Monatsarchiv: Oktober 2011

Die Kuchenprinzessin

Es war einmal ein kleines Dorf an einem großen Fluß. Dort lebte Sunny und das ganze Dorf war sehr glücklich darüber, dass das so war. Sunny war eine ganz besondere junge Frau, die es immer wieder schaffte, die Menschen zu erfreuen und vor allem zusammen an einen Tisch zu bringen. Sunny hatte da ihre ganz eigenen Methode, sie war eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin und stand oft den ganzen Tag in ihrer Küche und der Backofen lief auf Hochbetrieb. Da konnte es schon mal vorkommen, wenn man überraschend bei ihr auftauchte, dass sie ein wenig Zucker auf der Nasenspitze oder Schokolade an den Fingern hatte. Aber das war den Leuten eigentlich egal, machte es Sunny doch nur noch liebenswerter. Und außerdem waren ja ohnehin alle immer neugierig, was sie denn wieder in ihrer Küche gezaubert hatte. Da gab es wirklich immer wieder allerhand zu bestaunen, große Kuchen,kleine Kuchen, herrlich verzierte Torten, zuckersüßes Gebäck und noch viel, viel mehr. Sunny teilte ihre Kunstwerke auch von Herzen gerne mit anderen Menschen. Wo immer man Süßes brauchte, Sunny war zur Stelle und brachte gerne etwas mit und sie freute sich, wenn die Menschen vor Verzückung ihre Augen rollten und alle möglichen Aaaaaaaaahs und Ooooooooohs durch den Raum gingen, wenn der erste Bissen gegessen war. Sunny lehnte sich dann immer genüsslich zurück und beobachtete, was geschah. Und es geschah immer wieder das gleiche. Die Menschen kamen von allen möglichen Ecken zusammen, waren teilweise erschöpft, weil sie von der Arbeit kamen, waren missmutig, weil irgendwas nicht gut gelaufen war, waren zerstritten wegen irgendwelcher Kleinigkeiten oder waren oft einfach scheu, weil gar so viele fremde Menschen an einem Tisch saßen. Und dann kam Sunny. Egal ob bei ihr zu Hause oder wo anders. Sie stellte ihre Torten, Kuchen und Gebäckstücke auf den Tisch und die Menschen bedienten sich und gar seltsames konnte man beobachten. Kaum hatten sie ein Stück Torte gegessen, begannen sich die Leute zu entspannen, ihre Geschichtszüge wurden lockerer, ja, man konnte sogar manchmal sowas wie ein Lächeln entdecken. Die Leute lehnten sich gemütlich zurück und man höre und staune, sie begannen miteinander zu reden. Sie kamen ins Gespräch und begannen sich zu unterhalten. Oftmals stellten sie Gemeinsamkeiten fest, fanden Themen, die sie alle interessierten und so wurde innerhalb kürzester Zeit oft eine gesellige Runde aus den anfangs Fremden. Und immer wieder fragten sich die Menschen,warum das bei Sunny so herrlich klappte. Man musste sich einfach wohl fühlen in ihrer Gesellschaft und mit ihren herrlichen Schleckereien. Sunny wurde oft gefragt, wie sie das denn anstellte, ob sie ein Geheimmittel hätte, aber sie schüttelte immer nur den Kopf und schwieg. Insgeheim lächelte sie, denn es sollte ja keiner ihr kleines Geheimnis erfahren.

Sunny war eine Kuchenprinzessin und nur solche hatten eine geheime Zutat, die sie in ihre Kuchen und Torten mischten. Es war ein feines weißes Pulver, das alle Kuchenprinzessinnen bekamen, wenn sie volljährig wurden. Jede Kuchenprinzessin hielt das Pulver in einem Beutelchen in ihrer Küche versteckt.  Kuchenprinzessinnen lernten schon als kleine Mädchen, dass dieses Pulver sehr wertvoll war. Wenn man es nämlich in richtiger und guter Absicht verwendete, dann ging es niemals zu Ende. Sunny hütete ihr Pulverbeutelchen sehr und sie überlegt immer gut, wann sie ein wenig davon in den Kuchen gab. Und sie hatte feines Gespür entwickelt und erwischte immer die richtige Dosis zum richtigen Zeitpunkt. Aber das war ja ihr kleines Geheimnis. Sie freute sich einfach nur, wenn sie abends wieder einmal zufrieden feststellen konnte, dass Menschen zueinander gefunden hatten und ins Gespräch gekommen waren. Ihre Tür stand immer offen und es war auch nicht weiter verwunderlich, dass in ihrer Küche ein großer Tisch stand, wo immer Leute saßen, um sich mit ihr zu unterhalten.

Und auch das Dorf war zufrieden und freute sich, denn alle wussten, solang Sunny mit ihren Mehlspeisen bei ihnen blieb, gab es immer einen Ort, an dem man zusammenkommen konnte und an dem Menschen sich wohlfühlten. Ja, so sind sie eben die Kuchenprinzessinnen. Und wenn ihr nun denkt, das ist ja wie bei uns zu Hause, dann kann das ja daran liegen, dass es auch bei euch zu Haus so eine feine Kuchenprinzessin gibt. Ihr braucht jetzt gar nicht nach dem Beutelchen suchen, denn Kuchenprinzessinnen verstecken die immer sehr gut, glaubt mir, ich weiß das……. 😉

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Pato

Vor langer, langer Zeit lebte am großen See ein weiser und menschenfreundlicher Mann. Er lebte mit den Seinen im einzigen Haus am See und war dankbar für diesen Platz. Abends, wenn die Sonne unterging, konnte man Pato oft am See entlang spazieren sehen oder am Steg sitzen, wo er den aufgehenden Sternen zusah und über das Leben nachdachte. Er dachte viel nach und am besten nachdenken konnte er immer, wenn er seine Lieblingsnüsse knackte. Der weise Mann liebte nämlich Nüsse und er war fasziniert von ihrer Form und von ihrem feinen Geschmack. Pato wusste von Anfang an  auch, wie gesund die Nüsse für die Menschen und  Tiere waren.

Pato lag alles Lebendige sehr am Herzen und dort, wo seine Wurzeln waren, im Lande Gilead, da lernte er von Kindesbeinen an, wie gut es war, füreinander da sein  zu können und einander helfen zu können. Gilead war ein Land voller heilsamer Kräuter und Pflanzen und die Menschen, die dort lebten, wussten dies zu schätzen und waren dankbar für diese Geschenke, die die Natur ihnen machte. Sie lernten, wie die Pflanzen den Tieren und Menschen helfen konnten und sie gaben ihr Wissen weiter. Die Menschen in Gilead waren weise und deshalb wussten sie auch, dass es mehr gab, als der Mensch erfassen und erahnen konnte.

Und auch Pato war von seinem Vater unterrichtet worden. Pato’s Vater war ein eifriger Mann, der viel für das Wohl anderer tat aber er war auch ein strenger Mann. Er wollte, dass Pato viel von ihm lernte und er hatte große Pläne für Pato. Doch Pato ging eines Tages fort von zu Hause, weil er beschlossen hatte, seinen eigenen Weg suchen zu wollen. Pato zog durch die Lande, lernte Menschen kennen, ließ sich nieder, um dann doch wieder aufzubrechen und weiterzuziehen, weil es noch so viel für ihn zu entdecken gab. Pato’s Reise war manchmal auch sehr beschwerlich und so manches schmerzhafte Ereignis prägte seinen Weg. Und dennoch, Pato ging immer weiter und weiter, getrieben von einer großen Sehnsucht und einem Wissen, dass alles eben so sein muss, wie es war. Und so geschah es letztlich auch, dass er nach langer Reise endlich an diesem großen See sein Zuhause fand. Pato konnte sich dort niederlassen und dankbar auf seinen Weg zurückblicken. Er blickte vom großen See aus oft in Richtung Gilead und war dankbar, dass er nun sein eigenes Zuhause am See gefunden hatte, umgeben von den Seinen udn so gestaltet, wie er es sich ersehnt hatte.

Pato war nicht nur für die Seinen zu einem wichtigen Wegbegleiter geworden sondern auch für so manch andere Menschen, deren Weg den seinen kreuzte. Die Menschen waren fasziniert von Pato, denn er hatte die außergewöhnliche Gabe, zwischen den Zeilen zu lesen oder den Menschen Antworten auf Fragen zu geben, die sie noch gar  nicht gestellt hatten. Natürlich gab es auch immer wieder Menschen, die Pato für einen Spinner hielten, weil sie oft nicht verstanden, was er ihnen zu vermitteln versuchte. Pato überschwemmte die Menschen nicht mit seinen Ratschlägen sondern er forderte sie heraus. Das was er zu sagen hatte, war auf den ersten Blick für viele oft unverständlich, aber die, die ihn kannten und ihm vertrauten, setzten sich zu Hause oft hin und bedachten seine Worte, drehten und wendeten sie so lange, bis sie Sinn ergaben. Pato war manchmal auch einfach müde, weil es Tage gab, da brauchten unheimlich viele Menschen seinen Rat. Der weise Pato gab alles, er ging kaum Kompromisse ein, sondern er konfrontierte die Menschen auch mit den Dingen, die sie nicht so gerne hören wollten, doch er wusste ja, dass es letztlich zu ihrem besten war, wenn er ihnen half, in den Spiegel blicken zu können, um sich selbst besser erkennen zu können. Pato war manchmal aber auch sehr sehr vorsichtig und wollte nicht, dass die Menschen allzuviel von ihm wussten. Er liebte es, sich zurückziehen zu können, um seine Ruhe zu finden und Kraft zu schöpfen.  Manchmal geschah es aber auch, dass Pato plötzlich spürte, dass Menschen ihn interessierten, dass sie ihn neugierig machten und dass er sie genauso ein wenig knacken wollte, wie die Nussschalen, um zu entdecken, was sich hinter den oft harten Schalen befand. Und Pato gab sich dann viel Mühe, um genau jene Menschen aus ihren Reserven zu locken und sie herauszufordern. Er war immer wieder überrascht und oftmals auch berührt, wenn es ihm gelang, Schalen ein wenig aufzuknacken und an den Kern der Menschen zu rühren. Er war bezaubert von dem, was sich ihm oftmals offenbarte und er war auch bereit, diese Menschen dann ein wenig an seinem See ausruhen zu lassen. Ja, letztlich freute er sich sogar, wenn diese Menschen immer wieder kamen, weil nicht nur sie sich an der Ruhe des Sees erfreuten sondern weil auch er merkte, dass es ihm gut tat, mit diesen Menschen zu sein. Und so erlebt man es immer wieder, wenn man Richtung See blickt, dass Pato mit dem einen oder anderen dort entlang spaziert, versunken in tiefe Gespräche oder dass man ihn einfach am See sitzen sieht, unter den Sternen, mit einem wohligen Lächeln im Gesicht,seine Lieblingsnüsse schnabulierend.

Und die Menschen mussten lächeln, denn sie gönnten ihm seine Ruhe und waren dankbar, dass es ihn gab. Sie wussten, dass seine weisen Worte auch ihr Leben irgendwann einmal berühren würden.Aus diesem Grund hatten viele Menschen die ind er Nähe des Sees wohnten immer einen kleinen Vorrat an Nüssen zu Hause.  Und deshalb, liebe Menschen, sammelt Nüsse, denn ihr wisst ja nie, ob nicht eines Tages Pato auch euren Weg kreuzt…….