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Nikolaus

Gleich mal vorweg ich bin Nikolausfan. Bekennender. War schon als kleines Kind fasziniert von dem Mann mit Rauschebart, dessen Stimme so sehr an meinen Papa erinnerte, aber mein Papa hat den Besuch des Nikolaus zu meinem Ärgernis ja immer verpasst, er kam da jedesmal zufällig zu spät vom Dienst nach Haus…..

Nun gut. Es wurden viele Nikolaussackerl heute verteilt und es gab viele strahlende Gesichter. Auch ich hab mich über meine schon sehr gefreut heut. Dienstag ist ja auch immer mein „Mutterhaustag“ – soll heißen, da bin ich am Nachmittag nicht in der Schule sondern im Büro im Mutterhaus. Und da sitz ich also am späten Nachmittag so am Computer und tippe fröhlich vor mich hin (und genieße Ruhe und Stille) da klopft was an der Tür. Erster Gedanke, ah die Putzfrau kehrt draußen schon zusammen. Es klopft nochmal, diesmal hartnäckiger. Oh, da will wer zu mir. Also Tür auf.

Und dann steht er da. Der Nikolaus. Groß, langer Rauschebart, schönes Kleid mit schönem Umhang, eine goldene Mitra mit bunten Steinen und natürlich ein Bischofsstab. Schwester Floriberta, die den Nikolaus begleitet, kann sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen, kein Wunder, wenn man mich so mit offenem Mund und großen staunenden Augen da stehen sieht. Der Nikolaus schlägt sein goldenes Buch auf und sucht meinen Namen. Und dann beginnt er zu erzählen. Das, was ihm Schwestern über mich erzählt haben. Und ich steh da. Gänsehautfeeling. So viel Wertschätzung, soviel Anerkennung für meine Arbeit und so viel Rückenstärkung für den weiteren Weg. Ich antworte artig auf die Fragen und ertappe mich dabei, wieder Kind geworden zu sein. Verlegen und mit roten Wangen steh ich aufgeregt da und hab Mühe, meine Rührung zu beherrschen, als mir der Nikolaus aus seiner Tasche Schokolade schenkt.

Der Nikolaus muss wieder weiter. Die Tür schließt sich wieder und ich steh allein im Büro. Mit einem Herzen angefüllt bis obenhin mit Freude und Dankbarkeit. Was ist das doch für ein Geschenk, wenn Menschen einander so wichtig nehmen, dass sie sich so viel Mühe machen. Erwartungslos. Bedingungslos. Nur der Sache wegen.Die Liebe, die diese Schwestern (die Franziskanerinnen von Vöcklabruck) schenken, lässt Menschen heil werden. Ganz tief innen drinnen, dort, wo wir es alle am Nötigsten haben.

Danke, lieber Nikolaus für dieses überraschende Wiedersehen nach gut 40 Jahren. Du hast dich kaum verändert……

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Zachor – Erinnere dich.

Fest der Freude am Heldenplatz in Wien. Gerne wäre ich selber heute vor Ort dabei. 

Ich vermisse meinen Großvater und meinen Onkel Cees. Die beiden Menschen, von denen ich gelernt habe, was Freundschaft bedeutet. Mein Großvater war ungefähr 18 Jahre, Krieg, er in den Niederlanden, in der Gegend von Alkmaar. Ausgangssperre. Der junge Soldat hat Dienst und entdeckt eine junges Mädel – Tini – die noch auf der Straße unterwegs ist. Er spricht sie an, begleitet sie nach Hause, kommt ins Gespräch mit ihr. Er kommt noch ein paar Mal zu der Familie und bemerkt bei einem Besuch die illegalen Waffen. Er bemerkt, dass er, der reichsdeutsche Soldat mitten im Widerstand gelandet ist. Er verlässt das Haus und verliert darüber nie ein Wort, er kehrt aber wieder. Er riskiert sein eigenes Leben. Der Krieg führt ihn weiter zurück nach Deutschland, Dresden- beim Bombenangriff verbrennt ihm der Stahlhelm die Ohren. Er ist ein junger Draufgänger, leistet sich viel und wird immer wieder strafversetzt. Seine Kriegstagebücher lassen uns ein wenig erahnen, was er alles erleben musste. Geredet hat er darüber nie sehr viel. Er konnte nicht. Weihnachten flossen bei ihm immer Tränen. Und er hat sich wohl ein Leben lang Vorwürfe gemacht für all das was er als Soldat mitunterstützt hatte und der Menschen wegen, die durch ihn zu Tode kamen. 

Waizenkirchen, 1951. Der Krieg vorüber, mein Großvater ein jungverheirateter Familienvater. Eines Tages läutet es an der Gartentür. Ein junger Holländer steht am Zaun. Wohnt hier ein Otto Tumeltshamer? Meine Eltern schicken mich, ihn zu suchen. Cees Ris, der Bruder von dem jungen Mädchen, das mein Großvater in der Nähe von Alkmaar damals nach Hause brachte, anstatt sie anzuzeigen. Cees und mein Großvater konnten einander damals nicht treffen, denn der 16 jährige Cees und einige seiner Freunde wurden kurz zuvor als Widerstandskämpfer verhaftet. Sie wurden in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1941 in Uitgeest verhaftet. Cees war bis Juni 1942 im Gefängnis Amstelveensweg in Amsterdam, anschließend bis August 1942 im Durchgangslager Amersfoort, September 1942 – Februar 1944 in Buchenwald, Februar 1944 bis Juli 1944 in Lublin (Majdanek). August 1944 bis Jänner 1945 in Auschwitz, Todesmarsch von Auschwitz zur tschechischen Grenze, Februar 1945 bis Mai 1945 Mauthausen bzw. die letzten Wochen in Gusen, im Nebenlager 2. Dort erlebte er vor heute 71 Jahren die Befreiung und kehrte zurück in die Niederlande zu seiner Familie, die ihr Glück gar nicht fassen konnten.  Und nun stand er am Gartenzaun meiner Großeltern. Cees Eltern wollten unbedingt in Erfahrung bringen, ob der junge Soldat von damals überlebt hatte, da die Briefe von ihm irgendwann endeten. Mein Großvater und er waren von diesem Moment an die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Ihre Familien – unsere Familien wurden in diesem Moment zu einer Familie und die beiden Männer haben das den Rest ihres Lebens so gelebt. Die Familie Ris war meinem Großvater so unendlich dankbar , dass er sie und die befreundeten Widerstandskämpfer nie verraten hatte und  sie hatten großen Respekt vor seinem Mut. Mein Großvater brauchte wohl diese Erinnerung zum Überleben, denn die „andere Seite“ , den befehlsausführenden Soldaten, gab es ja trotzdem und diese Erinnerungen machten ihm sehr zu schaffen. 

Ich hab mit ungefähr 14 Jahren zum ersten Mal von Cees Geschichte erfahren. Es war einherrlicher  Sommertag, Cees war mit seiner Frau, meiner Tante Truus zu Besuch bei den Großeltern und wir standen beide Hände waschend am Waschbecken. Ich entdeckte an seinem linken Unterarm eine tätowierte Nummer und fragte ihn, was das ist und ob das eine Bedeutung hat. Er hat mich angesehen und gefragt, ob ich in Geschichte in der Schule schon einemal etwas von Auschwitz gehört hätte. Ich bejahte und er meinte, nun, so eine Nummer bekam man, wenn man einmal in Auschwitz war. 

Mir war als Schülerin die Tragweite dieser Aussage damals nicht bewusst. Ich hab erst als junge erwachsene Frau begriffen,was mir mein Onkel Cees an diesem Sommertag ins Herz gepflanzt hat. Cees und mein Großvater konnten herrlich streiten, sie waren aber auch die dicksten Freunde und haben einander blind vertraut. Mein Großvater hat in Nordholland eine zweite Heimat gefunden und hat uns diese Liebe zu Land und Leuten und in erster Linie zur Familie Ris weitergegeben und auch wenn Cees und mein Großvater heute nicht mehr bei uns sind, so sind unsere Familien bis heute miteinander verbunden und wir sind dankbar, was wir voneinander lernen durften. Cees hatte kein leichtes Leben, auch wenn er ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann wurde, die Erinnerungen quälten ihn und er war ein Leben lang auf der Suche nach dem, der ihn damals verraten hatte. Cees hatte 2 Söhne und diese beiden Söhne hatten es durch die Lebensgeschichte ihres Vaters auch alles andere als einfach. Und so schwierig die Lebensgeschichten der beiden Männer, Cees und Otto, durch diesen Krieg sich gestalteten, so dankbar bin ich den beiden, für all das, was ich durch sie erfahren und erlernen durfte und vor allem dass sie mir durch ihre Geschichten Wege eröffnet haben, die ich bis heute gehe. 

Danke, dass ihr immer noch ein Teil von mir seid und vor allem, dass ihr immer noch mit mir seid. 
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Nichtsdestotrotz

3 Menschen gegangen,
Kommen nie mehr.
Die eigenen Seelen kraftlos und leer.
Nichtsdestotrotz.
Wir feiern das Leben.
Und mehr.

Projekt „txt.*“ https://www.facebook.com/projekttxt/

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Abgrundtief

Ich wage mich vor
an den abgrund meiner seele
und blicke hinunter
in das schier endlose dunkel.

ich konzentriere meinen blick
und durchdringe die nacht.
Ich begegne dem fremden,
das dennoch ein teil von mir ist.

ich erkenne
meine wut, meine ohnmacht und
auch meinen hass.
sie kauern unsicher und zerzaust
in der hintersten ecke
des dunkels.

lange bleibe ich stehen und betrachte
stumm, was diese grenze mir zeigt.
doch ich laufe nicht weg,
ich beuge mich tief und reiche die hand
meiner wut, meiner ohnmacht und auch dem hass.

sie kommen zaghaft nach vorne und treten
ins licht. sie verlieren ihren schrecken
und ich nehme sie an.
ungern, aber bewusst und wissend,
dass sie vervollkommnen die, die ich bin.

abgrundtief. das dritte wort. [*.txt] http://neonwilderness.net/2015/02/18/das-dritte-wort-txt/

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Schmerz (lat. dolor, griech. ἄλγος, álgos)…..

……ist eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann….

Über Schmerz zu schreiben ist gar nicht so einfach, denn Schmerz ist etwas sehr subjektives. Und manchmal lässt Schmerz sich sehr schwer beschreiben.

Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Kreuzschmerzen, Herzschmerzen, Regelschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen…. und was es da nicht noch so alles gibt. Und dann gib’s da noch so ganz unterschiedliche sehr schmerzhafte Erkrankungen und von Zeit zu Zeit darf ich mich selber auch mit so einer Neuropathie abplagen. Neuropathien sind Nervenschmerzen und der Nerv, der sich bei mir meldet, nennt sich Trigeminus. Eine unangenehme Sache, eine die eigentlich tierisch weh tut aber ich merk auch, wie schwer es mir fällt, darüber zu reden bzw. es zu erklären, weil es immer so absurd klingt und ganz oft auf Unverständnis stößt, wenn ich sag, mir bereitet ein Gesichtnerv solche Schmerzen, dass ich es – wenns denn wirklich mal wieder akut ist – ohne Schmerzinfusionen nicht schaffe. Ich erleb immer wieder, wie Menschen da ein wenig vor sich hinlächeln und es als Spinnerei oder Einbildung abtun oder halt eben mit “ a bissl Kopfweh“ gleichsetzen. Eigentlich ja eh nachvollziehbar, denn woher soll man denn wissen, wie sich das anfühlt. 

ja, wie fühlt es sich an….gute Frage. Wenn es wirklich ganz akut ist, dann hab ich für mich immer so das Gefühl, mein Nerv „brüllt“ los, was das Zeug hält. Der Schmerz überfällt einen manchmal aus dem Hinterhalt, manchmal schleicht er sich langsam ein. Wenn er dann da ist, nimmt er Besitz von mir. Bestimmt mein Denken und Handeln und dominiert mich. Deckt alles zu und pulsiert vor sich hin. Beständig, intensiv und unnachgiebig. Jeder Wimpernschlag tut weh. Jede Regung, jeder Gesichtszug, jedes Wort ist mit Schmerz verbunden.  Ich hab dann das Gefühl als würde jede Bewegung eines Haares am Kopf auch schon schmerzhaft sein. Frisieren kostet Überwindung. Ich sag manchmal, wenn mich wer fragt, wie man sich das vorstellen muss: stell dir vor, du liegst mit einer Hälfte deines Gesichtes in einem Stecknadelkissen. Der Schmerz raubt mir im Lauf des Tages die Luft. er zermürbt, macht müde, macht traurig und manchmal lässt er einen auch verzweifeln. Infusionen mit Schmerzmitteln bringen Erleichterung….seliges Dahindämmern im Drogenrausch zumindest für ein paar Stunden, dann merkt man, dass der Schmerz sich seinen Weg wieder bahnt aber immerhin ist er abgedämpft und  erträglicher. Ich bin unleidig, bin froh, wenn ich mit niemandem reden muss – was in meinem Job aber nicht ganz so einfach ist und meist geh ich ja trotzdem arbeiten, denn jede Ablenkung ist willkommen, denn ansonsten rennt man ja sowieso nur im Kreis und hört in sich hinein und gibt dem Schmerz noch mehr Raum.

Und dennoch neben all dem mühsamen auch die Erkenntnis, man lernt mit diesem Schmerz leben. Man weiß, dass ein, zwei, dreimal im Jahr solche Attacken auftauchen. Man weiß, das werden mühsame Tage aber man weiß auch, sie gehen vorüber. Man versucht, sich zwischendurch immer wieder auszuruhen, man versucht, sich abzulenken. Man weiß und spürt, wie reizbar man ist, wie schnell man in der Höhe ist und am liebsten auszucken möcht. Man ist ungeduldig und unruhig. Und manchmal möcht man sich einfach nur verstecken und heulen, weil man sich selber nicht mag, weil man den Zustand nicht mag und weil man den Schmerz nicht mehr aushält und er nicht und nicht weichen will.

Und Gott sei Dank gibt es Menschen, die einen in solchen Zeiten ermutigen, die einen aushalten und die einen Durchtragen. Vielleicht mag sich der eine oder andere jetzt denken, was für eine theatralische Jammerei. Ich hör auch schon wieder auf damit. Aber ich wollte mir wenigstens ein einziges Mal selber erlauben auszusprechen, dass es einfach verdammt weh tut. Denn man will es diesem Schmerz ja nicht und nicht zugestehen, dass er eventuell irgendwann mal Erfolg haben könnte und er einen klein kriegt. Noch bin ich die Stärkere

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Musik….sommersanft…..

Musik kann ein wahres Geschenk sein… versinken in den Melodien…. sich davon tragen lassen von den Klängen…. eins werden mit der Musik….Bilder entstehen lassen und darin spazieren gehen….loslassen….den Alltag hinter sich lassen….eintauchen in neue Bilder- und Klangwelten…. tanzen…sich frei fühlen….aufatmen….

Manchmal ist es ein Impuls, der einen im Geschäft nach einer CD greifen lässt…..machmal ist es ein Mensch, der seine eigene Musik macht und Texte dazu schreibt und dieser Mensch macht Lust auf seine Musik…. manchmal sind es Ausschnitte, die man im Vorbeigehen hört und die einen nicht mehr loslassen, sodass man sich auf die Suche nach dieser Musik macht….manchmal ist es das eigenen Musizieren, das zur Freude für einen selber und die anderen wird und manchmal ist es Musik, die einem einfach geschenkt wird.  So geschehen. Heute. Und ich freu mich drüber. Sehr.

CD Tipp: Quadro Nuevo, Antakya  …. ein wunderbares Geschenk… danke dafür.


gastbeitrag :)

Ein Gastbeitrag. hm. man wird eingladen und gefragt, ob man nicht Lust hätte an einem Projekt mitzuschreiben bzw. einen Gastbeitrag zu verfassen. Das Projekt nennt sich Sommerworte und ist eine Idee von Dominik Leitner (bekannt auch als @just4ikarus ), dessen Texte und Gedanken  ich jedem/ jeder nur wärmstens empfehlen kann.

Nun, der Gastbeitrag ist fertig und auch veröffentlicht 🙂

Wen’s interessiert, was dabei rauskam, der möge bitte unter Küchengedanken nachblättern. Viel Vergnügen.