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Dysfunktional

Krank sein ist doof, das brauch ich glaub ich hier nicht extra zu erwähnen. Ich glaub ich bin nicht mehr oder weniger krank als manch andere/r …ja, mein Immunsystem ist mit Stressfaktoren gekoppelt und gibt schon gern mal nach und geht in die Knie, wenn ohnehin schon viel zu viel los ist. Mein Beruf bringt es wohl auch mit sich zu „Risikogruppen mit erhöhter Infektionsgefahr“ zu gehören, das macht sich definitiv auch bemerkbar, wenn man in Zeiten wie diesen von der Früh weg angeschneuzt, angeniest, angehustet und was weiß ich noch alles wird.

Und irgendwann ist es dann halt mal wieder so weit, es hat einen erwischt. Es hat mich erwischt.

Ich bin trotzdem noch auf einer Tagung, weils mir wichtig ist, weil ich es für meine Arbeit brauche und weil ich die Kontakte und Gespräche dort für eine Forschungsarbeit brauche, auch wenn ich ohnehin kaum mehr Stimme habe. Und ich genieß ja auch  die Zeit mit denen, mit den ich dort bin bzwmit denen,  die mich dorthin begleiten. Und irgendwie geht’s schon. Es muss gehen.

Irgendwann geht dann nix mehr. Sich wieder ewig herumdrücken vor dem Krankmelden, weil man die Reaktion schon kennt. Trotzdem, es nutzt ja nix. Versuchen so schnell wie möglich wieder fit zu werden, der Blick in den Terminkalender erlaubt eigentlich kein krank sein. Täglich der Anruf aus der Schule, weil der Chef was wissen will, was braucht, was loswerden will und immer die Frage, bist eh bald wieder gesund, kommst eh am Donnerstag wieder, so schlimm is es ja nicht, oder? Nein, klar, es ist nicht so schlimm. Natürlich komm ich am Donnerstag wieder, Ja sowieso versteh ich das, dass andere Kollegen auch krank sind und die anwesenden sauer sind über die anfallenden Supplierungen (ich gebe zu ich mag diese oftmals überraschenden Zusatzstunden auch nicht wirklich).

Zwischendurch zerbrech ich mir den ohenhin schon schmerzenden Kopf, wie ich den Arbeitsplan nun halbwegs einhalte, ich hab mir ja in den Kopf gesetzt, nebenberuflich ein Masterstudium zu absolvieren und bin nun dabei meine Masterthesis zu schreiben und die letzten beiden Studiensemester zu absolvieren.

Manchmal frag ich mich ja ein wenig, ob jemals einer von denen, die „berufsbegleitende Masterstudien“ aufsetzen,  selber berufsbegleitend irgendwas in der Art gemacht haben….streckenweise geht einem da nämlich ganz schön die Puste aus und da ja die Seminare „berufsbegleitend“ an Wochenenden stattfinden, werden freie Tage knapp.

Donnerstag. Ich geh wieder zur Arbeit und merk sehr bald, dass das nicht das allerschlauste war. Aber es nutzt nix, ich hab am Wochenende ja Seminar mit Anwesenheitspflicht. Irgendwie muss es gehen.

Freitag. Ich geh zwar wieder in die Schule, schlepp mich durch den Vormittag aber dann so kurz vorm Umfallen (also dort, wo man Watte in den Knien hat und Sternchen vor Augen, wenn man sich von der Tafel wieder hin zu den Schülern dreht) siegt die Vernunft und ich sag das Seminar mit schlechtem Gewissen ab. Schreib eine Entschuldigungsmail an den Prof.und leg mich mit Fieber ins Bett.

Mir is jetzt schon übel, denn ich weiß ja dass das zu den Schularbeiten der kommenden Woche, dem Elternsprechtag, der Arbeit an der Masterthesis, der noch zu formatierenden Seminararbeit vom letzten Seminarwochenende (24.000 Zeichen können ganz schön lästig sein….) jede Menge Mehrarbeit bedeuten wird. Und ja, der Prof überlegt grad, ob er mir wegen meines Fernbleibens eine Extraprüfung verpassen soll anstatt einer zusätzlichen Literaturarbeit, denn Zitat: „sooo billig darf ein Master dann ja auch nicht sein“. Mal ganz abgesehen davon, dass der Master alles andere als billig ist (nein, ich red hier nicht von der Geldsumme, die dieses Studium auch kostet sondern von der Arbeit, die wir da investieren) hey, ich bin krank.  Ich  hab mir keine faule Ausrede einfallen lassen und ich drück mich nicht vor der Arbeit, aber ich seh’s auch nicht ein, noch extra dafür bestraft zu werden, weil ich mal nicht funktioniere, so wie ich sollte.

Mein Chef (der aus der Schule) hat mir heut noch eine mail geschrieben und die endet mit dem netten Wunsch, ich möge mich doch am Wochenende ein wenig erholen, damit ich am Montag sicher wieder ganz fit bin.

Und irgendwann dann werd ich es geschafft haben, wegzukommen von dem doofen Gefühl funktionieren zu müssen und dann, ja dann, dann werd ich einfach leben anstatt zu funktionieren. Das wird kuhl.


Stimm_ung

Wann hab ich zuletzt über meine Stimme nachgedacht. Gute Frage. Meine Stimme ist für mich etwas Selbstverständliches, sie ist da, sie wird tagtäglich gebraucht und ist im Einsatz, sie ist Teil von mir, in gewisser Weise ist sie auch ein Erkennungsmerkmal an mir und sie ist letztlich auch ein guter Teil meines Kapitals.

In meinem Beruf oder besser gesagt in meinen Berufen und Berufungen ist Stimme ein wesentlicher Anteil der mich einerseits zum Tun befähigt andererseits auch das Gelingen meines Tuns beeinflusst. Menschen reagieren auf meine Stimme, sie finden sie angenehm oder auch nicht, sie hören sie gerne oder auch nicht.  Und meine Stimme ist gebildet. Wie das jetzt wieder klingt aber ja, gemeint ist, meine Stimme hat einige Semester Sprecherziehung genossen genauso wie einige Semester Gesangsausbildung. Meine Stimme hat sich verändert im Lauf der Jahre und ist mit  mir gewachsen und hat sich weiterentwickelt, genauso, wie hoffentlich auch ich selber es getan habe. Und ja, ich kann auch sagen ich mag meine Stimme, wir sind ein gutes Team.

Und trotzdem denk ich natürlich nie drüber nach, was wäre, wenn meine Stimme einmal nicht mehr funktionieren würde. Seit ein paar Tagen allerdings zwingt mich der krankheitsbedingte Verlust meiner Stimme zum Schweigen. Es ist definitv ein anderes Schweigen als wenn man halt gerade nicht s zu sagen hat oder wenn man froh ist, nichts sagen zu müssen. Es ist ein Schweigen, weil die eigene Stimme Urlaub macht, sie ist einfach weg und das was hier ist, klingt nach allem möglichen aber nicht nach meiner Stimme. Es ist ungewöhnlich, den Mund aufzumachen, ein Gespräch führen zu wollen und dabei wahrzunehmen, dass die Stimme bricht, dass sie manchmal einfach nicht anschlägt, dass sie krächzt und dass sie hohl wirkt und letztlich auf einmal überhaupt nicht mehr da ist.

Und zwischendurch hinein in das Schweigen immer wieder so ein paar kleine Selbstversuche, Selbstgespräche um abzutesten, ob die Stimme ihren Urlaub eventuell bereits wieder beendet hat. Das Krächzen ist weniger geworden, die Stimme klingt noch brüchig und sehr heiser und hat nach wie vor keinen vollen Klang. Aber sie ist dabei wieder zurückzukehren. Ich freu mich auf sie, wenn sie dann wieder ganz bei mir sein wird.

Und bis dahin schweige ich eben noch ein wenig vor mich hin.


Staunen können….

Staunen oder Verwunderung ist ein emotionaler Zustand als Reaktion auf das Erleben von etwas Unerwartetem, das nicht den bekannten Denkmustern/Schemata entspricht.

…so steht’s als Definition geschrieben und ja, es kommt auch ganz gut hin, find ich.
Staunen können ist etwas ungeheuer wertvolles für mich. Große Augen bekommen, so wie ein kleines Kind und zumindest gedanklich den Mund offen stehen haben (okay, manchmal nicht nur gedanklich)

Ich hatte gestern auch mal wieder das Glück, sogenannte Bauklötzchen staunen zu können und Anlass dieses Staunens war wieder einmal Mutter Natur.

Eigentlich wollt ich ja „nur“ mein neues Objektv ausprobieren und hätt vor lauter Staunen eh zunächst beinahe auf’s Fotografieren vergessen. Ich bin mir ein wenig vorgekommen, wie in einer Zauberlandschaft. Der Herbst hat seine allerschönsten Farben hervorgekramt, ein Meer aus Rot- und Orangetönen durchsetzt mit Grün und Gelb….ein Farbschauspiel erster Klasse und dazu noch strahlende Herbstsonne, ein Licht, das fast schon kitschig wirkt, weil es so perfekt alles beleuchtet….von den angenehm wärmenden Strahlen mal ganz zu schweigen….und dazu dann die herrliche Kulisse der Bergwelt….

Leider sind gestern noch Unmengen anderer Menschen auch auf die Idee gekommen, das Almtal (Grünau) zu durchwandern….gefühlte hunderttausend… ist ja auch deren gutes Recht, sollen ja alle was davon haben von dieser Pracht. Allerdings scheinen viele davon die Pracht absolut nicht wahrgenommen zu haben, sind in Gruppen (Familienverbände, Autobusgruppen, Stammtischrunden, Kaffeekränzchen, Nachbarschaftstreffen, etc.) durch die Gegend gerast und haben geschnattert, dass den Enten hören und sehen verging.

Kaum einer, der Inne hält, der stehen bleibt und seine Aufmerksamkeit dem ihn umgebenden Naturschauspiel widmet. Kaum eine, die sich eine Pause gönnt und sich auf die Bank am Seeufer setzt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt. (Freie Bänke bei dem Menschenaufkommen sind eigentlich schon wieder ein eigener Anlass zum Staunen….)

Da lob ich mir doch den Fischotter, der lachend aus dem Wasser guckt und sich dann davon trollt, weil er einfach einen Heidenspaß an dem herrlichen Herbstwetter habt und keinen Pfifferling drauf gibt, ob die Menschen ihn dabei beobachten oder nicht. Der hatte einfach seinen Spaß und seine Freude an der Sonne, an den Farben und am Wasser.

Ein klein wenig waren wir uns ähnlich an dem Tag, der Otter und ich. 😉


Focus on Infinity

…..ein Begriff aus der Fotografie….wenn man den Fokus der Kamera auf Unendlich stellt verändert sich das ganze Bild…das Nahliegende verschwimmt, entfernte Ziele gewinnen an Klarheit und Schärfe.  Perspektivenwechsel.

Ich  hab sowas heut auch ein wenig erleben können, nach mühsamen Tagen und  emotionalen Achterbahnen einfach einen Abend lang in Musik versinken und Farben hören…..

Eigentlich das Beste was Österreich so an weiblichem Jazz zu bieten hat….Sabina Hank und Band mit ihrem Album „Focus on Infinity“

(Bild via MeanderRecords http://www.meander-records.com)

Focus on Infinity….das Naheliegende verschwimmen lassen, den Alltag vergessen und versinken in Musik…sich dem Wohlklang einer Stimme hingeben und sich in ihren Worten immer wieder finden, sich immer wieder neu finden, sich immer wieder neu erfinden…. aufatmen, durchatmen und sich freiatmen…sich selber spüren und wahrnehmen, wer man eigentlich ist und was es ist, das einem immer wieder das Lächeln ins Gesicht zurückzaubert…..im samtroten Licht eins mit der Musik werden…den Rhythmus aufnehmen und in ein Blau übergehen, Lächeln und im Grün tanzen und sich weitertragen lassen vom intensiven Rosa, das den Raum neu einfärbt…. die anderen herum vergessen……..nur noch verbunden mit der Musik, eingehüllt in warme Töne, sich wiegen im Rhythmus  der Musik ……spüren,wahrnehmen,fühlen und sich selbst vergessen…..lächeln, den Kopf frei bekommen, Kontakt aufnehmen und eins werden mit den Musikern….ihre Absicht erahnen und den nächsten Takt erfühlen, die Töne tief in mir drinnen wahrnehmen und ihnen Raum geben…..wissen, dass es Musik ist, die da in einem selbst sich bewegt und sich einen Weg bahnt…es geschehen lassen…Musik sein….und mit allen Sinnen da sein….. verrückt?? nein….definitv nicht.Nur  eben das Naheliegende verschwimmen lassen und die entfernten Ziele scharf stellen und genau deswegen lachen und sich des Lebens freuen…..

Danke, Sabina Hank , für einen wundervollen Abend in einem kleinen feinen Club……dem Soundtheatre…..


long distance

in Gedanken spazier ich grad an einem der herrlichsten Sandstrände, die England so zu bieten hat entlang….warum grad dort, das ist leicht erklärt….weil es die Heimat eines mir sehr sehr lieben Freundes ist. so schaut’s dort übrigens aus: Saunton Sands in North Devon…..unglaublich schön

Heute wohnt er nicht mehr dort, heut lebt er in London. Bevor er aber nach London ging, lebte er in Österreich und zwar mehr oder weniger hier bei mir um’s Eck. Seine Frau ist Österreicherin, die Kinder sind hier geboren und er arbeitete an der Uni. Uns verbindet eine lange schöne Freundschaft. Gerne erinnere ich mich an ewig lange Abende im Haus der beiden, wo wir über Gott und die Welt getratscht haben. Aber auch an das, was wir alles miteinander geteilt und miteinander getragen haben, wo wir füreinander da waren und uns unterstützt haben so gut es ging. Curryabende waren immer etwas ganz besonderes….englisch/indische Curry Gerichte, stundenlang dahin essen, sich gut unterhalten, Spaß haben, Freude empfinden, Freundschaft spüren.Oder einfach schnell mal zwischendurch auf einen Tee (ja, ein Englischer Haushalt eben, da trink selbst ich Tee…und den sogar mit Milch 😉  ) und einen Tratsch vorbeischauen…..viele Erinnerungen, gemeinsame Urlaube in England, unter anderem eben auch in Saunton Sands…nachspüren und erinnern, wie wichtig es meinem Freund damals war, mir sein zu Hause, seinen Strand zeigen zu können.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem er merkte, Veränderung steht an und so kam es, dass die beiden mit ihren Kindern vor mittlerweile nun schon wieder 8 Jahren nach England gingen. Zuerst Cambridge, weil er dort noch ein Studium absolvierte, dann in der Umgebung von Liverpool und nun in London.

Einmal im Jahr kommen sie zurück nach Österreich, um ein oder zwei Wochen Urlaub zu machen. Diese Wochen sind dann Stress pur, weil die Familie seiner Frau Zeitansprüche stellt und natürlich auch viele Bekannte und Freunde hier in der Umgebung sie sehen wollen. Meist bleibt uns dann nur wenig Zeit füreinander…. So eben auch dieses Jahr…ich hab sie nun eineinhalb Jahre schon nicht mehr gesehen (was sehr ungewöhnlich ist aber unsere Lebensumstände ließen dazwischen diesmal keine Besuche zu) und heute war’s nun endlich so weit…..

Ich hab mich tagelang nun schon darauf gefreut und gleichzeitig aber auch schon so ein feines Magengrummeln dabei gehabt.

Es mag vielleicht seltsam klingen aber ich hab ernsthaft überlegt, ob’s nicht besser sei, sie gar nicht zu sehen. Im Alltag haben wir uns ja arrangiert, wir kommen klar mit der Distanz, wir denken aneinander, hören voneinander, lesen voneinander. Aber wenn wir uns dann wiedersehen, wird uns in all der Freude auch immer wieder bewusst, wie sehr wir einander letztlich vermissen.

Ich vermiss den trocken nüchternen Rat meines Freundes in so vielen Lebenslagen, ich vermiss seinen noch viel trockeneren britischen Humor und ich vermiss seine Kochkünste. Ich vermiss sein wohliges Grunzen, wenn er etwas besonders Gutes isst, ich vermiss seine typischen „Sager“. Ich vermiss die Warmherzigkeit seiner Frau, ihre selbstverständliche Gastfreundschaft, ihren Rat, ihre Sicht der Dinge, unser gemeinsames Kicher wie Teenagegirls. Ich vermiss das Lachen und die Launen der Kinder….es gibt so vieles was man vermissen kann……

Und ich bin schlecht im Abschied nehmen. Sehr schlecht.

Ja,  deshalb ist das so ein zwiespältiges Gefühl…..man freut sich so sehr, Menschen, die man vermisst und die man von Herzen gerne hat, endlich mal wieder gesehen zu haben. Allerdings war diesmal nur eine knappe Stunde dafür Zeit, weil Unvorhergesehenes dazwischen kam. Eine Stunde ist verdammt wenig Zeit im Vergleich zu eineinhalb Jahren ;-))

Andererseits reicht eine Stunde aber auch aus, um zu spüren, dass dieses Band zwischen uns immer noch da ist, dass unsere Freundschaft weiterwächst, egal, wieviele Kilometer uns voneinander trennen.

So gibt es dann eben diese Abschiedsmomente im Leben, an denen die Tränen kullern und man dennoch lächelt und sich freut…Leben pur eben.

An solchen Tagen werd ich immer wieder auch sehr dankbar für alle Menschen, die mir nah sind im Leben, egal ob viele Kilometer oder Distanzen zwischen uns liegen oder sie um’s etwas erweiterte Eck wohnen….

Es ist schön zu wissen, dass es euch alle gibt…..und es ist gut, euch ab und an auch so richtig schwer zu vermissen….das gehört eben auch dazu…. 😉


summer_time

verbeneZeit ist etwas unendlich kostbares. Das wissen wir wohl alle, jeder kämpft mit seinen Terminen, mit den 24 Stunden, die so ein Tag eben „nur“ mal hat, mit den 7 Tagen einer Woche und manchmal hat man das Gefühl, sich ständig nur hinter her zu laufen. Leben im Hamsterrad eben….

Aber dann gibt es da diese so ganz anderen Zeiten im Leben. Da hat man plötzlich Zeit…..unendlich viel gefühlte Zeit, auch wenn’s vielleicht in Wahrheit nur ein paar Tage sind. Momente, die einen aufatmen lassen, die einem an Körper, Geist und Seele gut tun.

Keine Eile mehr haben, unendlich trödeln einfach, weil man es kann, stundenlang lesen, dem Regen zuhören, die Sonne und den Wind genießen, Stille aushalten, sich am Vogelgezwitscher freuen, die Natur wahrnehmen und langsamer werden. Durchatmen und Aufatmen. Die Gegenwart genießen, Mensch sein und mit sein, einander wahrnehmen und annehmen, sich selber und der eigenen Mitte wieder sehr nahe kommen.

Sich einpendeln oder vielleicht eher auspendeln…. gelassen werden…..und lachen können…Freiheit spüren….

Zeit als Geschenk, Zeit als Herausforderung und alles in allem Momente, in denen man am liebsten genau jene  Zeit anhalten möchte…..

Summer_time eben…..


Auf den ersten Blick…..

Eignetlich ist das hier kein so wirklich gelungenes Foto und dennoch steht es für mich gerade für etwas, das ich hier in Worten versuchen will zu beschreiben. Der Ort ist in Jerusalem, genauer gesagt am Gelände von Yad Vashem und es handelt sich dabei um die Allee der Gerechten. Im heißen Sommer ein willkommener Zufluchtsort – die Picknickbänke im Schatten. Dieser Ort ist für mich ein besonderer geworden, erinnert er mich doch immer wieder an eine Freundschaft, die eng damit verknüpft ist. Und darüber hinaus  erinnert  er mich auch an eine besondere Begegnung mit einem  Menschen, zu dem ich auch weiterhin eine gute Beziehung pflegen darf, auch wenn Israel nicht unbedingt um’s Eck liegt.

Freundschaft, ein unglaublich großes Wort. Manchmal viel zu selbstverständlich genommen. Freundschaft – ein Geschenk. Ich hatte gestern einmal wieder das große Glück, wahrnehmen zu dürfen, wie sehr mich so eine Freundschaft dann auch immer wieder berührt und beschenkt. Wie dankbar ich bin für das Angenommen sein, für das Verstehen und für das Dasein. Für die Herzlichkeit und das Lachen, genauso wie den Platz für Tränen und Schweres.

Einander begegnet sein und beim ersten Blick in die Augen des anderen gewusst haben, es passt. Ungewöhnlich ja, aber in dem Fall war es wohl wirklich so. Und von dem Moment an als quasi Team unterwegs zu sein. Eine intensive Reise miteinander bewältigen, Eindrücke miteinander teilen, einander helfen,diese zu verarbeiten, gemeinsame Abenteuer erleben, durch die Nacht streifen, lachen, lachen und immer wieder lachen….sich mehr und mehr vertraut werden.

Von diesen Erinnerungen lange zehren und immer wieder darauf zurückkommen. Aber auch im weiteren Begegnen neue Erinnerungen schaffen. Spüren, dass die Reise nicht zu Ende ist. Weiter miteinander unterwegs sein. Dankbar und berührt nach den Begegnungen auseinander gehen und sich auf das nächste Mal freuen. Sein dürfen. Danke dafür. Aus ganzem Herzen.

Und eigentlich muss hier nun ein zweites Bild kommen:

denn ja, auch in Berlin kann einem so etwas passieren. Auf einen Menschen treffen, bei dem man vom ersten Moment an merkt, das passt.

Zwei wundervolle Frauen, scheinbar zufällig in mein Leben gestolpert. Eine unheimliche Bereicherung. Facettenreichtum. Begegnungen mit Tiefgang.  Leben teilen, wann immer und wo immer es uns möglich ist.

Wie schön, dass es euch gibt.


100.000 Rosen …

…haben mich die letzten Tage sehr beschäftigt.

Ein Projekt mit Tiefgang. Das Fremde kennenlernen – die Nachbarn, die wir mitunter gar nicht gut kennen, Menschen mit Migrationshintergrund die in unserer Umgebung wohnen, die wir oft viel zu wenig kennen und  sie gerade deshalb mit Vorurteilen belegen und dadurch oftmals ausgrenzen.

100.000 Rosen, zuerst zu einem Bild zusammengefügt um dann verschenkt zu werden mit dem Gedanken, dass Menschen sie nach Hause tragen und wieder weiterverschenken an den/ die unbekannte Nachbarin.

Das Rosenverteilen brachte viele Eindrücke und viele Begegnungen mit menschen, die unterschiedlicher nicht sein hätten können.

Ungläubiges Staunen darüber, dass die Blumen verschenkt werden, Geschichten teilen an wen die Rosen weiterverschenkt werden sollen. Viel Berührendes dabei zu hören bekommen. Aber auch Menschen, die sich anstellen,w eil sie denken, billig an einen Strauß Rosen zu kommen, Ungeduld,weil man warten muss, Unverständnis, weil man nicht sofort „bedient“ wird….nicht sehen können, dass da soviel anderes dahinter steht….

aber das was überwog waren die schönen Momente, die Gespräche und die Begegnungen am Absperrungsgitter, über das wir die Rosen an die Menschen weitergreicht haben.

Und es hat Begegnungen gegeben, die sich einprägen werden und die ein Lächeln zaubern,w ann immer man sich an die erinnert:

Am Absperrgitter steht ein Mann, seine kleine Tochter am Arm, den leeren Kinderwagen neben sich. Ein stattlicher Herr und eine ebenso bezaubernde kleine Prinzessin…dunkle Löckchen, Pausbäckchen, Lackschühchen…. Er steht ein wenig abseits und blickt verunsichert, als ich ihn frage, ob er auch gerne eine Rose möchte. Er ringt nach Worten, da erst merk ich, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist. Er versucht’s mit Englisch, entschuldigt sich x mal für sein gebrochenes Englisch aber ichversteh schnell,dass er gerne eine Rose ohne Dornen hätte, damit die Kleine sich nicht daran stechen würde. Ich suche eine entsprechende Rose, entferne noch ein paar Blätter und reich sie der jungen Dame. Da spricht der Vater sie auf Italienisch an, und meint, sie solle doch einmal daran schnuppern, ob die denn auch dufte, die Kleine steckt ihre Nase hinein und lacht….Der Vater fragt darauf hin seine kleine Tochter, ob sie mir für diese Blume nicht ein Küsschen geben möchte.

Und was macht dieses zauberhafte Wesen? Sieht mich an, beugt sich von Papas Arm aus über das Geländer und drückt mir einen sehr feuchten zarten Schmatz auf die Wange.Da musste ich ehrlich schlucken vor Rührung.

Der Vater ringt wieder um Worte, möchte gerne wissen, worum es bei dem Projekt geht, ist interessiert und strahlt soviel Größe und gleichzeitig Bescheidenheit aus. Am Ende unserer Begegnung geben wir ihm noch ein paar Rosen für die Mutter der Kleinen mit….natürlich auch wieder ohne Dornen, denn die süße Maus hält diese Rosen stolz wie eine kleine Prinzessin eben in ihrem Kinderwagen auf ihrem Schoß.

Die beiden gehen weg, drehen sich nochmal zu uns her und lächeln und winken.

Man kann mit Worten oft nicht beschreiben, was in solchen Momenten  in einer Begegnung passiert.

Man vergisst, wie müde man eigentlich schon ist, wie sehr einen Hände, Rücken und vielleicht auch Beine  vom Arbeiten und Rosen schneiden schmerzen,  man vergisst den Ärger über so manch andere Begebenheit am Absperrgitter und man merkt, wie tief einen zwei wildfremde Menschen im Moment des Augenblicks berühren können, wenn man es geschehen lässt…..

Grazie di cuore, principessa…..


la primavera…..spring….le printemps….der Frühling…..

Ich gäb was drum, jetzt ein wenig durch englische Wälder streifen zu können….dort bietet sich im Frühjahr immer ein unglaublich schönes Farbenspiel nämlich dann, wenn die Bluebells erblühen…..das schaut dort dann ungefähr so aus:

Ich freu mich ja immer wie ein kleines Kind auf den Frühling – für mich eine der schönsten Jahreszeiten überhaupt.

Die Natur zeigt in ihrer ganzen Schönheit, was in ihr steckt…das unter der Erde pulsierende Leben entlädt sich in Farbfeuerwerken und Blütenteppichen. Das Leben wird wieder bunter und die Dunkelheit, die Kälte und vielleicht auch die Hoffnungslosigkeit des Winters sind durchbrochen.

An jedem Ast findet man sie nun, diese wunderschönen Blattknospen, die immer größer werden und schlussendlich sich entfalten und ihr frisches junges Grün zeigen. Man könnte fast meinen, die Natur erfreut sich an sich selber …die Vogelstimmenkonzerte sind eine schöne Begleitmusik dazu.

Mit offenen Augen durch die Welt gehen, sich hinunterbeugen und am ersten Gänseblümchen erfreuen, gelbe Huflattichblütenteppiche wahrnehmen, Krokuswiesen durchschreiten, Schneerosen betrachten, durch die Wälder mit ihrem Leberblümchen- und Lungenkrautblütenfloor streifen……Farben in sich aufsaugen, die Luft einatmen, durchatmen, das Alte ablegen und selber wieder neu werden. Kraft tanken, Energie aufladen…….in der Sonne stehen.

Mein Gott, so schön kann Leben sein……


and the Oscar goes to…..

Ich könnte doch auch mal einen Oscar verleihen. Oder vielleicht mehrere….

Manchmal würd ich gerne Oscars für schauspielerische Talente verleihen,wenn ich mir so anschau, welches Theater wir uns ab und an so vorspielen….Rollen, die wir glauben einnehmen oder einhalten  zu müssen, …Emotionen, die wir krampfhaft zu verbergen oder eben überspielen versuchen,….falsche Tatsachen, die wir einander mehr oder weniger glaubhaft vorgaukeln….und das alles in der Überzeugung, ha, der/ die andere merkt’s ja eh nicht ….na, da ist doch allerhand Oscarpotential drinn, oder?

Da merk ich doch, wie dankbar ich bin, wenn ich in Beziehungen und Begegenungen Offenheit und Aufrichtigkeit wahrnehme. Wenn ich erlebe, dass Menschen ehrlich miteinander umgehen und sich umeinander fair bemühen, auch dort, wo’s vielleicht manchmal schwierig sein mag.

Da gelingt es dann auch, einander immer wieder neu wahrzunehmen, einander sein zu lassen und zu lernen, dass Anders sein einfach auch Chancen birgt und wir davon voneinander letztlich profitieren können.

Ein Gedanke, ein Danke all jenen, die mir immer wieder in dieser Offenheit begegnen……

oscar