachhinein berachtet zur richtigen zeit am richtigen ort. ich bin sozusagenmitten in die aggression dieses damasls 13 jährigen gelaufen, hab versucht ihn aufzuhalten und schon war ich für ihn eine projektionsfläche für seinen eigenen schmerz und da war’s auch schon geschehen. letztlich eine kleinigkeit, eine zerrung des daumengrundgelenks. aber eine unglaublich schwierige situation. wie reagiert man, was macht man, wie geht man mit so einer situation um.

da gibt’s welche, die gleich laut aufjaulen und meinen, sowas darf man sich nicht gefallen lassen, anzeigen, der schule verweisen etc….

ich hab mich damals entschieden, mit einer betreuungslehrerin zusammen einen „anderen weg“ zu gehen. ich hab gewusst, dass es nicht um mich ging, dass er einfach blind vor wut war. „mir wird auch weh getan und ich muss es auch aushalten“. ein jugendlicher, der zu hause dinge erlebt, die niemand erleben sollte und schon gar kein kind in dem alter.

es ist gelungen, die anzeige zu umgehen, gemeinsam mit der jugendwohlfahrt ist es mir gelungen, ihn in eine therapie zu bringen und ihm zu zeigen, es war nicht okay, was du gemacht hast aber ich versteh deine verzweiflung. er hat begonnen zu reden.zum ersten mal alles erzählt.

heute am abend steig ich gedankenversunken aus dem zug und geh zu meinem auto. am weg kommt mir eine ganze bande teenager entgegen, einige ehemalige schüler sind auch dabei. natürlich würdigen sie mich keines blickes (wär ja auch wirklich unkuhl)

nur einer bleibt stehen. lächelt mich schüchtern an, sagt „hallo“ und geht weiter.der junge von damals.

das sind die momente, wo man dann weiß, man hat etwas richtig gemacht, man hat eine richtige entscheidung getroffen.

und dann ist man einfach nur unheimlich dankbar und freut sich…..

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Über borsetta

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2 responses to “begegnung

  • meineleiden

    Ja, Kindern aus Problemfamilien ist meist nicht damit geholfen sie einfach zu bestrafen und sie so ihrer einzigen echten Chance auf Veränderung zu berauben. Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt von dir und froh, dass es noch Menschen wie dich gibt die nicht den einfachen Weg gehen, sondern zum Wohl des Kindes handeln.

  • Martin

    Danke für diesen Gedanken.

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