Monatsarchiv: April 2013

farewell

Lieber Franz,

fassungslos steh ich da und starre auf das Stück Papier in meiner Hand. Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und hab die Post hereingeholt. Ein Kuvert war dabei. Grau umrandet. Mit allem hab ich gerechnet, nur nicht damit, dass mir dein Bild entgegenblickt, wenn ich die Parte öffne. Ich hab natürlich von deiner Erkrankung gewusst und wir haben im Winter auch darüber gesprochen, aber du warst ja immer voller Zuversicht. Und doch, man hat in letzter Zeit schon gemerkt, dass der kleine Scherz , den du immer auf den Lippen hattest nicht mehr ganz  so unbeschwert gekommen ist. Wir lernten uns in den letzten 15 Jahren doch recht gut kennen und ich bedauere es zutiefst,dass veränderte Lebensumstände, mein MasterStudium, die Direktorenstelle usw. in letzter Zeit nicht mehr viel Raum für Begegnung gelassen haben.Es war die Pfarrgemeinde, die uns vor Jahren zusammengeführt hat. Ich bin dankbar, dass du einer von denen warst, die es zwar bedauert haben, aber die es vor allem auch verstanden haben,warum ich mich zurückgezogen habe aus den Leitungsaufgaben und den verschiedenen Gremien.Du warst einer meiner größte Kritiker, aber im Gespräch haben wir einander immer wieder gefunden. Du hast mir gerne zugehört und hattest im Anschluß an Ansprachen, Predigten, Vorträge immer ein ermutigendes Wort für mich, auch wenn dann oftmal ein „aber“ noch dazukam. Du mochtest den Klang meiner Stimme, das hast du mir oft gesagt. Ich bin dankbar, dass Maria und du mir immer so herzlich gezeigt habt, dass ihr euch freut, wenn wir uns begegnet sind. Es war dein Humor, der uns auch verbunden hat. Ich glaube, du hast dich oft gefreut, dass ich deinen Humor erwidern konnte und selten um eine Antwort verlegen war. Wir haben uns gerne unterhalten und hatten einander immer viel zu erzählen. Aber du warst weniger ein Mann der Worte, als ein Mann der Taten. Du hast eine große Tischlerei aufgebaut und hast immer und überall wo Not am Mann war mitangepackt. Du warst einfach immer da, hast viel für andere gemacht und dich auch oft über deine Grenze verausgabt. Ich erinnere mich an so viele Palmsonntage, an denen du den Palmbuschen für mich ausgesucht hast. Wieviele hunderte Palmbuschen mögen wohl beim Binden durch deine Hände gegangen sein. Ich erinnere mich an die Osterkerze, die ich euch vor ein paar Jahren geschenkt habe und über die Freude, die so groß war. Ich erinnere mich gerne an dich, an unsere Begegnungen,an das Blödeln genauso wie an das ernsthafte Diskutieren. Die Vorstellung, dass du nun nicht mehr bist, macht mich sehr traurig. Ich wünsch dir von ganzem Herzen, dass es da, wo immer du auch sein magst, so ist, wie du es dir immer erhofft hast. Ich wünsch dir tiefen Frieden und ein Lachen, das nie mehr endet.
Leb wohl, Franz, ich vermisse dich.
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