Quo vadis oder so…….

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Man hat mich vorgewarnt. Man hat mir schon gesagt, dass die Tage nachdem die Absagen für das nächste Schuljahr draußen sind, mühsam werden. Und dennoch überrollt mich gerade eine Lawine, die mich sehr nachdenklich macht und die eine Unmengen an Fragen für mich aufwirft.

Ich bin  Schulleiterin einer katholischen Privatschule in Österreich (11 – 14 jährige). Jedes Jahr kann ich drei erste Klassen aufnehmen, das ist also eine begrenzte Anzahl an SchülerInnen. Anmeldungen gibt es ungefähr dreimal so viel, wie ich aufnehmen kann. Grundsätzlich freut  es mich und das ganze Team, dass der Andrang so groß ist, aber es macht auch nachdenklich.

Als ich heute morgen um 07.15 in die Schule kam, wartete bereits die erste aufgelöste Mutter auf mich und so ging das dann fast zwei Stunden weiter. Mütter, Eltern die mich unbedingt persönlich sprechen wollen und mir unter Tränen oder Beschimpfungen erklären, dass ich das persönliche Glück ihres Kindes zerstöre, wenn ich es nicht aufnehme .  Mütter, die mir erklären, dass ich verantwortlich bin, wenn sie den Grundstock an Wertevermittlung, den sie in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder aufgebaut haben nun nicht mehr weiterhalten können, weil ihr Kind nicht an unsere Schule kommt sondern eine öffentliche Schule besuchen muss. (Ich sag immer es darf in eine Schule gehen, denn wie viele Kinder auf der Welt wären dankbar, hätten sie überhaupt die Möglichkeit Schulen zu besuchen….)

Es macht mich sprachlos, wenn Mütter mir unter echten Tränen der Verzweiflung erklären, sie wollen auf keinen Fall, dass ihr Kind in die Schule XY kommt, weil sie dort dann mit diesen und jenen Kindern gemeinsam in einer Klasse sitzen müssten. Jedes Kind ist einzigartig und wertvoll in meinen Augen, ganz egal, welche Muttersprache es spricht, welche Hautfarbe es hat oder welches Lieblingsessen es hat. Es irritiert mich, mit welcher Bestimmtheit Eltern mir erklären, warum ich ein anderes  Kind doch auf keinen Fall nehmen könnte und stattdessen ihrem Kind diesen Platz freischaufeln möge. Ich verstehe natürlich, dass Eltern immer das Beste für Ihre Kinder wollen und dass es schwierig ist, wenn eine Wunschschule nun doch nicht möglich ist. Ich verstehe aber nicht, warum ich mir im  Atemzug der Entrüstung von einigen wenigen dann auch  noch sagen lassen muss „Sie haben keine eigenen Kinder, oder?“ (und ja, es stimmt, ich habe keine eigenen Kinder und bin in den Augen mancher Mitglieder unserer Gesellschaft daher eine unverantwortliche Karrierefrau, die nur an sich selbst denkt. Und ich bin eine von vielen Frauen, die sich das in verschiedenen Varianten immer wieder sagen lassen müssen und es leid sind zu erklären, dass man sich nicht immer selber aussuchen kann ob man Kinder hat oder nicht)

Es macht mich unendlich traurig wahrzunehmen, wie sich unsere Gesellschaft in diesen Reaktionen auf Schulabweisung widerspiegelt.

Die Frage, was an unserem Schulsystem faul ist, stell ich mir im Moment gar nicht mehr, da unsere ExpertInnen ohnehin keine Antworten aus der Praxis hören wollen. Die Frage, wohin unsere Gesellschaft sich entwickelt, wenn Eltern ihren neunjährigen Kindern einreden, dass es schlecht für ihre Entwicklung sei, wenn sie mit Kindern nichtdeutscher Muttersprache gemeinsam in die Schule gehen, die beschäftig mich sehr. Und notabene sei angemerkt auch wir nehmen Kinder auf, die nicht Deutsch als Muttersprache im Anmeldebogen stehen haben. Aber das haben jene Eltern, die sich so furchtbar über meine Entscheidungen beschweren wohl noch nicht bemerkt…..

 

 

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Über borsetta

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