Archiv der Kategorie: Nicht kategorisiert

Griechischer Wein

Vor ein paar Tagen hab ich am Schulgelände den Vater einer ehemaligen Schülerin getroffen. Wir sind einander immer noch herzlich verbunden, ich hab die griechische Familie in den Jahren, in denen die Tochter bei uns war, sehr schätzen gelernt. Sie waren neu in Österreich, standen am Anfang und wollten sich eine neue Existenz aufbauen. Mit viel Fleiß haben sie es auch geschafft. Für die Tochter haben sie sich immer engagiert, haben ihre Dankbarkeit über die Möglichkeit, in unsere Schule zu gehen, immer wieder zum Ausdruck gebracht und das was mir besonders hängen geblieben ist, ist, dass der Vater immer gut aufgelegt wirkte und unendlich optimistisch an alles heranging.
Vor ein paar Tagen also diese zufällige Begegnung, er fragt, „ wie geht es, Frau Direktor?“ und ich sag nur kurz, dass wir gerade „Aufnahmestress“ haben.
Das ist für mich persönlich in der Tat eine der anstrengendsten Wochen oder eigentlich wirklich die anstrengendste Woche überhaupt im ganzen Schuljahr. Die Bescheide über Schulplatzzusagen sind bei den Familien angekommen und da wir sehr, sehr viele Anmeldungen haben, müssen wir leider auch immer wieder Familien enttäuschen und können nicht allen einen Schulplatz zuweisen. Viele haben dafür Verständnis, aber es gibt jedes Jahr auch Viele, die via Telefon oder auch persönlich bei mir in der Direktion ihren Frust abladen. Es macht manchmal sprachlos, mit welcher Vehemenz das gemacht wird und vor allem mit welchen Argumenten begründet wird, warum jemandem ein Schulplatz an unserer Privatschule definitiv zustünde und wie unfähig ich bin, weil ich das nicht erkenne. Da tun sich manchmal Abgründe auf, die tief in die österreichische Seele blicken lassen. Passt ein wenig auch zu all den Meldungen über extreme Hamsterkäufe, Diebstahl von Desinfektionsmitteln aus Kliniken und so, weiter und so fort. Daneben die Bilder aus den griechischen Flüchtlingslagern. Es macht mich sprachlos, wenn ich unseren Bundeskanzler mantraartig herunterbeten höre, dass Österreich zu den am meisten belastetsten Ländern der EU zähle und wir daher sicher keine der Kinder (und Frauen) aufnehmen. Wir bunkern Lebensmittel, weil uns ein Virus zu schaffen macht, aber wir haben kein offenes Herz für die Menschen in den Lagern, die dort unter unmenschlichsten Bedingungen leben. Allein der Gedanke, wieviele unbegleitete Kinder dort auch festsitzen, schnürt mir die Luft ab. Aber diese Kinder sind gefährlich für unser Land, denn wenn wir sie hereinlassen hat auch der Rest der Familie Recht auf Nachzug….klar, Eltern machen das aus reiner Berechnung, dass sie ihr 12 jähriges Kind alleine in eine ungewisse Zukunft schicken und nicht mal sicher wissen können, ob ihr Kind überlebt. Es macht mich wütend, wenn man die Augen verschließt und sich bequeme Scheinwahrheiten zurecht legt.

Aber zurück zu meinem griechischen Schülervater. Gestern ruft er an, ob ich heute in der Schule bin, er muss mir was vorbei bringen. Und dann stürmt er heute mittag strahlend in meine Direktion, stellt mir eine große Papiertasche auf den Tisch und sagt „Sie brauchen gutes Essen für gute Laune und deshalb hier Moussaka und ein bisschen Wein für Sie“. Ich bin kurz mal sprachlos. Ja, klar, man kann ihm unterstellen, dass er noch einen kleineren Sohn hat, den er in zwei, drei Jahren auch in unserer Schule unterbringen will und ich weiß, dass das viele auch tun würden. Warum? Weil wir verlernt haben, einander absichtslos Gutes zu tun und sofort eine Absicht hinter solchen Gesten wittern. Tischgemeinschaft. Teilen. Abgeben von dem, was ich hab und mich mit anderen freuen. Wir sollten das wieder einüben.
Die Geste dieses Griechen hat mich tief berührt und fast ein wenig beschämt, seine Freude über meine Freude , während wir die Menschen in Griechenland und in der Türkei im Stich lassen.
Letztlich haben wir einander dann spontan umarmt und ich bin unendlich dankbar für diese Begebenheit.

Und ja, das Essen war herrlich.


5 Sterne Gedanken

Jetzt ist sie also da, die App Lernsieg mit der man Schulen und Lehrer bewerten kann und selten hat mich etwas so irritiert wie diese 5 Sterne.

Ich lade die App herunter und finde meine Schule (und auch schon 2 Bewertungen zu dieser) und zu meinem großen Erstaunen tatsächlich alle Namen meiner Lehrer und Lehrerinnen. Kein Mensch hat sie gefragt, ob sie namentlich auf dieser App erscheinen möchten. Man argumentiert, dass das die Daten sind, die ohnehin auf jeder homepage veröffentlicht seien. Stimmt, meine Lehrer stimmen zu, dass ihr Name unter dem Lehrerfoto erwähnt ist und dass die Sprechstundenlisten online sind und sie wissen auch, dass mehr mit ihrem Namen nicht geschieht.

Ich möchte gefragt werden, wenn ein Anbieter meinen Namen auf einer App veröffentlicht, da red ich noch gar nicht von Bewertung.

Bewertung ist eine sehr komplexe Sache (also insgesamt, die auf der App ist alles ander als komplex). Der Kommentar von vielen, dass es nicht zulässig sei, dass Lehrer sich über eine Bewertung von 1-5 beschweren, wo sie doch selber ihre Schüler ständig von 1-5 bewerten, hat einen ordentlichen Haken. Ja, wir haben ein Ziffernnotensystem von 1- 5 . Aber diese Noten werden im Normalfall (sic!) nicht aufgrund einer subjektiven Befindlichkeit vergeben, sondern nach streng in der Leistungsbeurteilungsverordnung festgelegten Kriterien. Das ist meiner Meinung nach schon ein großer Unterschied.

Ich bin durchaus dafür, dass Lehrer und Lehrerinnen ihr Tun kritisch reflektieren und Feedback von Schülern, Kollegen und auch Eltern dabei hilfreich sein kann, aber eben nur, wenn auch dieses Feedback bestimmten Kriterien unterliegt und dadurch konstruktiv wird.

Die App Lernsieg ermöglicht jedem, der eine Telefonnummer angibt, eine Bewertung abzugeben. Das heißt, der Nachbar, der sich über einen meiner Lehrer ärgert, kann das genauso tun, wie einer, der sich einen Jux machen will oder eine, die sich geärgert hat, weil sie gegen eine Regel verstoßen hat und eine Lehrerin das geahndet hat. Die aufleuchtenden Sterne geben darüber aber keinerlei Auskunft. Man hat eine Stimme pro Schule und pro Lehrer die man abgeben kann. Gut, neue Telefonnummer, neues Glück….. man kann, wenn man will, schon dafür sorgen, dass ein Lehrer innerhalb kürzester Zeit auf die Bewertung kommt, die man ihm gönnt.

Und ja, machmal gönnt man dem anderen auch, dass es ihm oder ihr schlecht geht. Denen zeigen wir’s….. und das macht mir wirklich Sorgen. Lehrer und Lehrerinnen sind – welch Überraschung – Menschen. Und vor allem, wir sind, wie alle anderen auch Menschen mit Emotionen. Und, auch wir Lehrer kommen an unsere Grenzen, sowohl manchmal physisch, wenn wir uns halb krank in die Schule schleppen, weil a Klasse bald Mathe Schularbeit hat und sie die Übungsstunde brauchen, manchmal auch psychisch, weil vielleicht Lebensumstände extrem herausfordern oder berufliche Situationen zehren.

Sterne leuchten nicht nur, sie haben auch scharfe Zacken. Die Kehrseite der Medaille. Und diese Sterne können Menschen fertig machen. Es werden whats apps mit screen shots herumgeschickt…hast gesehen? Der xy hat nur einen Stern, der Loser…..die yz aber eh auch, gschieht ihr recht, der depperten Kuh. Man informiert sich, bevor man sein Kind an eine Schule schickt und schaut mal nach….. oh Gott, mein Kind kriegt den xy in Deutsch, der hat nur einen Stern. Diese Eltern kennen den xy zwar nicht, aber werden ihm mit Vorbehalten begegnen, weil er ja schlecht beurteilt wurde und manch ei Kollege, eine Kollegin wird sich lange Zeit vergeblich abmühen und sein/ihr Bestes geben, es wird nicht gesehen werden, denn ist der Ruf erst ruiniert…..

Der Entwickler der App, ein 17 jähriger Schüler, meinte im Interview, dass Lehrer sich dann aufgrund der App freuen könnten, dass ihre Arbeit Wertschätzung erfährt. Ehrlichgesagt hab ich von ausgedrückter Wertschätzung einen ganz anderen Begriff, eine ganz andere Vorstellung.

Ich hab manchmal,das Gefühl, Lehrer und Lehrerinnen sind in unserer Gesellschaft Freiwild geworden. Zum Abschuss freigegeben. Pauschal verurteilt, pauschal beurteilt, aber letztlich werden wir für so ziemlich alles verantwortlich gemacht.

Eine App, die Menschen nur mit Sternen bewertet finde ich Menschenverachtend, egal ob es dabei um den Uber Fahrer, den Pizzaboten oder die Lehrerin geht. Es drängt sich das Bild von Kaiser Nero auf, Daumen nach oben oder nach unten. Ich wünsch mir einen sinnvollen Diskurs, ich wünsch mir angstfreie Feedbackmöglichkeiten und konstruktive Beiträge. Ich trau meinenSchülern und Schülerinnen wirklich viel zu und ich weiß, wie gut sie auch feedback geben können. Wir nutzen nämlich durchaus auch feedbackplattformen, die es ja gibt, auf denen aber differenziert hingeschaut wird und die durchaus hilfreich für einen Lehrer, eine Lehrerin und deren Schüler/Schülerinnen sein können.

Und ich wünsche mir Respekt und Wertschätzung für die Menschen, die tagtäglich Stundenlang viel Herzblut einsetzen, um junge Menschen zu kritikfähigen, mündigen Menschen zu erziehen und ihnen auch noch das nötige Wissen zu vermitteln, damit sie gut Fuß fassen können in dieser Welt. Ja, schwarze Schafe gibt es, das ist mir bewusst, aber die gibt es auch in allen anderen Berufsgruppen. Manchmal gewinnt man halt schon den Eindruck, dass grad über Lehrer dann immer wieder pauschal der Stab gebrochen wird.

Ich bin gespannt, wie die Diskussion in dieser Sache weiter gehen wird, aber ich fürchte, wir Lehrer und Lehrerinnen werden uns in den nächsten Tagen noch oft anhören dürfen, wie gut es ist, dass wir uns endlich verantworten müssen und diese Bewertungen eh längst überfällig sind.

Es wundert mich nicht, dass viele heute diesen Beruf nicht mehr ergreifen wollen.

Dabei zählt er für mich nach wie vor zu den schönsten, die es gibt. Junge Menschen begleiten, unterrichten und ihnen helfen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln ist mehr als ein Job. Und vor allem ist es mehr, als man mit 5 Sternen ausdrücken kann.


Until we meet again…

Lieber Wolfgang,

der Zeitpunkt des Abschiednehmens ist da, es ist an der Zeit loszulassen.

Eigentlich ist es gar nicht an der Zeit, sondern viel zu früh. Dein unerwarteter und plötzlicher Tod letzte Woche hat viele erschüttert, so auch mich. Viele Jahre waren wir Kollegen, unsere Schreibtische fast nebeneinander. Oft waren wir anderer Meinung, aber wir haben nie die Wertschätzung füreinander verloren.

Du warst ein Streitbarer, keine Frage, aber vor allem warst Du einer mit einem großen Herzen und einer, der sich engagiert hat. Ob als leidenschaftlicher Kirchenmusiker, Chorleiter oder als Handwerker oder Gärtner. Viel warst du für andere da, unkompliziert hast du geholfen und eigentlich konnte man dich um alles bitten. Deine Leidenschaft für Holz und deine Begabung Holz zu verarbeiten hat mich immer fasziniert und gerade in diesen Tagen bemerke ich deine Spuren auch in meinem Zuhause…. Der Holzschemel, der Meditationshocker, die Schildkröte, das Spaghettimaß und deine Schneerosen. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, als du mir vor vielen Jahren eine kleine Schneerosenpflanze auf den Schreibtisch gestellt hast, weil du wusstest, dass ich mir eine für meinen Garten gewünscht habe. Heute ist es eine stattliche große Pflanze und mittlerweile blüht sie auch. Genau über diese Schneerosen hab ich heute mit deiner Frau gesprochen, weil sie heuer blühen, wie verrückt…. Und deine Frau sagte, „na dann gehörst du zu den besonderen, die Wolfgang sich ausgesucht hat, weil bei vielen blühen sie gar nicht“

Ich bin überrascht und dankbar wieviel positive Erinnerungen da sind, wenn ich an dich denke…. Überrascht, weil im Alltag so oft untergeht, wie sehr man einander doch schätzt und es einem oft erst so bewusst wird, wenn etwas oder jemand nicht mehr ist.

Im gemeinsamen Musizieren sind wir einander immer wieder begegnet und diese Melodie wird dankbar in mir nachklingen….. Und deshalb – und auch weil ich weiß, dass du darauf vertraut hast – wünsch ich dir until we meet again, may God hold you in the palm of His hand…… Mach’s gut, lieber Herr Kollege…..


Was bleibt….

Noch kann mein Verstand nicht fassen, dass du nicht mehr da bist, ich schau auf meine Telefon und seh noch deine letzte Nachricht von Neujahr…..voller Pläne warst du für das neue Jahr und dann reißt ein Unfall auf der Heimfahrt von einem Einsatz dich aus dem Leben. 51 Jahre ….51 Jahre in denen du vielen Vorbild warst in deinem beispiellosen Einsatz für die, die dir wichtig waren, allen voran deine Sonne und die zwei Mädels.

Ich bin dankbar für die Zeit, die uns geschenkt war, für die Begegnungen, Nachrichten, für die Rolle in deinem Krimi, die du mir zuteil hast werden lassen und noch so viel mehr.

Du hinterlässt uns viel und ich denke, alle, die dich gern hatten, werden daran arbeiten und sich bemühen, die Welt in deinem Sinne ein wenig besser zu machen….

Dein Engagement für andere, dein Einsatz bei der Feuerwehr in allen möglichen Ländern, deine Kreativität, dein Sanftmut, dein Humor, deine unverbesserliche Zuversicht, deine Herzlichkeit, deine bedingungslose Gastfreundschaft, deine Offenheit, deine Großzügigkeit, dein Herz für junge Menschen, dein Ideenreichtum, das lustige Funkeln in deinen Augen, deine Besonnenheit, deine Sensibilität und Empathie.

Wir werden dich im Herzen halten und in deinem Sinne weitergehen, auch wenn wir heute alle nicht fassen können, was geschehen ist.


dem Leben ein Fest

wir versammeln uns um dich und

beginnen ein fest, wie in den großen traditionen.

große feste beginnen am vorabend.

dein lachen begrüßt uns

und noch fällt es schwer, es zu erwidern.

wir feiern dein fest, auch wenn wir dich morgen zu grabe tragen.

am abgrund des todes dem leben ein fest und die spuren

deiner unerschütterlichen liebe zum leben tanzen und singen.

du hast gekämpft, bist immer wieder auf die beine gekommen, hast dich vom rollstuhl

nie bezwingen lassen.

du hast uns angesteckt mit deiner lust auf leben, deinen mann, deine kinder, deine

familie und uns alle. ich kann mich an keine begegnung ohne lachen mit dir erinnern.

du forderst uns auf mit deinem viel zu frühen tod, dem leben ein lachen zu schenken,

du zeigst uns, wie wertvoll und not_wendend es sein kann, die prioritäten zu ändern,

ohne wenn und aber konventionen hinten anzustellen und das leben zu lieben.

du wirst uns nah bleiben und die erinnerung an dein lachen wird uns begleiten und

wege weisen, wenn wir uns zu verirren drohen in unseren hamsterrädern.

den eigenen tod müssen wir sterben, doch den tod derer, die uns nah sind müssen wir

leben.

danke, dass du warst und nun bist.


Empört euch…oder was die Ankündigung von Schulreformen mit einer Direktorin macht.

Ja, ich empöre mich.

Ich bin wütend und zornig.

Nach einem intensiven Arbeitstag im Dienst von vielen Kindern steige ich ins Auto, um aus dem Radio wieder einmal nicht unwesentliche Informationen meinen Beruf betreffend zu hören. Ich mag das ja besonders gern, solche Dinge über die Medien mitgeteilt zu bekommen. Der neue Herr Minister, der uns noch nicht mal eine Begrüßungsmail geschickt hat oder einen Brief geschrieben hat, erklärt also, dass die Neue Mittelschule reformiert werden soll, Teamteaching verändert und die Notenskala wieder rückgeführt werden soll.

Soll ich gleich losheulen oder hysterisch lachen -ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, was mich morgen in der Schule erwarten wird. 30 Lehrer/innen, die von mir wissen möchten, ob das, was heute in den Medien gesagt wurde, tatsächlich stimmt. Ich will nicht sagen müssen, ja, liebe Kollegen, große Teile von dem, was wir mühevoll erarbeitet haben und wo wir jetzt endlich begonnen haben, die Früchte zu ernten, werden wieder in den Schubladen verschwinden und wir gehen wieder zurück an den Anfang, der ohnehin auch schon eine Systemkatastrophe war. Ich will morgen nicht sagen müssen, ja, für zwei oder drei von euch wird das auch bedeuten, dass ich keine Stunden mehr für euch haben werde. Und ich will den Eltern nicht erklären müssen, dass das, wovon wir sie mittlerweile überzeugen konnten, nun doch wieder obsolet ist.

Eine meiner ersten Aufgaben als Schulleiterin war es, die damalige Hauptschule in eine Neue Mittelschule umzuwandeln. Wir haben unzählige Fortbildungen besucht, ungezählte Stunden in Teambesprechungen verbracht, haben externe Begleitung gesucht,um unser Tun besser reflektieren zu können und Veränderungen hinsichtlich neuer Methoden und neuer Aufgabenkultur herbei zu führen. Wir haben uns bemüht weit bis an unsere Grenzen, wir haben unglaublich viel Herzblut investiert, um verunsicherte Eltern davon zu überzeugen, dass es gut ist, was wir tun und dass Neue Mittelschulen Kinder fundiert vorbereiten auf entweder Lehrstellen oder weiterführende Schulen.

Wir lassen uns medial durch den Fleischwolf drehen, werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, wie etwa zu wenig Medaillen bei olympischen Spielen und so weiter und dennoch geben wir nicht auf und bleiben dran. Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem selbst die engagiertesten mutlos werden und resignieren, um dann halt nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.

Dabei wünsch ich mir nichts anderes, als dass wir gehört werden, dass man gerade auch mit uns Schulleitern ins Gespräch kommt unseren Blick wahrnimmt und mit ein bezieht in Entscheidungen. Derzeit sind wir leider nichts anderes, als Spielbälle der jeweils Mächtigen.

Es muss uns doch verdammt nochmal bewusst sein, dass die Kinder in unseren Schulen, die Zukunft unserer Gesellschaft sind.

Ich hab für mich persönlich noch nicht entschieden, wie mein künftiger Weg in diesem System ausschauen wird, aber ich weiß, dass ich immer an der Seite der Kinder sein werde und zwar auch vor allem jener, die es nicht so leicht haben, die handicaps haben, die sozial schlechter gestellt sind, die Heimat brauchen und davon wird mich auch die mutwillige Zerstörung eines Systems nicht abhalten.

Es ist verantwortungslos unseren Kindern nicht die bestmöglichen Ausbildungen zuteil werden zu lassen, weil eigene Interessen oder politische Programme wichtiger zu sein scheinen. Es ist verantwortungslos, Gesamtschule nicht einmal andenken zu dürfen ohne gleich wieder geprügelt zu werden. Und es ist verantwortungslos und hochgradig gefährlich, eine junge Generation in Systeme zu stecken, die Bildung verhindern. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja sogar gewollt. Je weniger Bildung, umso mehr Chance dem Populismus, den fake news, den Verhetzungen und Verleumdungen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, uns das alles gefallen zu lassen.


Familienbande

Es hätte ein großes Fest werden sollen, der 100 er meiner Tante Paula, (die eigentlich die Schwester meines Großvaters war) aber alles kam anders, da sie uns im Jänner verließ.

Meiner Tante war diese Familienzusammenkunft immer sehr wichtig und so haben ihr ihre Enkelinnen das Versprechen gegeben, dass wir auch feiern würden, wenn sie einmal nicht mehr ist. Das Versprechen wurde gehalten und ein Termin vereinbart. Was wir damals bei der Beerdigung meiner Tante alle nicht ahnen konnten, war, dass uns bis zu dem angesetzten Feiertermin noch 3 aus der Familienrunde verlassen würden, darunter leider auch mein Paps.

Und so sind wir heute alle zusammen gekommen mit sehr gemischten Gefühlen, aber jetzt am Abend kann ich auch sagen, dass mich schon lange kein Familienfest mehr so berührt hat, wie das heute.

Wir haben heute gemerkt, dass wir miteinander lachen und weinen können, dass wir füreinander da sind und dass wir Emotionen und Trauer nicht verbergen brauchen. Wann immer eine/r von uns mit den Tränen zu kämpfen hatte, war mindestens ein/e andere/r da, um sie/ihn in den Arm zu nehmen.

Es gab so viele liebevolle Details. Rudi, der Hausherr, hat in seiner Begrüßungsrede schon so liebevoll all derer gedacht, die wir noch so gern bei uns gehabt hätten.

Normalerweise gab es immer ein Schätzspiel. Das gibt es nun nicht mehr, denn die letzten beiden Gewinner waren meine Tante Paula und mein Paps und deshalb sollen die beiden auch in Hinkunft die Nummer eins bleiben.

Wir haben es wie alle Jahre gemacht, gemeinsames Mittagessen, wir „Jungen“ (also die Generation beinahe 50) kümmerten uns dann um Geschirr, Gläser,Abwasch etc…. die Kinder tobten im ersten Stock und hatten Spaß, die Oldies plauderten am Tisch, wir bauten das Buffet ab und den Kuchentisch auf und freuten uns, dass wir es auch dieses Jahr geschafft haben.

Und wie alle Jahre haben wir dann mit Sekt angestoßen auf meine Tante Paula, aber auch auf meinen Paps und die beiden anderen, die fehlen.

Wir ließen bunte Luftballone in den nebelgrauen Himmel steigen, an jedem hing ein guter Gedanke oder Wunsch für die, die nicht mehr hier sind.

Mein Onkel hatte unglaublich liebevoll Fotos der Geburtstagsfeiern der letzten zehn Jahre herausgesucht und als Präsentation zusammengestellt….bei vielen Fotos mussten wir schmunzeln, bei manchen kamen uns die Tränen und doch war es gut, sich gemeinsam zu erinnern.

Meine Tanten haben uns überrascht und die eine hat für jeden einen kleinen Engel gebastelt und die andere für jeden ein Stoffherz genäht, um zu zeigen, wie wichtig ihnen der Tag heut war.

Und wenn einen genau diese Tanten dann beim Abschied fest in den Arm nehmen und ins Ohr flüstern „ich bin so froh, dass es dich gibt“ , dann bin ich dankbar und berührt Teil dieser wunderbaren Familie sein zu dürfen…….