Amour fou……

Ein Buchtitel, der einen anspricht. Ein paar Sätze daraus oder die Erzählung über ein Buch, die einen neugierig auf mehr macht. Ein Coverbild, das einem gefällt, ein Autor, den man kennt, ein Zufallsgriff, ein Geschenk, die Inhalte und Themen….so viele unterschiedliche Dinge können es sein, die ein Buch und mich zusammenbringen. Manchmal muss ich dann feststellen, dass das Buch vielleicht nicht hält, was es verspricht oder was ich mir davon versprochen habe, aber es gibt eben auch viele so ganz andere Momente.

Amour fou quasi.

Der Moment, wenn man dieses Buch zum ersten Mal in den Hänend hält, sanft über den Umschlag streift, die ersten Seiten aufschlägt, den Duft des Papiers und der Druckerschwärze wahr nimmt und man in dem Moment weiß, es wird eine spannend, intensive Begegnung werden. Oftmals sind es die Umstände, die nicht erlauben, sofort loszulesen, deshalb muss ich es noch ein wenig zur Seite legen, dieses Buch. Aber ich nehme dieses Kribbeln in mir wahr, das mich drängt, endlich zu lesen beginnen zu können.

Und dann  beginnt die Reise. Ich tauche ein in die Sprache, die Wörter umschlingen mich und nehmen mich  mit und sie lassen Bilder in meinem Kopf entstehen. Die Inhalte verbinden mich mit meiner eigenen Geschichte, sie nehmen mich mit zu meinen  Erinnerungen, die so kostbar sind und für die ich dankbar bin. Die Wörter knüpfen Verbindungen zu Menschen, die mir nahe sind oder die mir wichtig sind, Menschen, die ich vielleicht erst kürzlich wo kennengelernt habe, aber die mir seit dem Moment in lieber Erinnerung sind. Menschen, die ich gerne wiedersehen werde. Je länger ich in dem Buch lese, desto weiter zieht es mich hinein in seine Welt, ich vergesse, was um mich ist und versinke in der Geschichte. Ich lege es nur ungern zur Seite, um meinem Alltag nachzugehen. Und auch dabei merke ich, dass mich die Geschichte nicht mehr loslässt, dass ich in Gedanken immer wieder den Protagonisten begegne und mich frage, was sie gerade tun. Ich nehm in meinem Alltag Situationen wahr, die mich an den Alltag in meinem Buch erinnern, Fiktion und Realität verschmelzen zu einer Ebene. Ich freu mich,wenn ich endlich wieder Zeit zum Weiterlesen habe, wenn ich durch die Tür hindurch gehen kann und  mich wieder in der Landschaft meines Buches finde. Ich hab dann den Eindruck, Teil der Lebenswelten meines Buches zu sein. Ich bewege mich in den Landschaften, streife durch Häuser und Wohnungen, blicke aus dem Fenster und höre den Menschen zu bzw. beobachte sie.  Sie haben mich ja herzlich eingeladen und wollen mir ihre Geschichte erzählen.

Und irgendwann dann der Moment der letzten Seite. Einerseits das gute Gefühl, etwas zu Ende gelesen zu haben aber gleichzeitig auch das Erschrecken und jähe Auftauchen aus einer Welt, in der ich noch so gerne verweilen möchte. Verwirrt Realität und Fiktion wieder auseinanderteilen, noch einmal kurz versuchen, zurückzukehren in die Geschichtenwelt des Buches. Und es letztlich dankbar zur Seite legen oder ins Regal stellen. Dankbar für diese Zeit der Entspannung, des Versinkens, des Bei mir seins und des Loslassens.

Nicht jedes Buch erwischt mich so intensiv, keine Frage. Aber ich bin dankbar, dass es doch viele solcher Werke gibt, denen das gelingt. Vielleicht fällt es mir deshalb auch so schwer, mich von meinen vielen Büchern zu trennen. Und eventuell gelingt es mir ja  irgendwann doch noch, mir den Wunsch einer eigenen Bibliothek zu erfüllen. Träumen davon kann ich ja schon mal……

Anmerkung: Das  Buch, das mich die letzten drei Tage gefangen nahm war“Eva schläft“ von Francesca Melandri, 2011

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