Monatsarchiv: Mai 2012

Mother’s Day

A son wants to commemorate his mother and her life. Well, you might think, this is what people usually do on Mother’s Day. Right. But today was a very special Mother’s Day for a dear friend.

My friend never got to know his mother or anyone else of his family as his mother and his grandfather were deported in June 1942 from Vienna to Mali Trostenec. This son, I’m talking of, was 6 months old then. So he never got a chance to get to know his mother well enough to create memories or even glimpses of memories of her. His mother as well as his grandfather lost their lifes in Mali Trostenec as they were killed by the Nazi Regime, they were shot in the woods of Mali Trostenec, only their ashes remained there….

The 6 month old son was deported to Theresienstadt, where he was able to survive and then after the war he was brought to England. The son came to an orphanage and got adopted there  and always thought to be British unto the age of nineteen, when he wanted do marry his lovely wife. As he had to prepare documents for the wedding a shocking truth unveiled. All of a sudden he lost what he always thought to be his identity. He was not English but Austrian. He had not been born in Britain but in Vienna, he had not been given the name, he had been used to for so long but he had been given another name long ago in a totally different world.

So many questions arose where no answers were given and never will be given as his mother and grandfather and the rest of the family have been annihilated. A life full of searching started and this searching of identity and meaning led to a very special moment this morning.

In the second district of Vienna, the so called „Leopoldstadt“, the jewish quarter of Vienna,  gathered people this morning to hold a ceremony of remembrance. People, who have also lost family members in the Shoa and who wanted to commemorate them. They assembled for a ceremony that is called „Stones of Remembrance“.  Little metal plates, engraved  with the names and dates of people, deported and murdered by the Nazi regime, are put in front of their last adresses in Vienna. Everyone who wants to read those plates has to bow down. So finally those people, who suffered what we cannot even find words for, get a place, get back a name and will never be forgotten.

I had the honour to be amongst the people who gathered this morning. The son, who has come to have a stone, a plate for his mother and grandfather, is a dear friend. It moved me to tears, listening to the words he spoke and the pain and grief he shared with us during that speech. What precious gift it is, when people do not only share the happy times but also the moving or sad ones. After the ceremony we walked on to his mothers and grandfathers last adress in Vienna. Flowers were laid down at the Stones of Remembrance and finally the moment had come, where  Kaddish was said.

Elsa, I’m sure today was a special Mother’s Day for you. From wherever you were watching today, I’m more than sure that you are proud of your son. Proud of his strength and proud of everything he became. One of the dearest people I know.

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N.B For all who wonder why I have chosen to write this blog entry in English – it might well be that the Son comes across this entry and in respect of our friendship I want to make sure that he will be able to understand, what I’ve written down.

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Wenn die Sonne aufhört zu scheinen…..

Ich kenn das. Manchmal geb ich einem Impuls nach und handle nach dem Bauchgefühl, auch wenn das mit ursprünglichen Plänen und Wegen gar nicht zusammenpasst. Ich war heut auf dem Weg nach Hause vom Gemüsebauern, als ich spontan beschloss noch in einem Ort Halt zu machen. Ohne besonderen Anlass, ohne Grund. Einfach so. Überrascht stelle ich fest, dass ein Cafe dort geöffnet hat, das normalerweise Montag zu ist. Okay, ich sollte noch einkaufen und schauen, dass der Spargel nach Haus kommt aber irgendwie ziehts mich auch in das Kaffee. Nicht weil ich so großes Verlangen nach Kafee oder Eiskaffe hätte, sondern einfach so. Gut, also nicht weiter drüber nachdenken, sondern dem Gefühl nachgeben und hingehen. Sich in den Gastgarten setzen, auch wenn’s ein bissl frisch ist.

Keine fünf Minuten vergehen, seh ich eine junge Frau auf mich zukommen. Ich kenn die Frau und freu mich unglaublich, ihr genau hier zu begegnen. Eine junge Kollegin und liebe Bekannte, die ich von etlichen Seminaren kenne und die’s nicht unbedingt leicht hat im Leben. Eine starke Frau. Nennen wir sie einfach mal Sabine. Nun gut, Sabine erblickt mich, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht und sie kommt mit einer ihrer Töchter auf mich zu. Es müsste die mittlere Tochter Miriam sein. Wir begrüßen uns herzlich.

Wir haben uns etliche Monate nicht gesehen. Das letzte Mal gemeinsam auf einem Musiker Seminar, Tage, die uns beiden damals besonders gut getan haben. Mir, weil ich grad meine Masterthesis unter Dach und Fach hatte, ihr, weil sie ein klein wenig auftanken und Kraft schöpfen konnte. Kraft, die sie mehr denn je brauchte, denn Teresa, ihre jüngste Tochter war schwer erkrankt. Eine lebensbedrohende Stoffwechselerkrankung. Das Leben bestand aus Arbeit, Krankenhaus, Familie versorgen, Angst, Ungewissheit, Hoffnung und der ständig gepackten Reisetasche im Auto, um jederzeit mit der kleinen ins Krankenhaus zu können. Sabine’s Mann hatte auch ständig eine Reisetasche in seinem Auto…

Sabine hat in diesen Tagen im Mai vor einem Jahr viele ihrer Ängste und Sorgen mit mir geteilt und ich war froh, ihr damals gelassene Zuhörerin sein zu können, ihren Schmerz annehmen und mit ihr tragen zu können.Sie war oftmals in meinen Gedanken, wenn ich in der Nähe ihres zuHauses vorbeifuhr aber es gab ja nie privaten Kontakt, also auch kein Gedanke an einen Besuch. Und außerdem ist man ja sowieso immer im Stress und denkt sich, na, beim nächsten mal bieg ich dann ab und schau spontan vorbei….

Da ist sie nun also, Sabine, mit der ich hier an diesem Ort nie im Leben gerechnet hätte. . Sie steht vor mir , ich freu mich, aber etwas an ihr irritiert mich. Ich kann es nicht zuordnen, vielleicht ist es auch nur ein Gefühl. Sie fragt, was ich hier mache… und immer noch überleg ich, was anders ist.

Zögernd frag ich: Sabine, geht es dir gut?

Nein, Teresa hat es nicht geschafft. Sie ist vor ein paar Wochen gestorben.

Was kann man tun, wenn eine Mutter einem erzählt, dass ihr Kind nicht mehr ist, außer mit ihr zu weinen und versuchen, den Schmerz, der einem da wie eine Lawine entgegenkommt, auszuhalten.

Wortlos stehen wir da, nehmen Miriam, die mittlere Tochter, die gerade mit ihrer Mutter einkaufen ist,  in die Mitte und schweigen gemeinsam.

Sabines Schmerz war es wohl , den ich vom ersten Moment unserer  heutigen Begegnung weg gespürt hab. Die Welt bleibt für einen Moment stehen und die Fassungslosigkeit macht sich breit. Ohnmacht kriecht durch jede Faser meines Körpers in mich hinein und ich möchte zum Himmel schreien und schimpfen. Was müssen Sabine und ihr Mann denn noch alles ertragen, als ob es nicht schon genug gewesen wäre, all das, was bisher war….

Unsere Wege trennen sich wieder. Ich geh gedankenversunken und  ein wenig ferngesteuert durch die Straßen. Vorbei an einem Blumenladen. Da seh ich eine kleine rosablühende Pflanze in einem kleinen Topf, mit einem Schmetterling drin. Teresa mochte rosa.

Ich geh hinein und kauf den kleinen Pflanztopf. Die Pflanze ist winterhart. Ausdauernd und kräftigt, sagt die Floristin. Ich hab keine Ahnung, wo Sabine ist, aber ich möchte ihr die Pflanze für ihren Garten schenken. Sie sagte vorhin etwas von Heft kaufen…Da gibt es mehrere Möglichkeiten aber ich geh drauf los und lass mich treiben von meinen Gedanken. Es war die richtige Richtung.

Sabine und ihre Tochter Miriam stehen nochmal vor mir. Ich streck Sabine die kleine Pflanze entgegen.Sie nimmt sie und sagt: Teresa mochte rosa.

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