Monatsarchiv: März 2012

Schmerz (lat. dolor, griech. ἄλγος, álgos)…..

……ist eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann….

Über Schmerz zu schreiben ist gar nicht so einfach, denn Schmerz ist etwas sehr subjektives. Und manchmal lässt Schmerz sich sehr schwer beschreiben.

Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Kreuzschmerzen, Herzschmerzen, Regelschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen…. und was es da nicht noch so alles gibt. Und dann gib’s da noch so ganz unterschiedliche sehr schmerzhafte Erkrankungen und von Zeit zu Zeit darf ich mich selber auch mit so einer Neuropathie abplagen. Neuropathien sind Nervenschmerzen und der Nerv, der sich bei mir meldet, nennt sich Trigeminus. Eine unangenehme Sache, eine die eigentlich tierisch weh tut aber ich merk auch, wie schwer es mir fällt, darüber zu reden bzw. es zu erklären, weil es immer so absurd klingt und ganz oft auf Unverständnis stößt, wenn ich sag, mir bereitet ein Gesichtnerv solche Schmerzen, dass ich es – wenns denn wirklich mal wieder akut ist – ohne Schmerzinfusionen nicht schaffe. Ich erleb immer wieder, wie Menschen da ein wenig vor sich hinlächeln und es als Spinnerei oder Einbildung abtun oder halt eben mit “ a bissl Kopfweh“ gleichsetzen. Eigentlich ja eh nachvollziehbar, denn woher soll man denn wissen, wie sich das anfühlt. 

ja, wie fühlt es sich an….gute Frage. Wenn es wirklich ganz akut ist, dann hab ich für mich immer so das Gefühl, mein Nerv „brüllt“ los, was das Zeug hält. Der Schmerz überfällt einen manchmal aus dem Hinterhalt, manchmal schleicht er sich langsam ein. Wenn er dann da ist, nimmt er Besitz von mir. Bestimmt mein Denken und Handeln und dominiert mich. Deckt alles zu und pulsiert vor sich hin. Beständig, intensiv und unnachgiebig. Jeder Wimpernschlag tut weh. Jede Regung, jeder Gesichtszug, jedes Wort ist mit Schmerz verbunden.  Ich hab dann das Gefühl als würde jede Bewegung eines Haares am Kopf auch schon schmerzhaft sein. Frisieren kostet Überwindung. Ich sag manchmal, wenn mich wer fragt, wie man sich das vorstellen muss: stell dir vor, du liegst mit einer Hälfte deines Gesichtes in einem Stecknadelkissen. Der Schmerz raubt mir im Lauf des Tages die Luft. er zermürbt, macht müde, macht traurig und manchmal lässt er einen auch verzweifeln. Infusionen mit Schmerzmitteln bringen Erleichterung….seliges Dahindämmern im Drogenrausch zumindest für ein paar Stunden, dann merkt man, dass der Schmerz sich seinen Weg wieder bahnt aber immerhin ist er abgedämpft und  erträglicher. Ich bin unleidig, bin froh, wenn ich mit niemandem reden muss – was in meinem Job aber nicht ganz so einfach ist und meist geh ich ja trotzdem arbeiten, denn jede Ablenkung ist willkommen, denn ansonsten rennt man ja sowieso nur im Kreis und hört in sich hinein und gibt dem Schmerz noch mehr Raum.

Und dennoch neben all dem mühsamen auch die Erkenntnis, man lernt mit diesem Schmerz leben. Man weiß, dass ein, zwei, dreimal im Jahr solche Attacken auftauchen. Man weiß, das werden mühsame Tage aber man weiß auch, sie gehen vorüber. Man versucht, sich zwischendurch immer wieder auszuruhen, man versucht, sich abzulenken. Man weiß und spürt, wie reizbar man ist, wie schnell man in der Höhe ist und am liebsten auszucken möcht. Man ist ungeduldig und unruhig. Und manchmal möcht man sich einfach nur verstecken und heulen, weil man sich selber nicht mag, weil man den Zustand nicht mag und weil man den Schmerz nicht mehr aushält und er nicht und nicht weichen will.

Und Gott sei Dank gibt es Menschen, die einen in solchen Zeiten ermutigen, die einen aushalten und die einen Durchtragen. Vielleicht mag sich der eine oder andere jetzt denken, was für eine theatralische Jammerei. Ich hör auch schon wieder auf damit. Aber ich wollte mir wenigstens ein einziges Mal selber erlauben auszusprechen, dass es einfach verdammt weh tut. Denn man will es diesem Schmerz ja nicht und nicht zugestehen, dass er eventuell irgendwann mal Erfolg haben könnte und er einen klein kriegt. Noch bin ich die Stärkere

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