Monatsarchiv: Juli 2012

Il paradiso

Manchmal weiß man gar nicht, wie einem geschieht und es fällt einem eine Gelegenheit zu, die man sich vermutlich in Träumen nicht ausgemalt hätte.

So geht es mir hier in diesem Urlaubsparadies. Ein Haus mit Garten am Lago Maggiore, das mir bzw. uns  gut leistbar zwei Wochen zur Verfügung steht. Wobei „Haus und Garten“ trifft’s bei weitem nicht…. es ist schlichtweg ein Paradies. Bevor man ins Haus reingeht, verschlägt einem schon mal der Anblick des Gartens und der Ausblick auf den See den Atem. Üppigstes Grün, Palmen, Bäume, gewaltige Hortensienbüsche, die in unglaublich verzaubernde blaue Blütenwolken gehüllt sind, Hibiskusblüten, Sommerflieder und so weiter und so fort. Und alles im Überfluss… Und dann fällt der Blick auf den See und die Berge und eigentlich weiß man Bildspätestens dann nicht mehr, was man sagen soll…..Staunen, mehr kann man angesichts dieser Fülle wohl nicht…  Da liegt er majestätisch vor uns der See, hoheitsvoll umgeben von den Bergen und er wird uns Tag für Tag auf’s Neue mit seinem Farbenspiel überraschen.

Man ist unglaublich weit weg von allem Lärm und jeglicher Hektik. Das Haus selber (ein altes Tessiner Haus, wunderbar rustikal und in seiner Ursprünglichkeit gut erhalten) liegt in einem Dorf oberhalb des Sees. Ein Dorf, in das man nur zu Fuß gelangt und dafür wird man hier oben belohnt mit kleinen engen Gässchen, wundervollen Ecken und Plätzen mit Kunstwerken und Skulpturen des hier ansässigen Künstlers Santo Alleimo und mit eng aneinander gebauten alten Häusern. „Unser“ Haus liegt am Ende des Dorfes und steht eigentlich ein wenig freier und bietet daher diesen wundervollen Anblick. Wenn ich morgens auf dem Küchenbalkon steh, ist es fast ein wenig wie schweben… so hoch über dem See und so frei von allem….

Hier oben braucht man wirklich nicht viel zum Glücklich sein. Man reduziert sich auf das Notwendigste, die Gespräche werden tiefgründiger, die Stille wird ertragbar und man merkt, wie man selber Tag für Tag ein wenig langsamer wird. Spaziergänge und Wanderungen in der Umgebung laden ein, jeden Schritt bewusst zu setzen, das eigene Gehen zu beobachten und in sich zu gehen. Die Menschen, die hier oben leben sind gelassen und freundlich. An jeder Ecke, an der man jemandem trifft, ein freundliches Buon giorno, niemand hastet hier von A nach B. Man hört kaum einmal ein Mobiltelefon läuten und man hört auch sonst kaum Lärm. Ab und an ein Rasenmäher, eine Heckenschere und der Klang der Motorboote, die über den See düsen, um sich zu beweisen und mit anderen zu messen. Die Vögle zwitschern, die Palmen rascheln im Wind. Jeden Abend punkt Neun beginnt das Käuzchen von seinem Tag zu erzählen und wenn es dunkel wird beginnt ein Meer von Sternen über einem zu leuchten, sodass man sich bei einem guten Glas Wein fragt „Träumen wir, oder ist das hier alles wirklich so“.

Zeit um der Seele zu erlauben, endlich auch zur Ruhe zu kommen. Zeit, den Alltag hinter sich zu lassen, Zeit, sich selber zu begegnen und den eigenen Bedürfnissen nachzuspüren. In den Tag hinein leben, keinen Plan haben und nur tun, wozu man Lust hat und es dann tun, gerade wenn man Lust hat. Absichtslos da sein. Bedingungslos leben.

Genießen und dankbar sein….