Archiv der Kategorie: Gedanken

farewell

Lieber Franz,

fassungslos steh ich da und starre auf das Stück Papier in meiner Hand. Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und hab die Post hereingeholt. Ein Kuvert war dabei. Grau umrandet. Mit allem hab ich gerechnet, nur nicht damit, dass mir dein Bild entgegenblickt, wenn ich die Parte öffne. Ich hab natürlich von deiner Erkrankung gewusst und wir haben im Winter auch darüber gesprochen, aber du warst ja immer voller Zuversicht. Und doch, man hat in letzter Zeit schon gemerkt, dass der kleine Scherz , den du immer auf den Lippen hattest nicht mehr ganz  so unbeschwert gekommen ist. Wir lernten uns in den letzten 15 Jahren doch recht gut kennen und ich bedauere es zutiefst,dass veränderte Lebensumstände, mein MasterStudium, die Direktorenstelle usw. in letzter Zeit nicht mehr viel Raum für Begegnung gelassen haben.Es war die Pfarrgemeinde, die uns vor Jahren zusammengeführt hat. Ich bin dankbar, dass du einer von denen warst, die es zwar bedauert haben, aber die es vor allem auch verstanden haben,warum ich mich zurückgezogen habe aus den Leitungsaufgaben und den verschiedenen Gremien.Du warst einer meiner größte Kritiker, aber im Gespräch haben wir einander immer wieder gefunden. Du hast mir gerne zugehört und hattest im Anschluß an Ansprachen, Predigten, Vorträge immer ein ermutigendes Wort für mich, auch wenn dann oftmal ein „aber“ noch dazukam. Du mochtest den Klang meiner Stimme, das hast du mir oft gesagt. Ich bin dankbar, dass Maria und du mir immer so herzlich gezeigt habt, dass ihr euch freut, wenn wir uns begegnet sind. Es war dein Humor, der uns auch verbunden hat. Ich glaube, du hast dich oft gefreut, dass ich deinen Humor erwidern konnte und selten um eine Antwort verlegen war. Wir haben uns gerne unterhalten und hatten einander immer viel zu erzählen. Aber du warst weniger ein Mann der Worte, als ein Mann der Taten. Du hast eine große Tischlerei aufgebaut und hast immer und überall wo Not am Mann war mitangepackt. Du warst einfach immer da, hast viel für andere gemacht und dich auch oft über deine Grenze verausgabt. Ich erinnere mich an so viele Palmsonntage, an denen du den Palmbuschen für mich ausgesucht hast. Wieviele hunderte Palmbuschen mögen wohl beim Binden durch deine Hände gegangen sein. Ich erinnere mich an die Osterkerze, die ich euch vor ein paar Jahren geschenkt habe und über die Freude, die so groß war. Ich erinnere mich gerne an dich, an unsere Begegnungen,an das Blödeln genauso wie an das ernsthafte Diskutieren. Die Vorstellung, dass du nun nicht mehr bist, macht mich sehr traurig. Ich wünsch dir von ganzem Herzen, dass es da, wo immer du auch sein magst, so ist, wie du es dir immer erhofft hast. Ich wünsch dir tiefen Frieden und ein Lachen, das nie mehr endet.
Leb wohl, Franz, ich vermisse dich.
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Angst

Eigentlich wollt ich nur noch kurz im Bio Supermarkt einkaufen gehen. Also am Heimweg noch schnell Zwischenstopp, erfreulicherweise sofort Parkplatz, Auto in der Seitengasse zum Geschäft abstellen, das Parkticket gilt noch, Handtasche schnappen, aussteigen, Auto versperren, die Straße überqueren und Richtung Geschäft eilen. An einem Gebäude vorbei, in dem am Eck ein kleines Lokal ist. Eine Gruppe Männer steht in der Tür, einer der Männer wird herausgedrängt und angepöbelt,  der  Mann fällt  hin,  ich erschrecke und erstarre gleichzeitig. Ich sollte schnell weitergehen. Die anderen Männer kommen heraus, der Mann steht wieder auf, ein zweiter geht  total provokant auf ihn zu, er ist ihm um Häuser überlegen, der schwächere Mann zuckt zusammen…eigentlich müsste ich etwas sagen, etwas tun, denn der Typ geht auf den Gestrauchelten zu und verpasst ihm eine schallende Ohrfeige, einfach so, wortlos…seine Brille fliegt in hohem Bogen davon, ihm bleibt offensichtlich die Luft weg , er geht nochmal in die Knie und auch er hat offensichtlich Angst. Ich kann nichts sagen, nicht „Stopp“ schreien oder „hört auf“ weil ich selber Angst habe und eigentlich möcht ich nur ganz schnell weiterlaufen. Ich zwinge mich stehen zu bleiben und hinzuschauen. Vor allem auf die umstehenden Männer, die wortlos zuschauen. Endlich nimmt mich einer von denen wahr, schaut mich an, ich schau nicht weg. Er spricht mit einem anderen Mann, die beiden gehen zu dem Schlägertypen hin und halten ihn zurück. Ich gehe weiter mit butterweichen Knien. Ich kaufe ein und gäbe etwas darum, nicht wieder an dem Ecklokal vorbeizumüssen aber selbst wenn ich das Gebäude anders umrunde, komm ich dort wieder vorbei, denn mein Auto parkt ja gegenüber. Ich gehe also zum Auto und stelle überrascht fest, dass in und vor dem Lokal weit und breit kein Mensch mehr zu sehen ist. Offensichtlich haben sich alle eines besseren besonnen und sind gegangen. Ich hoffe es. Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, vor allem, weil ich wahrgenommen habe, dass ich mich nicht getraut habe, etwas zu sagen, obwohl jemand unmittelbar vor meinen Augen zusammengeschlagen wurde. Ich weiß nicht, was der Szene vorangegangen ist, aber das was ich gesehen habe, war ein wesentlich Schwächerer gegen einen wesentlich Stärkeren, das war einer, über den man sich lustig machte, den man anpöbelte und der dann zum Opfer wurde, der zu Boden geht, sich wieder aufrappelt und auf den der Stärkere wieder zugeht, um  mit offensichtlicher Lust in den Augen wieder auf ihn einzuschlagen. Der Mann hat nicht aufgebracht oder wütend gewirkt sondern man hat ihm angesehen, dass er die Angst  und Unterlegenheit des anderen sichtlich genossen hatte und ihm zeigen wollte, wer der Stärkere ist. Die Lust in den Augen des einen während er zuschlägt. Das hat mich zutiefst erschüttert. Die Angst, die ich empfunden habe und die mich beinahe weitergehen lies, hat mich ebenfalls erschüttert. Vorbeigehen und so tun, als hätte niemand etwas gesehen. Immerhin hab ich es geschafft, stehen zu bleiben und hinzusehen und die anderen wurden dadurch aufmerksam, und haben wahrgenommen, dass sie nicht unbeobachtet sind.  Ach ja, es waren natürlich Ausländer dabei, eh klar. Zumindest einer davon war einer. Nämlich der, der zu Boden ging. Der mit der Lust in den Augen war Österreicher, denn so akzentfreien oberösterreichischen Dialekt dürfte jemand mit Migrationshintergrund wohl nicht hinbekommen.

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Quo vadis oder so…….

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Man hat mich vorgewarnt. Man hat mir schon gesagt, dass die Tage nachdem die Absagen für das nächste Schuljahr draußen sind, mühsam werden. Und dennoch überrollt mich gerade eine Lawine, die mich sehr nachdenklich macht und die eine Unmengen an Fragen für mich aufwirft.

Ich bin  Schulleiterin einer katholischen Privatschule in Österreich (11 – 14 jährige). Jedes Jahr kann ich drei erste Klassen aufnehmen, das ist also eine begrenzte Anzahl an SchülerInnen. Anmeldungen gibt es ungefähr dreimal so viel, wie ich aufnehmen kann. Grundsätzlich freut  es mich und das ganze Team, dass der Andrang so groß ist, aber es macht auch nachdenklich.

Als ich heute morgen um 07.15 in die Schule kam, wartete bereits die erste aufgelöste Mutter auf mich und so ging das dann fast zwei Stunden weiter. Mütter, Eltern die mich unbedingt persönlich sprechen wollen und mir unter Tränen oder Beschimpfungen erklären, dass ich das persönliche Glück ihres Kindes zerstöre, wenn ich es nicht aufnehme .  Mütter, die mir erklären, dass ich verantwortlich bin, wenn sie den Grundstock an Wertevermittlung, den sie in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder aufgebaut haben nun nicht mehr weiterhalten können, weil ihr Kind nicht an unsere Schule kommt sondern eine öffentliche Schule besuchen muss. (Ich sag immer es darf in eine Schule gehen, denn wie viele Kinder auf der Welt wären dankbar, hätten sie überhaupt die Möglichkeit Schulen zu besuchen….)

Es macht mich sprachlos, wenn Mütter mir unter echten Tränen der Verzweiflung erklären, sie wollen auf keinen Fall, dass ihr Kind in die Schule XY kommt, weil sie dort dann mit diesen und jenen Kindern gemeinsam in einer Klasse sitzen müssten. Jedes Kind ist einzigartig und wertvoll in meinen Augen, ganz egal, welche Muttersprache es spricht, welche Hautfarbe es hat oder welches Lieblingsessen es hat. Es irritiert mich, mit welcher Bestimmtheit Eltern mir erklären, warum ich ein anderes  Kind doch auf keinen Fall nehmen könnte und stattdessen ihrem Kind diesen Platz freischaufeln möge. Ich verstehe natürlich, dass Eltern immer das Beste für Ihre Kinder wollen und dass es schwierig ist, wenn eine Wunschschule nun doch nicht möglich ist. Ich verstehe aber nicht, warum ich mir im  Atemzug der Entrüstung von einigen wenigen dann auch  noch sagen lassen muss „Sie haben keine eigenen Kinder, oder?“ (und ja, es stimmt, ich habe keine eigenen Kinder und bin in den Augen mancher Mitglieder unserer Gesellschaft daher eine unverantwortliche Karrierefrau, die nur an sich selbst denkt. Und ich bin eine von vielen Frauen, die sich das in verschiedenen Varianten immer wieder sagen lassen müssen und es leid sind zu erklären, dass man sich nicht immer selber aussuchen kann ob man Kinder hat oder nicht)

Es macht mich unendlich traurig wahrzunehmen, wie sich unsere Gesellschaft in diesen Reaktionen auf Schulabweisung widerspiegelt.

Die Frage, was an unserem Schulsystem faul ist, stell ich mir im Moment gar nicht mehr, da unsere ExpertInnen ohnehin keine Antworten aus der Praxis hören wollen. Die Frage, wohin unsere Gesellschaft sich entwickelt, wenn Eltern ihren neunjährigen Kindern einreden, dass es schlecht für ihre Entwicklung sei, wenn sie mit Kindern nichtdeutscher Muttersprache gemeinsam in die Schule gehen, die beschäftig mich sehr. Und notabene sei angemerkt auch wir nehmen Kinder auf, die nicht Deutsch als Muttersprache im Anmeldebogen stehen haben. Aber das haben jene Eltern, die sich so furchtbar über meine Entscheidungen beschweren wohl noch nicht bemerkt…..

 

 


Teardrops

Der Linzer Mariendom ist ein Gebäude, das mich schon immer fasziniert. Eienrseits diese unglaubliche Größe andererseits die Atmosphäre, die drinnen herrscht. Dieses bergende Halbdunkel, die wunderbaren Glasfenster und die Raumdimension. Ich kenn den Dom ganz gut, von der Krypta bis hinauf zu den Glocken im Turm, vom „Dachboden“ bis hin zum Weg, außen am Dach entlang, vom Ruhepol (ein ganz besonderer Raum) bis zur Orgel. Ich entdeck immer wieder neue Winkel und kehr gern zu den mir schon bekannten zurück, einfach, weil ich ihn mag, den Dom und seine Seele.
Gestern kam noch etwas hinzu – eine Klanginstallation im Rahmen der Ars Electronica 2012.

Ich betret den Dom am Nachmittag, weil ich eine kurze Pause brauch nach all der Hektik in der Stadt…der Dom ist mir da immer willkommene Oase…ich geh hinein und werd sofort eingehüllt in Klänge. Es dauert ein wenig, bis ich realisiere, wo die herkommen, bzw. was hier los ist. Ein unglaublicher Klangraum… Töne, Klänge und kleine Melodien, die Herz und Seele berühren. Fasziniert von den Dimensionen, die sich eröffnen, durchschreite ich bewusst den Dom… dreh meine Runde und bin völlig perplex, dass dieser Klang mich permanent umgibt und wie warmer Regen auf mich herabfällt und mich einhüllt. Irgendwie ändert er die Richtung nie, obwohl ich meine Positionen verändere, es fallen immer warme, weiche, sanfte Töne auf mich herab und hüllen mich ein… Ich werde ruhig und setze mich in eine Bank…. könnte stundenlang so bleiben und in diesem Raumklang versinken. Vorne vor dem Hauptaltar steht ein Klavier, ein COmputer und viele Kabel…von da aus kommt also die Musik..
Ich bin berührt, als ich den Titel der Klanginstallation erfrage: „Teardrops“ von Rupert Huber.
Der Komponist beschreibt seine Intention zu dem Projekt :
Darauf sei er gekommen, weil viele Menschen bewegt von Freude oder Trauer eine Kirche aufsuchen, diese Gefühle dürfe man aber in unserer Gesellschaft nicht so offen zeigen. Oft ist es ein einziger Ton und dessen Nachhall, manchmal ist eine kleine Melodie zu erkennen, ganz selten wird es ein wenig lauter. Nicht gänzlich vertraut, aber auch nicht völlig fremd sind die Laute. Es sind bittersüße Tränen, auch Melancholie liegt in der Luft, Schwermut und Trost, immer eingebettet in die Harmonie von Klang und Raum.

und wahrlich, genau das empfindet man beim Hören und ich bin beeindruckt, wie sehr es ihm gelungen ist, Emotionen in so unglaubliche Klänge zu verwandeln.

Höhepunkt soll das Konzert um 23 Uhr sein….. Da ich von dem Projekt so beeindruckt bin, entschließe ich mich, in der Nacht nochmal nach Linz zu fahren. Um 22.30 betrete ich den Dom, der von Außen ganz dunkel wirkt. Innen drinnen warmes Licht, Halbdunkel und quasi ein freudiges Lächeln des Doms. Aber leider auch: unglaublich viele Menschen….
Menschen, die hereinstürmen in Gruppen, zu zweit, allein…auf der Suche nach dem großen Event, denn immerhin war ja grad auch die Klangwolke, mit Riesenfeuerwerken und allem drum und dran…

Die Bankreihen füllen sich, man hat das Gefühl, dass viele sich denken, naja, vielleicht wird das Konzert ja noch lauter….. Mich irritiert das Gemurmel, die vielen Menschen, die mit ihren Weingläsern direkt aus der Altstadt (von Wein und Kunst) in den Dom kommen und auf der Suche nach dem Event sind…. Rupert Huber setzt sich mit ein wenig Verspätung ans Klavier und beginnt nun live zu spielen, Klaviertöne, die in Echtzeit verfremdet werden und über Noise Gates den Raum erfüllen. Feine Klänge, leise Klänge… es dauert, bis es endlich ruhiger wird… ich atme auf, weil ich mir denke, endlich….sie haben’s geschnallt, die sanften Klänge sind’s, um die es geht… meine Freude währt nicht lange… nach gut 20 Minuten wird’s wieder unruhiger, die ersten stehen auf und gehen… der erwartete Megaevent findet wohl nicht statt….

Aber da sind auch Menschen, die sich ihren Platz in den Gängen gesucht haben, sich einfach auf den Boden legen und sich von der Musik einhüllen lasse. Ich entscheid mich endlich auch meinen Platz in der Bank zu verlassen… ich geh durch den Dom. Langsam, bewusst.Schritt für Schritt. Bin froh zu wissen, dass es hinter dem Kreuz (des Hauptaltares) nicht zu Ende ist, sondern dass es dort weiter geht, dass dort Raum ist. Und tatsächlich, dort sind nur 2, 3 Menschen…. die Tausenden, die in den Bänken sitzen, kann man von hier aus nicht sehen und ihr Gemurmel nicht hören.
Ich setze mich auf eine Stufe und lehn mich an eine Säule. Der Dom umarmt mich sanft und die Musik trägt mich fort… Weite Gedankenreisen in wunderbar geschenkter Geborgenheit. Ich atme die Klänge ein und nehm sie in mich auf… ich werde Eins mit dem Klang und dem Dom…. Ruhe. Unendliche Ruhe durchströmt mich.

Applaus holt mich zurück… das Konzert ist beendet, die Klaviertöne verstummen und die dunklen, leisen Klänge der Orgel verebben ebenso… die Menschen verlassen den Dom,stürmen hinaus, ich bin froh, noch hier im geschützten Winkel zu sein. Ich nehm wahr, dass auch die paar anderen Menschen, die hier ihren Platz gefunden haben, noch verharren. Wortlose Übereinstimmung, man kann nicht einfach hinausstürmen sondern man nimmt dankbar wahr und geht Schritt für Schritt, gut geerdet und verbunden mit dem Oben und Unten durch den Dom zum Ausgang, wir sind die letzten und wir sind dankbar dafür.

Ein Lächeln und jeder geht seiner Wege. Hinein in die Nacht.
Nur der Dom, er bleibt. Beständig, bergend und erwartend… wir sehen uns wieder….


Bildbetrachtung

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Was sieht man auf dem Bild? Hm, mich erinnert’s irgendwie an eine Giraffe und wenn’s nicht so ärgerlich wär, würd ich schmunzeln. Das ist natürlich keine Giraffe sondern Gartendekor. Bei genauerer Betrachtung wird man aber stutzig. Also ich zumindest. Das Ding war bisher eng mit meinem Flieder befreundet und hat deswegen vor ihm seinen bevorzugten Platz gefunden. Da steht/stand das Ding einige Jahre nun fröhlich herum und streckte sich kerzengerade in den Himmel. Ja und genau hier ist der Haken. Als ich heut mittag in den Garten ging, stand es eben nicht mehr kerzengerade sondern so verbogen, wie nun zu sehen und die Halterung (die U Klammer) war abgetreten. Nun ist das aber nicht einfach dünner Draht sondern eine massive Eisenstange. Ich kann sie nicht einfach so verbiegen. Daraus muss ich wohl schließen, dass des nachtens jemand in meinen Garten geht und mit aller Kraft, gezielt und bewusst gegen diese Stange tritt und sie beschädigt und verbiegt.
Nun ist mein Garten nicht einfach für jedermann von der Straße aus zugänglich sondern die Gärten sind entweder nur von den Wohneinheiten aus zugänglich oder aber über einen versperrten Laubengang, für den man einen Hausschlüssel benötigt.
Ich bin im Moment schon sehr nachdenklich. Ich komm mit den Nachbarn im Allgemeinen recht gut aus, es gibt keinen Streit, viele von denen sehe ich auch kaum. Und nun frag ich mich natürlich, wer steigt in meinen Garten ein und macht sowas? Ja klar, ich weiß, dass Vandalismus immer mehr wird und beinahe schon zum Alltag gehört, das erleb ich im Job oft genug. Aber ich geb zu, es fühlt sich nicht sonderlich gut an zu wissen, dass da jemand herumschleicht und Schaden anrichtet. Stimmt, so ein Gartendekordingens ist kein Beinbruch, aber wie geht das weiter? Und wiegesagt, man kann bei uns hier nicht einfach schnell mal so rein spazieren. Ich gras in Gedanken alle Nachbarn ab und überleg wer mich da ärgern möchte oder wer sich so über mich ärgert, dass er / sie ganz schön viel Kraft aufwendet, um Schaden anzurichten.

Das bzw. Der Einzige, der mir einfällt, ist ein ehemaliger Schüler, der hier im Haus wohnt. Seinen besten Freund hatte ich auch und der Herr (der beste Freund eben) war nie sonderlich gut auf mich zu sprechen, weil er es als Schüler nicht geschafft hat, mich auszuhebeln. Ich hab mir da schon so manches vom obersten Balkon an Beschimpfung anhören müssen, wenn er in früheren Jahren zu Besuch war. Allein schon die Tatsache, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, ob ehemalige Schüler mir schaden wollen lässt mich wütend werden, das kann’s doch echt nicht sein. Und gleichzeitig fällt mir der Satz eines Kollegen ein, der über einen seiner Schüler heuer meinte: Durchfallen lassen sollt ich den wohl nicht, da hab ich viel zu viel Angst davor, dass der mir mein Auto zerkratzt. Und allen, die jetzt den Kopf schütteln und meinen, das sei Blödsinn, muss ich leider sagen, dass das unsere Realität ist. Unsere Autos sind tatsächlich nicht gefeit vor Kratzern und die Kollegen, die’s schon erwischt hat, wissen, wie bescheiden sich das anfühlt. Bei den Kratzern ist meist offensichtlich, dass ein Schlüssel im Spiel war. Zerstochene Reifen sind uns auch nicht neu. In den Garagen bzw. Carports aber auch am helllichten Tag vor der Schule.

Was will ich damit sagen? Wo entwickeln wir uns hin,wenn es immer selbstverständlicher und „cooler“ wird, seiner Stimmung Luft zu machen, indem man Dinge beschädigt? Sachbeschädigung und Vandalismus wird oftmals viel zu sehr Bagatellisiert und fällt wohl häufig unter Kavaliersdelikt. Ach, wir haben eh eine gute Versicherung hört man oft als Reaktion von Eltern, deren kids in der Schule oder am Gemeindegrund etwas mutwillig beschädigt haben.

Mir geht’s auf jeden Fall grad nicht sehr gut damit. Ich nehm außerdem auch ein mulmiges Gefühl wahr, wie das hier weitergehen wird, ob’s eine Fortsetzung gibt oder ob es beim einmaligen Schadensfall bleibt? Ja, das Ding ist nicht wertvoll, das stimmt. Und damit hab ich auch kein Problem. Aber die aggressive Energie, die man benötigt, eine halbwegs dicke Eisenstange zu verbiegen, die erschreckt mich……..


Sommer

Es hat was unglaublich befriedigendes im Hochsommer in einem Garten stehen zu können und zu ernten, was die Natur an Früchten und Gemüsen einem anbietet…Zucchini, Tomaten, Kräuter, rote Ribisel, schwarze Ribisel, Himbeeren… Ja, klar, das ganze Ernten ist auch mit ein wenig Mühe verbunden, die Stachelbeersträucher haben fette Stachel und pieksen tierisch, das Ribisel zupfen bringt rote Saftfinger und heiß is es auch meistens, sodass sich die eine oder andere Bremse noch dazugesellt aber dennoch, es ist herrlich…. Und dann ab in die Küche und alles gleich verarbeiten…halt, ein Zwischenstopp auf der Terrasse ist drinn, denn die Stachelbeeren und Ribisel müssen ja zuerst geputzt und entstielt werden …das geht in recht ruhiger, meditativer weise nebst Kaffee 🙂 da kann man fein den eigenen Gedanken dabei nachhängen….. Die Küche durchzieht dann schon bald ein Duft von Chutneys, Marmeladen und Säften und am Abend freut man sich dann wirklich über reiche Ernte. Wie schade, dass es so viele Menschen gibt, die diese Erfahrung nie machen können. Es fühlt sich einfach gut an, am Abend mit stachelbeerzerstochenen und vom Ribiselsaft geröteten Fingern so ein Blogpost schreiben zu können und noch besser wird die frische Marmelade morgen beim Frühstück sein. Auf dass der Sommer noch reiche Ernte bringen werde…….

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Il paradiso

Manchmal weiß man gar nicht, wie einem geschieht und es fällt einem eine Gelegenheit zu, die man sich vermutlich in Träumen nicht ausgemalt hätte.

So geht es mir hier in diesem Urlaubsparadies. Ein Haus mit Garten am Lago Maggiore, das mir bzw. uns  gut leistbar zwei Wochen zur Verfügung steht. Wobei „Haus und Garten“ trifft’s bei weitem nicht…. es ist schlichtweg ein Paradies. Bevor man ins Haus reingeht, verschlägt einem schon mal der Anblick des Gartens und der Ausblick auf den See den Atem. Üppigstes Grün, Palmen, Bäume, gewaltige Hortensienbüsche, die in unglaublich verzaubernde blaue Blütenwolken gehüllt sind, Hibiskusblüten, Sommerflieder und so weiter und so fort. Und alles im Überfluss… Und dann fällt der Blick auf den See und die Berge und eigentlich weiß man Bildspätestens dann nicht mehr, was man sagen soll…..Staunen, mehr kann man angesichts dieser Fülle wohl nicht…  Da liegt er majestätisch vor uns der See, hoheitsvoll umgeben von den Bergen und er wird uns Tag für Tag auf’s Neue mit seinem Farbenspiel überraschen.

Man ist unglaublich weit weg von allem Lärm und jeglicher Hektik. Das Haus selber (ein altes Tessiner Haus, wunderbar rustikal und in seiner Ursprünglichkeit gut erhalten) liegt in einem Dorf oberhalb des Sees. Ein Dorf, in das man nur zu Fuß gelangt und dafür wird man hier oben belohnt mit kleinen engen Gässchen, wundervollen Ecken und Plätzen mit Kunstwerken und Skulpturen des hier ansässigen Künstlers Santo Alleimo und mit eng aneinander gebauten alten Häusern. „Unser“ Haus liegt am Ende des Dorfes und steht eigentlich ein wenig freier und bietet daher diesen wundervollen Anblick. Wenn ich morgens auf dem Küchenbalkon steh, ist es fast ein wenig wie schweben… so hoch über dem See und so frei von allem….

Hier oben braucht man wirklich nicht viel zum Glücklich sein. Man reduziert sich auf das Notwendigste, die Gespräche werden tiefgründiger, die Stille wird ertragbar und man merkt, wie man selber Tag für Tag ein wenig langsamer wird. Spaziergänge und Wanderungen in der Umgebung laden ein, jeden Schritt bewusst zu setzen, das eigene Gehen zu beobachten und in sich zu gehen. Die Menschen, die hier oben leben sind gelassen und freundlich. An jeder Ecke, an der man jemandem trifft, ein freundliches Buon giorno, niemand hastet hier von A nach B. Man hört kaum einmal ein Mobiltelefon läuten und man hört auch sonst kaum Lärm. Ab und an ein Rasenmäher, eine Heckenschere und der Klang der Motorboote, die über den See düsen, um sich zu beweisen und mit anderen zu messen. Die Vögle zwitschern, die Palmen rascheln im Wind. Jeden Abend punkt Neun beginnt das Käuzchen von seinem Tag zu erzählen und wenn es dunkel wird beginnt ein Meer von Sternen über einem zu leuchten, sodass man sich bei einem guten Glas Wein fragt „Träumen wir, oder ist das hier alles wirklich so“.

Zeit um der Seele zu erlauben, endlich auch zur Ruhe zu kommen. Zeit, den Alltag hinter sich zu lassen, Zeit, sich selber zu begegnen und den eigenen Bedürfnissen nachzuspüren. In den Tag hinein leben, keinen Plan haben und nur tun, wozu man Lust hat und es dann tun, gerade wenn man Lust hat. Absichtslos da sein. Bedingungslos leben.

Genießen und dankbar sein….


Mother’s Day

A son wants to commemorate his mother and her life. Well, you might think, this is what people usually do on Mother’s Day. Right. But today was a very special Mother’s Day for a dear friend.

My friend never got to know his mother or anyone else of his family as his mother and his grandfather were deported in June 1942 from Vienna to Mali Trostenec. This son, I’m talking of, was 6 months old then. So he never got a chance to get to know his mother well enough to create memories or even glimpses of memories of her. His mother as well as his grandfather lost their lifes in Mali Trostenec as they were killed by the Nazi Regime, they were shot in the woods of Mali Trostenec, only their ashes remained there….

The 6 month old son was deported to Theresienstadt, where he was able to survive and then after the war he was brought to England. The son came to an orphanage and got adopted there  and always thought to be British unto the age of nineteen, when he wanted do marry his lovely wife. As he had to prepare documents for the wedding a shocking truth unveiled. All of a sudden he lost what he always thought to be his identity. He was not English but Austrian. He had not been born in Britain but in Vienna, he had not been given the name, he had been used to for so long but he had been given another name long ago in a totally different world.

So many questions arose where no answers were given and never will be given as his mother and grandfather and the rest of the family have been annihilated. A life full of searching started and this searching of identity and meaning led to a very special moment this morning.

In the second district of Vienna, the so called „Leopoldstadt“, the jewish quarter of Vienna,  gathered people this morning to hold a ceremony of remembrance. People, who have also lost family members in the Shoa and who wanted to commemorate them. They assembled for a ceremony that is called „Stones of Remembrance“.  Little metal plates, engraved  with the names and dates of people, deported and murdered by the Nazi regime, are put in front of their last adresses in Vienna. Everyone who wants to read those plates has to bow down. So finally those people, who suffered what we cannot even find words for, get a place, get back a name and will never be forgotten.

I had the honour to be amongst the people who gathered this morning. The son, who has come to have a stone, a plate for his mother and grandfather, is a dear friend. It moved me to tears, listening to the words he spoke and the pain and grief he shared with us during that speech. What precious gift it is, when people do not only share the happy times but also the moving or sad ones. After the ceremony we walked on to his mothers and grandfathers last adress in Vienna. Flowers were laid down at the Stones of Remembrance and finally the moment had come, where  Kaddish was said.

Elsa, I’m sure today was a special Mother’s Day for you. From wherever you were watching today, I’m more than sure that you are proud of your son. Proud of his strength and proud of everything he became. One of the dearest people I know.

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N.B For all who wonder why I have chosen to write this blog entry in English – it might well be that the Son comes across this entry and in respect of our friendship I want to make sure that he will be able to understand, what I’ve written down.


Wenn die Sonne aufhört zu scheinen…..

Ich kenn das. Manchmal geb ich einem Impuls nach und handle nach dem Bauchgefühl, auch wenn das mit ursprünglichen Plänen und Wegen gar nicht zusammenpasst. Ich war heut auf dem Weg nach Hause vom Gemüsebauern, als ich spontan beschloss noch in einem Ort Halt zu machen. Ohne besonderen Anlass, ohne Grund. Einfach so. Überrascht stelle ich fest, dass ein Cafe dort geöffnet hat, das normalerweise Montag zu ist. Okay, ich sollte noch einkaufen und schauen, dass der Spargel nach Haus kommt aber irgendwie ziehts mich auch in das Kaffee. Nicht weil ich so großes Verlangen nach Kafee oder Eiskaffe hätte, sondern einfach so. Gut, also nicht weiter drüber nachdenken, sondern dem Gefühl nachgeben und hingehen. Sich in den Gastgarten setzen, auch wenn’s ein bissl frisch ist.

Keine fünf Minuten vergehen, seh ich eine junge Frau auf mich zukommen. Ich kenn die Frau und freu mich unglaublich, ihr genau hier zu begegnen. Eine junge Kollegin und liebe Bekannte, die ich von etlichen Seminaren kenne und die’s nicht unbedingt leicht hat im Leben. Eine starke Frau. Nennen wir sie einfach mal Sabine. Nun gut, Sabine erblickt mich, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht und sie kommt mit einer ihrer Töchter auf mich zu. Es müsste die mittlere Tochter Miriam sein. Wir begrüßen uns herzlich.

Wir haben uns etliche Monate nicht gesehen. Das letzte Mal gemeinsam auf einem Musiker Seminar, Tage, die uns beiden damals besonders gut getan haben. Mir, weil ich grad meine Masterthesis unter Dach und Fach hatte, ihr, weil sie ein klein wenig auftanken und Kraft schöpfen konnte. Kraft, die sie mehr denn je brauchte, denn Teresa, ihre jüngste Tochter war schwer erkrankt. Eine lebensbedrohende Stoffwechselerkrankung. Das Leben bestand aus Arbeit, Krankenhaus, Familie versorgen, Angst, Ungewissheit, Hoffnung und der ständig gepackten Reisetasche im Auto, um jederzeit mit der kleinen ins Krankenhaus zu können. Sabine’s Mann hatte auch ständig eine Reisetasche in seinem Auto…

Sabine hat in diesen Tagen im Mai vor einem Jahr viele ihrer Ängste und Sorgen mit mir geteilt und ich war froh, ihr damals gelassene Zuhörerin sein zu können, ihren Schmerz annehmen und mit ihr tragen zu können.Sie war oftmals in meinen Gedanken, wenn ich in der Nähe ihres zuHauses vorbeifuhr aber es gab ja nie privaten Kontakt, also auch kein Gedanke an einen Besuch. Und außerdem ist man ja sowieso immer im Stress und denkt sich, na, beim nächsten mal bieg ich dann ab und schau spontan vorbei….

Da ist sie nun also, Sabine, mit der ich hier an diesem Ort nie im Leben gerechnet hätte. . Sie steht vor mir , ich freu mich, aber etwas an ihr irritiert mich. Ich kann es nicht zuordnen, vielleicht ist es auch nur ein Gefühl. Sie fragt, was ich hier mache… und immer noch überleg ich, was anders ist.

Zögernd frag ich: Sabine, geht es dir gut?

Nein, Teresa hat es nicht geschafft. Sie ist vor ein paar Wochen gestorben.

Was kann man tun, wenn eine Mutter einem erzählt, dass ihr Kind nicht mehr ist, außer mit ihr zu weinen und versuchen, den Schmerz, der einem da wie eine Lawine entgegenkommt, auszuhalten.

Wortlos stehen wir da, nehmen Miriam, die mittlere Tochter, die gerade mit ihrer Mutter einkaufen ist,  in die Mitte und schweigen gemeinsam.

Sabines Schmerz war es wohl , den ich vom ersten Moment unserer  heutigen Begegnung weg gespürt hab. Die Welt bleibt für einen Moment stehen und die Fassungslosigkeit macht sich breit. Ohnmacht kriecht durch jede Faser meines Körpers in mich hinein und ich möchte zum Himmel schreien und schimpfen. Was müssen Sabine und ihr Mann denn noch alles ertragen, als ob es nicht schon genug gewesen wäre, all das, was bisher war….

Unsere Wege trennen sich wieder. Ich geh gedankenversunken und  ein wenig ferngesteuert durch die Straßen. Vorbei an einem Blumenladen. Da seh ich eine kleine rosablühende Pflanze in einem kleinen Topf, mit einem Schmetterling drin. Teresa mochte rosa.

Ich geh hinein und kauf den kleinen Pflanztopf. Die Pflanze ist winterhart. Ausdauernd und kräftigt, sagt die Floristin. Ich hab keine Ahnung, wo Sabine ist, aber ich möchte ihr die Pflanze für ihren Garten schenken. Sie sagte vorhin etwas von Heft kaufen…Da gibt es mehrere Möglichkeiten aber ich geh drauf los und lass mich treiben von meinen Gedanken. Es war die richtige Richtung.

Sabine und ihre Tochter Miriam stehen nochmal vor mir. Ich streck Sabine die kleine Pflanze entgegen.Sie nimmt sie und sagt: Teresa mochte rosa.

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Kullertränen

Ziemlich zögerlich kommt er zu mir an den Lehrertisch herausgetrippelt und dann steht er da. Mit seinen 11 Jahren, Lausbubengesicht und Struwelfrisur, eine Rübe wie sie im Buche steht. Aber heute steht er anders da, Kullertränchen laufen über seine Backen und er streckt mir seine Hand entgegen. Er habe sich im Turnunterricht verletzt und nun ist der Finger gaaaaaaaaaaaanz geschwollen (und fällt bestimmt ab) und es tut füüüüürchterlich weh.

Ich streck ihm meine Hände entgegen und er legt seine Hände irgendwie vertauensvoll in meine. Ich halt die kleinen Kinderhände einfach mal ein wenig, während ich nachdenke, was wir tun. Ich schau ihm ins Gesicht und merk, die Tränchen versiegen und er schluchzt nur noch ein klein wenig vor sich hin. Also halt ich seine Hände  einfach weiterhin in meiner Hand, leg meine zweite obenauf.  Es tut schon nicht mehr ganz so weh, sagt er. Ich biete ihm noch an, ihm dann schnell ein Kältepack zu holen. Ein „mhm“ mit vorgeschobener Unterlippe samt unterstützendem Kopfnicken drückt seine Zustimmung aus. Ich schau ihm dabei nochmal ins Kindergesicht und merk, das ist wieder einer dieser Momente, an denen ich so ganz gänsehautmäßig spür, wie gern ich „meine“ Kinder doch hab und wie sehr mir ihr Wohlbefinden am Herzen liegt. Ich teste vorsichtig, ob er seinen tatsächlich leicht geschwollenen kleinen Finger abbiegen kann.  Soweit alles halbwegs okay. Ich schick ihn auf seinen Platz zurück, bitte die anderen Schüler leise zu sein und rase schnell ein Stockwerk tiefer, um ein Kältepack aufzutreiben.  Ich wickle es in ein Tuch, leg es ihm auf den Tisch und sag,“schau, da kannst du deine Pfote drauflegen“. Er lächelt mich an. Die Kälte tut ihm gut und wir können den Unterricht fortsetzen. Am Ende der Stunde kommt er und bringt mir den Kältepack zurück. Ich frag, wie’s seinem Finger geht. In seiner Lausbubenmanier lächelt er mich nun wieder an und meint: „Ah, den Nachmittag werd ich schon irgendwie überstehen, alles halb so wild.“  Dann geht er zurück, packt seine Sachen für die Mittagspause, blödelt wiede rmit Mitschülern rum und will aus der Klasse rausgehen. In der Tür dreht er sich nochmal um, strahlt mich übers ganze Gesicht an und flüstert: Danke, Frau Lehrerin.  Das sind die Momente, in denen man allen Ärger am Schulsystem vergisst und nur dankbar ist, dass man Augenblicke wie diese erleben darf. 🙂