Pato

Vor langer, langer Zeit lebte am großen See ein weiser und menschenfreundlicher Mann. Er lebte mit den Seinen im einzigen Haus am See und war dankbar für diesen Platz. Abends, wenn die Sonne unterging, konnte man Pato oft am See entlang spazieren sehen oder am Steg sitzen, wo er den aufgehenden Sternen zusah und über das Leben nachdachte. Er dachte viel nach und am besten nachdenken konnte er immer, wenn er seine Lieblingsnüsse knackte. Der weise Mann liebte nämlich Nüsse und er war fasziniert von ihrer Form und von ihrem feinen Geschmack. Pato wusste von Anfang an  auch, wie gesund die Nüsse für die Menschen und  Tiere waren.

Pato lag alles Lebendige sehr am Herzen und dort, wo seine Wurzeln waren, im Lande Gilead, da lernte er von Kindesbeinen an, wie gut es war, füreinander da sein  zu können und einander helfen zu können. Gilead war ein Land voller heilsamer Kräuter und Pflanzen und die Menschen, die dort lebten, wussten dies zu schätzen und waren dankbar für diese Geschenke, die die Natur ihnen machte. Sie lernten, wie die Pflanzen den Tieren und Menschen helfen konnten und sie gaben ihr Wissen weiter. Die Menschen in Gilead waren weise und deshalb wussten sie auch, dass es mehr gab, als der Mensch erfassen und erahnen konnte.

Und auch Pato war von seinem Vater unterrichtet worden. Pato’s Vater war ein eifriger Mann, der viel für das Wohl anderer tat aber er war auch ein strenger Mann. Er wollte, dass Pato viel von ihm lernte und er hatte große Pläne für Pato. Doch Pato ging eines Tages fort von zu Hause, weil er beschlossen hatte, seinen eigenen Weg suchen zu wollen. Pato zog durch die Lande, lernte Menschen kennen, ließ sich nieder, um dann doch wieder aufzubrechen und weiterzuziehen, weil es noch so viel für ihn zu entdecken gab. Pato’s Reise war manchmal auch sehr beschwerlich und so manches schmerzhafte Ereignis prägte seinen Weg. Und dennoch, Pato ging immer weiter und weiter, getrieben von einer großen Sehnsucht und einem Wissen, dass alles eben so sein muss, wie es war. Und so geschah es letztlich auch, dass er nach langer Reise endlich an diesem großen See sein Zuhause fand. Pato konnte sich dort niederlassen und dankbar auf seinen Weg zurückblicken. Er blickte vom großen See aus oft in Richtung Gilead und war dankbar, dass er nun sein eigenes Zuhause am See gefunden hatte, umgeben von den Seinen udn so gestaltet, wie er es sich ersehnt hatte.

Pato war nicht nur für die Seinen zu einem wichtigen Wegbegleiter geworden sondern auch für so manch andere Menschen, deren Weg den seinen kreuzte. Die Menschen waren fasziniert von Pato, denn er hatte die außergewöhnliche Gabe, zwischen den Zeilen zu lesen oder den Menschen Antworten auf Fragen zu geben, die sie noch gar  nicht gestellt hatten. Natürlich gab es auch immer wieder Menschen, die Pato für einen Spinner hielten, weil sie oft nicht verstanden, was er ihnen zu vermitteln versuchte. Pato überschwemmte die Menschen nicht mit seinen Ratschlägen sondern er forderte sie heraus. Das was er zu sagen hatte, war auf den ersten Blick für viele oft unverständlich, aber die, die ihn kannten und ihm vertrauten, setzten sich zu Hause oft hin und bedachten seine Worte, drehten und wendeten sie so lange, bis sie Sinn ergaben. Pato war manchmal auch einfach müde, weil es Tage gab, da brauchten unheimlich viele Menschen seinen Rat. Der weise Pato gab alles, er ging kaum Kompromisse ein, sondern er konfrontierte die Menschen auch mit den Dingen, die sie nicht so gerne hören wollten, doch er wusste ja, dass es letztlich zu ihrem besten war, wenn er ihnen half, in den Spiegel blicken zu können, um sich selbst besser erkennen zu können. Pato war manchmal aber auch sehr sehr vorsichtig und wollte nicht, dass die Menschen allzuviel von ihm wussten. Er liebte es, sich zurückziehen zu können, um seine Ruhe zu finden und Kraft zu schöpfen.  Manchmal geschah es aber auch, dass Pato plötzlich spürte, dass Menschen ihn interessierten, dass sie ihn neugierig machten und dass er sie genauso ein wenig knacken wollte, wie die Nussschalen, um zu entdecken, was sich hinter den oft harten Schalen befand. Und Pato gab sich dann viel Mühe, um genau jene Menschen aus ihren Reserven zu locken und sie herauszufordern. Er war immer wieder überrascht und oftmals auch berührt, wenn es ihm gelang, Schalen ein wenig aufzuknacken und an den Kern der Menschen zu rühren. Er war bezaubert von dem, was sich ihm oftmals offenbarte und er war auch bereit, diese Menschen dann ein wenig an seinem See ausruhen zu lassen. Ja, letztlich freute er sich sogar, wenn diese Menschen immer wieder kamen, weil nicht nur sie sich an der Ruhe des Sees erfreuten sondern weil auch er merkte, dass es ihm gut tat, mit diesen Menschen zu sein. Und so erlebt man es immer wieder, wenn man Richtung See blickt, dass Pato mit dem einen oder anderen dort entlang spaziert, versunken in tiefe Gespräche oder dass man ihn einfach am See sitzen sieht, unter den Sternen, mit einem wohligen Lächeln im Gesicht,seine Lieblingsnüsse schnabulierend.

Und die Menschen mussten lächeln, denn sie gönnten ihm seine Ruhe und waren dankbar, dass es ihn gab. Sie wussten, dass seine weisen Worte auch ihr Leben irgendwann einmal berühren würden.Aus diesem Grund hatten viele Menschen die ind er Nähe des Sees wohnten immer einen kleinen Vorrat an Nüssen zu Hause.  Und deshalb, liebe Menschen, sammelt Nüsse, denn ihr wisst ja nie, ob nicht eines Tages Pato auch euren Weg kreuzt…….

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