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Kinderseelen versus Schulsystem

Heute gab’s wieder dicke Tränen. Tränen, die ich am liebsten mitgeheult hätt, weil es mir selber so an die Nieren geht, wenn ich einem Kind Kummer mach, nur weil das Schulsystem „das so vorsieht“.

Aber mal von vorne: Wir sind in der seltenen Situation, in der ersten Klasse Drillinge zu haben. Drei wirklich bezaubernde Buben, 10 Jahre alt, sehen sich total ähnlich sind aber Gott sei Dank nicht eineiig (weil ich da nie eine Chance hätt, die zu unterscheiden, schaff ich bei Zwillingen schon kaum….) sehr engagierte Eltern (übrigens eine türkische Familie – nur um mal gegen Vorurteile auch gleich anzugehen- ja, es gibt türkische Familien, die unglaublich engagiert sind). Die Buben sind auch immer irgendwie gleich angezogen und schauen wirklich zum Fressen süß aus. Genauso sind sie auch von ihrem Wesen. Lausbuben, die aber so herzlichen  Charme haben und ein entwaffnendes Lächeln sowieso.

Nun, die drei sind in ihrer Entwicklung ein wenig unterschiedlich. Der Bub, um den es heut hier geht, ist der jüngst der Drillinge und war auch der kleinste und am schwächsten entwickelte bei der Geburt.  Und genau das wird ihm nun ein wenig zum Verhängnis, weil sich bei ihm eine schwerwiegende Lese_Rechtschreibschwäche eingestellt hat und er sich auch so sehr schwer tut in punkto Konzentration und Merkfähigkeit. Dagegen kann man was tun. Das Schulsystem sieht vor, diesen Kindern einen sogenannten „Sonderpädagogischen Förderbedarf“ zuzuerkennen. Das würde bedeuten, dass er in bestimmten Fächern aufgrund der Lernschwäche anders beurteilt wird bzw. er in manchen Gegenständen eine eigene Lehrkraft (zumindest für manche Stunden) als Unterstützung zur Seite gestellt bekommt. Natürlich ist das ziemlich aufwendig und ein Riesenprozedere. Da muss man Testungen durchführen, Berichte und Gutachten verfassen und so weiter und so fort.  Das wär alles ja machbar und wenn’s dem Kind hilft, bitte gerne. Aber der Hammer kommt nun. Damit diese Lern – und Entwicklungsschwäche anerkannt wird, bzw. man diese Testungen machen kann und diesen Sonderpädagogischen Förderbedarf erst mal beantragen darf, MUSS  das Kind in den Gegenständen Negativ beurteilt werden. Das betrifft in den meisten Fällen Mathematik, Deutsch und Englisch.

So, jetzt hab ich ein Kind da, dass sich seiner Defizite sehr wohl bewusst ist und darunter leidet. Er möcht gern so gut sein, wie seine beiden Brüder und plagt sich unendlich oder versucht auszublenden, dass er einfach hinterher hinkt. Es frustriert ihn und er ist jedesmal wieder schrecklich enttäuscht, wenn ihm etwas nicht so gut gelingt oder er wieder viele Fehler gemacht hat. An seinen Augen sieht man, wie traurig ihn das macht und wie er damit kämpft. Und vor allem, er kann nicht verstehen, warum seinen beiden Brüdern (und vielen anderen Mitschülern) das alles so leicht gelingt und ihm scheinbar so gar nix gelingen mag.

Mich betriffts im Fach Englisch. Ich versuch immer wieder, ihm kleine Erfolgserlebnisse zu verschaffen, ich lob ihn und schummel ein klein bisschen im Hintergrund (im Sinne von Soufflieren) damit er auch richtige Antworten gibt. Er freut sich, er lacht. Er ist nun in einer Gruppe mit den leistungsschwächeren Schülern seines Jahrgangs. (in Österreichischen Pflichtschulen gibt es in den Gegenständen Mathematik, Deutsch und Englisch  leistungsdifferenzierten Unterricht) Er merkt, auch andere tun sich schwer. Das tut ihm gut. Und jetzt kommt das erste Semesterzeugnis in der Hauptschule für ihn. Wenn ich seine Mitarbeit und sein Bemühen natürlich mitbeurteile, dann wäre das aktuell Grund genug für zumindest ein Genügend.  Alle Kinder sind neugierig auf ihre Noten und fragen einem Löcher in den Bauch. Natürlich erfahren sie ihre Noten, die sind ja kein Geheimnis.  Und dann kommt der Moment, wo dieser kleine Bub mich um seine Note fragt und dann ist es an mir, ihm erklären zu müssen, dass er ein Nicht Genügend, einen Fünfer bekommt, bekommen muss, damit wir ihm in Hinkunft besser helfen können.

Das versteht ein Bub in dem Alter aber so nicht. Er hört nur, dass er in 3 Gegenständen ein Nicht Genügend bekommt obwohl er sich doch eh so abmüht. Er denkt an seine Brüder, die viel bessere Noten bekommen. Er denkt an seine Eltern und er schämt sich. Er senkt den Kopf, um seine Tränen vor mir zu verbergen. Unaufhaltsam kullern die aber über seine Wangen, mir is selber schon zum heulen. Wie kann ich ihn trösten….

Ich sag, er soll mal her zu mir kommen. Wir sind natürlich schon längst allein in der Klasse. Solche Hiobsbotschaften verkünd ich ja nicht vor versammelter Mannschaft. Er kommt bedrückt weiter her zu mir und schwupp, sitzt er auch schon auf meinem Knie und lehnt seinen Kopf an meine Schulter und heult was das Zeug hält. Hm, naja, so war das ja eigentlich nicht geplant, aber nun sitzt er schon mal da, also soll er den Trost und die Umarmung bekommen,wenn’s ihm in dem Augenblick gut tut. Ich versuch leise mit ihm zu reden, versuch ihm zu erklären, warum diese Noten sein müssen, was wir tun wollen, damit es ihm in Zukunft in der Schule besser geht und dass es leider sein muss, das doofe Ding mit den Fünfern. Ich erklär ihm, dass das halt auch nicht einfach ist, wenn man zu dritt im Bauch von der Mamma ist, dass man da ganz schön um seinen Platz kämpfen muss und dass er da eben so viel Energie gebraucht hat zum Kämpfen, dass ihm jetzt ein bissl davon fehlt. Er beginnt zu lächeln und sagt: Stimmt, ich kann kämpfen.

Ja, der kleine Mann ist wirklich ein Kämpfer. Ein unglaublich liebenswerter sogar. Und ich hoff und wünsch mir aus ganzem Herzen, dass er den Kummer über sein Semesterzeugnis bald vergessen kann.

Anmerkung: Wenn ein Kind in einer österreichischen Schule diesen Sonderpädagogischen Förderbedarf zuerkannt bekommt, kann es ihm dennoch passieren, dass die Schulbehörden aus Spargründen nicht genug Lehrerstunden zur Verfügung stellen und die Zweitlehrer, von denen ich weiter oben im Text sprach, dann den Kindern nicht zur Verfügung gestellt werden. Ich bin mir auch fast sicher, dass noch niemand der werten Bildungsexperten, die sich dies Abläufe und Vorgaben einfallen lassen, jemals schon ein heulendes Schulkind auf den Knien sitzen hatte und weiß, wie Bescheiden sich sowas anfühlt. Da hätten wir ihn mal wieder, diesen Unterschied zwischen Theorie und Praxis.  Und warum muss ich (will ich) diesen Förderbedarf beantragen,wenn ich ihn eh mit Genügend beurteilen kann? Weil die Anforderungen immer mehr werden und es im Semesterzeugnis weniger Auswirkungen hat, wenn er negativ ist, als im Schlusszeugnis. Denn dann müsste er zu allem Überfluss auch noch Wiederholungsprüfungen machen und diese bestehen, um gemeinsam mit seinen Brüdern in den nächsten Jahrgang aufzusteigen. Und  das alles zumWohl des Kindes, wie die Damen und Herren in der Politik so gern formulieren. Es ist manchmal wirklich zum aus der Haut fahren……


Kullertränen

Ziemlich zögerlich kommt er zu mir an den Lehrertisch herausgetrippelt und dann steht er da. Mit seinen 11 Jahren, Lausbubengesicht und Struwelfrisur, eine Rübe wie sie im Buche steht. Aber heute steht er anders da, Kullertränchen laufen über seine Backen und er streckt mir seine Hand entgegen. Er habe sich im Turnunterricht verletzt und nun ist der Finger gaaaaaaaaaaaanz geschwollen (und fällt bestimmt ab) und es tut füüüüürchterlich weh.

Ich streck ihm meine Hände entgegen und er legt seine Hände irgendwie vertauensvoll in meine. Ich halt die kleinen Kinderhände einfach mal ein wenig, während ich nachdenke, was wir tun. Ich schau ihm ins Gesicht und merk, die Tränchen versiegen und er schluchzt nur noch ein klein wenig vor sich hin. Also halt ich seine Hände  einfach weiterhin in meiner Hand, leg meine zweite obenauf.  Es tut schon nicht mehr ganz so weh, sagt er. Ich biete ihm noch an, ihm dann schnell ein Kältepack zu holen. Ein „mhm“ mit vorgeschobener Unterlippe samt unterstützendem Kopfnicken drückt seine Zustimmung aus. Ich schau ihm dabei nochmal ins Kindergesicht und merk, das ist wieder einer dieser Momente, an denen ich so ganz gänsehautmäßig spür, wie gern ich „meine“ Kinder doch hab und wie sehr mir ihr Wohlbefinden am Herzen liegt. Ich teste vorsichtig, ob er seinen tatsächlich leicht geschwollenen kleinen Finger abbiegen kann.  Soweit alles halbwegs okay. Ich schick ihn auf seinen Platz zurück, bitte die anderen Schüler leise zu sein und rase schnell ein Stockwerk tiefer, um ein Kältepack aufzutreiben.  Ich wickle es in ein Tuch, leg es ihm auf den Tisch und sag,“schau, da kannst du deine Pfote drauflegen“. Er lächelt mich an. Die Kälte tut ihm gut und wir können den Unterricht fortsetzen. Am Ende der Stunde kommt er und bringt mir den Kältepack zurück. Ich frag, wie’s seinem Finger geht. In seiner Lausbubenmanier lächelt er mich nun wieder an und meint: „Ah, den Nachmittag werd ich schon irgendwie überstehen, alles halb so wild.“  Dann geht er zurück, packt seine Sachen für die Mittagspause, blödelt wiede rmit Mitschülern rum und will aus der Klasse rausgehen. In der Tür dreht er sich nochmal um, strahlt mich übers ganze Gesicht an und flüstert: Danke, Frau Lehrerin.  Das sind die Momente, in denen man allen Ärger am Schulsystem vergisst und nur dankbar ist, dass man Augenblicke wie diese erleben darf. 🙂


get connected

Sich zufällig einmal begegnen. Bekanntschaft miteinander schließen. Einander vorgestellt werden, small talk, feststellen, dass man gut miteinander kann. Über den small talk hinaus miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen über Gemeinsames. Nach kurzer Zeit sich aber wieder voneinander verabschieden.Jeder geht seine eigenen Wege, Adressen tauschen, man will sich irgendwann mal wieder treffen.

wie so oft im Leben bleibt es aber nur beim Vorsatz. Jeder (also in dem Fall ja eigentlich jede) geht seiner Wege, man ist eingespannt in seinen eigenen Terminzirkus und die Wochen vergehen und die Monate verrinnen und es werden Jahre, die ins Land ziehen.

Was bleibt, ist die Erinnerung an ein sehr nettes erstes Aufeinandertreffen. Man hört in Gesprächen mit anderen manchmal etwas von der, die man damals getroffen hat. Man nimmt ein wenig Anteil an ihrem Weg, weiß ein bisschen, was sie grad so macht.

Und dann kommt der Zufall manchmal doch auch ins Spiel. Eine Gelegenheit bietet sich, man wird einander wieder „vermittelt“ oder zugespielt. Der Kontakt ist wieder hergestellt. Ein paar mails fliegen hin und her und dann bietet sich spontan ein Treffen an.

Gesagt getan.

Was gibt es herrlicheres als in einem Kaffee zu sitzen, zu tratschen und einander zu erzählen, sich auszutauschen,  miteinander zu  lachen und sogar auch zu weinen, weil einen berührt, was die andere erzählt und dabei feststellen, wow, wie gut, dass man einander wieder getroffen hat. Sich wohlfühlen in der Gegenwart der anderen.

Sich verabschieden und wissen, diesmal werden keine Jahre vergehen, bis wir uns zum nächsten Kaffee treffen:)

(und das ist kein leerer Vorsatz, nein, definitiv nicht 🙂 )


auch lehrerInnen können weinen….

zufälle.

meist sind es die kleinen unscheinbaren zufälle, die steine ins rollen bringen.

steine, von denen man sich  wünschte, sie nie losgetreten zu haben, weil sie den blick offenbaren auf das, was im verborgenen sich zuträgt.

eine harmlose frage, tränenströme als reaktion darauf, totale irritation auf meiner seite. sich fassen, fieberhaft überlegen, welche reaktion nun angemessen ist. 20 andere, die mitbeobachten.  die 20 allein lassen, um mit der einen reden zu können.  einen ruhigen ort dafür suchen. einen geschützten ort dafür suchen. ihn nicht finden, weil es ihn hier nicht gibt. auf dem gang enden.

behutsam nachfragen. zuhören und währenddessen selber immer tiefer fallen und den schmerz stellvertretend für die, die von ihm erzählt hinausschreien wollen in die welt. fassungslos einfach nur behüten wollen. in den arm nehmen und versprechen, dass alles wieder gut wird.

genau das aber nicht tun, weil ich es nicht versprechen kann und vor allem weil ich nicht weiß, was „gut“ ist und wie „gut“ sich für sie anfühlen würde.

eine familiensituation wahrnehmen, verständnis haben einerseits, tobende wut in mir andererseits. hilflosigkeit und ohnmacht spüren. sich vorwürfe machen, nachdenken, grübeln. hätte ich früher etwas merken müssen?

mauern die eingerissen sind, erleichterung, es endlich ausgesprochen zu haben. schleusen, die offen sind. hoffnung in den augen aufleuchten sehen.

hilflosigkeit und ohnmacht wahrnehmen. unbändigen zorn auch auf all jene, die es immer wieder besser wissen, die sich nicht in kühnsten träumen vorstellen können, wie man sich selber in solchen situationen fühlt, und die dennoch immer wieder über mich und den ganzen berufsstand ihr urteil fällen. ganz pauschal.

nachdenken, schritte setzen, überlegen, telefonieren, gespräche führen, weiterdenken, sich sorgen machen, sich vorwürfe machen,sich den kopf zerbrechen, schlaflos herumgrübeln, wissen, dass meine schritte folgen haben, für mehrere betroffene bzw. beteiligte. wissen, dass situationen manchmal viel komplexer und schwieriger sind, ineinander verflochten, verstrickt und sie sich nicht so leicht lösen lassen, wie mancher jetzt vielleicht wieder annehmen möchte.

betroffen vom schicksal des kindes, betroffen vonder liebe des kindes, betroffen vom druck, dem die familie ausgesetzt ist und betroffen, von der verzweiflung, die spürbar ist.

versuchen, nicht zu verurteilen sondern nachzudenken und für hilfe zu sorgen. hilfe für alle beteiligten.

manchmal wünschte ich, dass auch wir hilfe hätten.

hoffen, das richtige zu tun……

all jenen gewidmet, die sich immer wieder so sicher sind, wie unser berufsalltag ausschaut und die mit ihren kommentaren dazu nicht hinter dem berg halten, ….. mögt ihr nie in solche kinderaugen schauen müssen.

PS: in der ganzen geschichte kommen weder migranten noch sozial schlechtgestellte und  auch keine arbeitslosen menschen vor. das sei  nur erwähnt, um dem nächsten möglichen vorurteil zuvorzukommen.


long distance

in Gedanken spazier ich grad an einem der herrlichsten Sandstrände, die England so zu bieten hat entlang….warum grad dort, das ist leicht erklärt….weil es die Heimat eines mir sehr sehr lieben Freundes ist. so schaut’s dort übrigens aus: Saunton Sands in North Devon…..unglaublich schön

Heute wohnt er nicht mehr dort, heut lebt er in London. Bevor er aber nach London ging, lebte er in Österreich und zwar mehr oder weniger hier bei mir um’s Eck. Seine Frau ist Österreicherin, die Kinder sind hier geboren und er arbeitete an der Uni. Uns verbindet eine lange schöne Freundschaft. Gerne erinnere ich mich an ewig lange Abende im Haus der beiden, wo wir über Gott und die Welt getratscht haben. Aber auch an das, was wir alles miteinander geteilt und miteinander getragen haben, wo wir füreinander da waren und uns unterstützt haben so gut es ging. Curryabende waren immer etwas ganz besonderes….englisch/indische Curry Gerichte, stundenlang dahin essen, sich gut unterhalten, Spaß haben, Freude empfinden, Freundschaft spüren.Oder einfach schnell mal zwischendurch auf einen Tee (ja, ein Englischer Haushalt eben, da trink selbst ich Tee…und den sogar mit Milch 😉  ) und einen Tratsch vorbeischauen…..viele Erinnerungen, gemeinsame Urlaube in England, unter anderem eben auch in Saunton Sands…nachspüren und erinnern, wie wichtig es meinem Freund damals war, mir sein zu Hause, seinen Strand zeigen zu können.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem er merkte, Veränderung steht an und so kam es, dass die beiden mit ihren Kindern vor mittlerweile nun schon wieder 8 Jahren nach England gingen. Zuerst Cambridge, weil er dort noch ein Studium absolvierte, dann in der Umgebung von Liverpool und nun in London.

Einmal im Jahr kommen sie zurück nach Österreich, um ein oder zwei Wochen Urlaub zu machen. Diese Wochen sind dann Stress pur, weil die Familie seiner Frau Zeitansprüche stellt und natürlich auch viele Bekannte und Freunde hier in der Umgebung sie sehen wollen. Meist bleibt uns dann nur wenig Zeit füreinander…. So eben auch dieses Jahr…ich hab sie nun eineinhalb Jahre schon nicht mehr gesehen (was sehr ungewöhnlich ist aber unsere Lebensumstände ließen dazwischen diesmal keine Besuche zu) und heute war’s nun endlich so weit…..

Ich hab mich tagelang nun schon darauf gefreut und gleichzeitig aber auch schon so ein feines Magengrummeln dabei gehabt.

Es mag vielleicht seltsam klingen aber ich hab ernsthaft überlegt, ob’s nicht besser sei, sie gar nicht zu sehen. Im Alltag haben wir uns ja arrangiert, wir kommen klar mit der Distanz, wir denken aneinander, hören voneinander, lesen voneinander. Aber wenn wir uns dann wiedersehen, wird uns in all der Freude auch immer wieder bewusst, wie sehr wir einander letztlich vermissen.

Ich vermiss den trocken nüchternen Rat meines Freundes in so vielen Lebenslagen, ich vermiss seinen noch viel trockeneren britischen Humor und ich vermiss seine Kochkünste. Ich vermiss sein wohliges Grunzen, wenn er etwas besonders Gutes isst, ich vermiss seine typischen „Sager“. Ich vermiss die Warmherzigkeit seiner Frau, ihre selbstverständliche Gastfreundschaft, ihren Rat, ihre Sicht der Dinge, unser gemeinsames Kicher wie Teenagegirls. Ich vermiss das Lachen und die Launen der Kinder….es gibt so vieles was man vermissen kann……

Und ich bin schlecht im Abschied nehmen. Sehr schlecht.

Ja,  deshalb ist das so ein zwiespältiges Gefühl…..man freut sich so sehr, Menschen, die man vermisst und die man von Herzen gerne hat, endlich mal wieder gesehen zu haben. Allerdings war diesmal nur eine knappe Stunde dafür Zeit, weil Unvorhergesehenes dazwischen kam. Eine Stunde ist verdammt wenig Zeit im Vergleich zu eineinhalb Jahren ;-))

Andererseits reicht eine Stunde aber auch aus, um zu spüren, dass dieses Band zwischen uns immer noch da ist, dass unsere Freundschaft weiterwächst, egal, wieviele Kilometer uns voneinander trennen.

So gibt es dann eben diese Abschiedsmomente im Leben, an denen die Tränen kullern und man dennoch lächelt und sich freut…Leben pur eben.

An solchen Tagen werd ich immer wieder auch sehr dankbar für alle Menschen, die mir nah sind im Leben, egal ob viele Kilometer oder Distanzen zwischen uns liegen oder sie um’s etwas erweiterte Eck wohnen….

Es ist schön zu wissen, dass es euch alle gibt…..und es ist gut, euch ab und an auch so richtig schwer zu vermissen….das gehört eben auch dazu…. 😉


geschenkt, die zweite :-)

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Von Drachen, Patentanten und Seeungeheuern

Der Vater meines Patensohnes hat mich heut schnell zum Mittagspausenespresso eingeladen. Da sitz ich also so im Wohnzimmer und schau auf die vom weltbesten Patensohn fabrizierte Bildergalerie und bin begeistert. Ein großes Bild gefällt mir besonders gut….ein Drache, denk ich mir..und sag das auch….. nun ja, dieser Sager bringt mir ein mitleidiges Lächeln ein und eine leicht abwinkende Handbewegung…. Noch denke ich, die Bescheidenheit in Person stünde vor mir, wie süß, er wehrt das Lob ab.

Lukas holt seine Zeichen- und Malsachen, macht sich’s am Boden neben mir bequem. Ich hätt ja schon auch gern so ein Drachenbild…… mal schauen, wie meine Chancen heute so stehen:

„Lukas, hast du Lust, mir auch einen Drachen zu malen?“ „Äh, ja, welchen Drachen willst du denn haben?“ (oho…es gibt also unterschiedliche Arten von Drachen wie mir grade dämmert) „Ähm, ja so einen, wie da an der Wand eben.“ „Du, an der Wand hängt aber kein Drache….das sieht man doch“ (Mist, ich hab das Kunstwerk also verkannt….ich beginne zu überlegen, was es denn dann sein könnte……aber Lukas ist ohenhin schneller mit der Antwort–>) „Das ist doch ein Seeeeeeeeeeeeeeungeheuer, das sieht man doch!“ (ah ja, stimmt, das sieht man doch….menno, also wirklich, ich sollte in Hinkunft etwas genauer schauen) „Uh, ah ja, stimmt, jetzt wo du’s sagst, seh ich es auch. Das ist ja ein nettes Seeungeheuer, das hat noch ein halbes Kleeblatt im Maul“ (wieso verdreht der Kleine grad seine Augen, was hab ich denn jetzt wieder gesagt…) „Pffffffffffffffffff, das ist doch kein Kleeeeeeeblatt, das ist die Zunge, Seeungeheuer haben doch grüne Zungen!!“ (da ist er wieder, dieser leicht mitleidige Blick eines 8 jährigen auf die Tante, die sich in der Anatomie der Seeungeheuer wieder mal so gar nicht auskennt….peinlich, sehr peinlich) „Oh.Ah.uhm.Ja…entschuldige, das hab ich nicht bedacht, aber ja klar, is die Zunge. Kann ich bitte trotzdem so ein Bild von einem Seeungeheuer haben?“

„Ja,klar“ (er schnappt sich ein Blatt und schwuppdiwupp ist da eine exakte Kopie des Original Ungeheuers drauf zu finden. Er hält es mir entgegen….) „Soll ich es anmalen auch noch oder machst du das selber?“ (nunja, immerhin, er traut es mir zu) „Hm, wenn du Lust hast, dann mal es mir doch bitte auch noch an“ (er schnappt seine Buntstifte, malt Seeungeheuer samt Zunge an und schaut dann nachdenklich zu mir hoch…) „Weißt was, ich mal dir noch extra viel Wasser dazu, damit du zuhaus dann auch noch weißt, dass das ein Seeungeheuer ist.“ (schnappt sich den blauen Buntsitft, lacht von einem Ohr zum anderen und malt mir gaaaaaaaaaanz viel Meer dazu…..nun ja, so ist das eben mit den jungen Herren…übrigens Piraten-Piloten-Ritter-Profifußballer in Ausbildung….sie achten halt drauf, den unwissenderen Familienmitgliedern auch ein paar Gedankenstützen einzubauen…ich bedanke mich….)

So, und nun macht euch doch bitte selber ein Bild: (jaja, ich weiß, es ist ein klar erkennbares Seeungeheuer und kein Drache…..)

Seeungeheuer


behütet

Gestern spät am Abend fuhr ich mit meinem Auto vom Bahnhof nach Haus zu mir. Eigentlich keine schlechten Fahrverhältnisse, trockene Fahrbahn, klare kalte Winternacht.

Als ich von Hauptstraße in die Ortszufahrt einbiegen will, sehe ich vor mir in der Kurve der Zufahrt eine spiegelglatte schwarze Schicht, die den Boden dort an der Stelle überzieht und weiß, ich kann dem nicht ausweichen. Wieso ist es dort jetzt eisig, wo kommt das her, was tu ich, was passiert mir gleich.

Und in dem Moment, das Gesicht eines lieben Bekannten aufleuchten sehen, in meinen Gedanken seinen Namen sagen „Norbert“ und dann überrascht feststellen, wohl behalten über das Eis drüber gekommen zu sein ohne schleudern, ohne Schaden. Herzklopfen. Dankbar.Und mit dem Gefühl, da hat mich jetzt jemand drüber gehoben.

Norbert verunglückte vor fast 10 Jahren in der Nacht meines 30. Geburtstages tödlich an dieser Stelle,  ein Weinhändler mit seinem Kleinlastwagen kehrte damals dort mitten auf der Fahrbahn um, weil er die falsche Abfahrt erwischte und Norbert konnte nicht mehr ausweichen.

Danke, Norbert.


Angespannt

Manchmal sind Spannungen die man erlebt so groß, dass man sie als enorme Herausforderung erlebt. Es ist wie ein Kräftemessen. Unfaire Druckmittel werden ausgespielt, weil jemand etwas erreichen möchte und selber keine andere Handhabe mehr zu haben scheint. Etwas ist schief gelaufen, man will Verantwortung abschieben und setzt deshalb andere unter Druck, um die Lücke, die durch jemand anderen entstanden ist, schnell schließen zu können und selber wieder gut dazustehen.

Diesen Druck zu spüren bekommen ist für mich oft eine Gratwanderund und manchmal hab ich das Gefühl, dass irgendwann der Tag kommt, wo es genau auch deswegen zu einem Bruch kommen wird, kommen muss.

Ich erleb gerade wieder einmal, wieviel Energie es mich kostet, mich abzugrenzen, mich nicht einspannen zu lassen und mich zu wehren, gegen eine Verpflichtung, die ich nicht wahrnehmen kann und vor allem, die ich auch nicht wahrnehmen will.

Ich erleb, wie unfair man manches wiederum versucht als Druckmittel einzusetzten und letztlich alles nur, um selber keine Entscheidungen treffen zu müssen, um alles von sich weisen zu können und nach außen hin wieder einmal gut dazustehen.

Ich will und werde weiterhin auf meinem Nein beharren. Auch wenn es mich viel Kraft kostet aber ich weiß ja, dass es für mich ein Nein ist, das mir Lebensqualität garantiert. Und dafür lohnt es sich doch zu kämpfen,selbst wenn alle Chefs der Welt sich gegen einen stellen.

Nein. Nicht mit mir.