Pauli

Das Regenwetter hat heut einen sehr ruhigen, beschaulichen Tag mit sich gebracht. Aber irgendwann will man halt doch mal raus und so nutze ich eine Regenpause für einen Abstecher ins Ortszentrum. Im Kaffeehaus geht’s rund, zwei Autobusse voller Senioren landen hier – aus Salzburg und aus Vorarlberg (ein wenig frag ich mich ja schon, was die hierher führt, aber ich weiß schon, die Lebkuchen sinds… googelt einfach mal Kastner Lebkuchen, dann is alles klar) Nun gut, ich beschließ noch eine Runde zu bummeln. Wobei, das is hier schnell erledigt, hier gibt’s eine Apotheke, eine Buchhandlung, zwei Schuhgeschäfte, Billa, Bipa, Blumenladen, Sportgeschäft, Schmuckladen und den „Hole City Store“ (wow, und das hier….). In letzteren begeb ich mich hinein – angezogen von den schick angezogenen Schaufensterpuppen und den schönen Herbstfarben. Ein überraschend nettes Geschäft, ich schau mich ein wenig um und nehm dabei irritiert das heftige Schluchzen eines Kindes wahr. Das Schluchzen wird nicht weniger und so schau ich mich (neugierig, zugegeben…) um. Da steht mitten im Laden ein kleiner ca. 3 – 4 jähriger Bub und heult was das Zeug hält. Kein zorniges Bitzeln sondern ein ganz verzweifeltes Schluchzen. Was mich irritiert sind die relativ vielen Damen, die herumstehen und den Bub anschauen aber offensichtlich keine Mamma dabei und auch niemand, der sich irgendwie um den Buben annehmen will. Seltsam. Der kleine Knülchi steht da ganz starr mitten im Laden und heult.
So, ich halt das nicht mehr aus – geh mal hin zu dem Kleinen und knie mich zu ihm runter… Frag mal nach, was los ist…da kommt nix außer Schluchzen. Ich frag nach der Mamma, da wird das Schluchzen noch viel heftiger und meine Schulter is schon ganz durchnässt von den Tränen des kleinen Mannes. Mir dämmert, dass da eine Mamma verloren gegangen ist. Ich frag ihn, wie er heißt. Pauli.
Und ich frag, ob er die Mamma verloren hat. Er nickt. Hm. was nun tun… Ich geh mit ihm zu einer der älteren Angestellten – vielleicht kennen die ihn ja, ich bin ja nicht von hier. Schildere die Situation und bekomme ein knappes „Mei, das is aber blöd“ zur Antwort und sie dreht sich wieder um. Im ersten Moment mal bin ich sprachlos. So lass ich die jetzt aber nicht davonkommen. Ich also mit Pauli ihr hinterher. Wir müssen die Mamma finden. Sie sagt dann, naja, es gibt ja noch ein Stockwerk – vielleicht ist die da oben.Aber er (der Bub) soll erst mal seine Finger aus dem Mund nehmen sonst wird ihm schlecht auch noch und das könnten wir heut grad noch brauchen….. da erst seh ich die Treppe… also nix wie rauf und tatsächlich, das Heulen wird noch viel viel lauter aber diesmal wohl aus Erleichterung, denn da steht die vermisste Mamma und is total verblüfft, weil sie den kleinen Pauli samt seinem größeren Bruder bei den Spielsachen wähnte. Na, Hauptsache, alles is wieder gut, die Mamma is dankbar, der Pauli is froh und ich geh wieder runter und verlass das Geschäft. Im Rausgehen nehm ich noch wahr, wie ein paar Damen beisammen stehen und eine von ihnen sagt: Das hab ich mir eh gleich gedacht, dass der die Mutter verloren hat.

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Über borsetta

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