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Plädoyer für den Nikolaus

Ich muss zugeben, ich musste gestern schmunzeln als ich gehört habe, dass der Nikolaus zu beruflichen Zwecken außer Haus gehen darf. Gleichzeitig hab ich gemerkt, dass ich mich ehrlich auch über diese Nachricht gefreut habe.

Ich hab dabei nicht an all die Schokoladennikoläuse gedacht, die in den Geschäften seit Wochen herumstehen, sondern an die Vielen, die sich am 6. Dezember als Nikolaus verkleiden, um so dann Familien zu besuchen. Wir erleben derzeit sehr schwierige und herausfordernde Zeiten und gerade auch Kinder sind davon stark betroffen, auch wenn man das auf den ersten Blick oft gar nicht so wahrnimmt. Kinder haben sehr feine Antennen und spüren ganz oft beinahe instinktiv , wenn etwas nicht stimmt. Sie nehmen Unausgesprochenes dennoch wahr und spüren die Belastung und Sorgen der Eltern, die Unsicherheit der Gesellschaft, Existenzsorgen und Ängste. Auch wenn sie viele dieser Wörter noch gar nicht kennen, sie spüren, dass etwas anders ist. Manche ziehen sich zurück, manche werden aggressiv, manche bemühen sich besonders, es Mamma und Papa recht zu machen, um ihnen damit quasi Sorgen zu mildern. Und Kinder haben Sehnsucht.

Sehnsucht nach Normalität, nach Stabilität. Die Vorfreude auf den Nikolaus und der Besuch des Nikolaus sind für viele Kinder ein Höhepunkt und läuten quasi Weihnachten ein. Auch wenn die Größeren hundert Mal wissen, wer hinter dem weißen Bart steckt, sie sind dennoch freudig angespannt und wenn die Tür aufgeht und der Nikolaus da steht, dann strahlen Kinderaugen mit Kerzenlichtern um die Wette. Ich freu mich für jedes Kind, das diesen Moment auch heuer erleben darf.

Aber nicht nur Kinder sehnen sich nach dieser Normalität und nach Sicherheit, das tun auch wir Erwachsene. Ich hab gemerkt, wie sehr ich mich über den großen Adventkranz in der Schule gefreut hab, weil er für mich so ein Hinweis war, hey schau, es wird Advent, Corona hin oder her. Diese Pandemie fordert uns als Gesellschaft heraus und fordert viel auch von jedem persönlich. Und dennoch dürfen wir dankbar sein, dass nicht alles von dieser Pandemie verschlungen wird. Wir werden am Sonntag die erste Kerze anzünden, wir backen Kekse, wir schreiben Weihnachtskarten und wir merken, all das tut uns gut und erdet in dieser unsicheren Zeit.

Viele von uns erleben Advent oft als sehr hektische Zeit und weit entfernt von der „stillsten Zeit im Jahr“. Dieser Advent bietet uns die Chance, wirklich einmal ruhigere Wochen zu erleben und diese Ruhe ganz bewusst auch wahrzunehmen und zu genießen. Ruhe nicht als Verzicht, sondern Ruhe als Geschenk. Auch wenn Geschäfte wieder öffnen, auch wenn es verlockend ist, sich diesem Konsumrausch wieder hinzugeben, weil auch das für manche zur Normalität dazu gehört, es wär den Versuch wert, diesmal etwas anders zu machen.

Ich weiß nicht, was Weihnachten bringen wird, ich weiß nicht, wie es dieses Jahr werden wird, ich vermisse Herzensmenschen, ich vermisse Familientreffen, ich vermisse Umarmungen, Nähe und Unbeschwertheit. Und dennoch freue ich mich auf den Advent, weil mir das Licht in der Dunkelheit Hoffnung ist, dass auch wieder andere Zeiten kommen, dass Warten manchmal wirklich anstrengend und herausfordernd ist, dass Geduld zwar nicht meine Stärke ist, aber dass es sich lohnt,geduldig zu warten, mit Zuversicht im Herzen.

Lassen wir es Advent werden in uns. Der Nikolaus hilft.

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kopfzerbrechen

Fangen wir mal mit den Basics an.Ich bin seit 30 Jahren im Schuldienst und leite seit 9 Jahren eine Mittelschule im städtischen Bereich.
Mein Job ist der, den ich mir ganz bewusst ausgesucht hab, niemand hat mich wo reingezwungen oder reingeritten, nein, ich wollte diese Schule ganz bewusst leiten und gemeinsam mit meinem Team gestalten.
Meine Schule ist ein Ort, an den ich gerne komme, ein Ort, an dem ich gerne Arbeite, weil Vieles wirklich gut passt.Ich hab ein engagiertes Team und gemeinsam begleiten wir ein paar hundert wunderbare Kinder 4 Jahre auf ihrem Bildungsweg und tragen zu ihrer Entwicklung und zu ihrem Wissenserwerb bei und ja, wir leisten auch unseren Beitrag zur Herzensbildung.

Und dann kam Corona.

Das Sommersemester haben wir unter Aufbringung aller Kräfte wirklich gut gemeistert, wir konnten flott auf distance learning umsteigen, weil wir schon auf einem guten digitalen Weg waren(sind), unsere Kinder sind uns ein Anliegen, deswegen haben wir quasi alles gegeben.
Das Chaos von „Oben“ her war da auch schon groß, aber irgendwie hatte ich Verständnis, weil diese Krise ja für alle neu ist und keiner wirklich weiß wie‘s geht.

Und dann kam der Sommer.

Eigentlich hätte das Sommerschulchaos schon ein Hinweis darauf sein können, dass meine naive Annahme, man werde von Seiten der Verantwortlichen die Zeit gut nutzen, um für den Herbst gerüstet zu sein. Die erste Leiterdienstbesprechung hat gezeigt, dass auch unsere Bildungsregionen (früher Bezirksschulrat) im Regen stehen.

Und dann kam der Schulbeginn.

Möglichst normal sollte alles sein, vermitteln Sie Zuversicht, rief der für uns zuständige Minister uns zu. Lösen Sie Dinge, die wir für Sie nicht gelöst haben, seine Sie kreativ, lassen Sie sich etwas einfallen, unterrichten Sie im Freien, mischen Sie keine Gruppen durch, schauen Sie, dass Sie möglichst kleine Gruppen haben, natürlich bekommen Sie dafür nicht mehr Ressourcen und Personal schon gar nicht, denn Lehrermangel macht sich auch schon breit.

Wir tun und werken also, versuchen Lösungen zu finden, raufen uns die Haare, weil wir oft keine Antworten mehr haben, aber wir machen Schule. Wir planen um, haben Notpläne in petto, leben in ständiger Alarmbereitschaft. Die Unzufriedenheit steigt, Stimmen werden laut, Herr Minister lässt uns ausrichten, dass wir Leiterinne zu wenig entscheidungsfreudig seien und alles immer nur vorgegeben haben wollen. Wir sollen schulautonome Entscheidungen treffen. Können wir zum Teil aber nicht, weil es Covid Verordnungen gibt, die unseren Entscheidungsbereich sehr klar regeln. (Zum Glück sollte man meinen)

Und dann kamen die Herbstferien.

Und seit diesen Ferien schaukelt sich die Stimmung in alle möglichen Richtungen auf, so dass ich mich nach Tagen wie heute einfach nur noch verkriechen möchte. Die Infektionszahlen steigen rasant, speziell auch in meinem Bundesland. Plötzlich hat jeder im Bekanntenkreis positiv getestete Menschen.Kinder genauso wie ältere Menschen.
In den Schulen sind viele Kinder in Quarantäne, weil Elternteile oder Geschwister positiv sind, die Quarantänekinder werden aber nur mehr mit Symptomen getestet, oft sind es nicht Behörden, die Kinder zu Hause lassen, sondern die Eltern, die aus Sicherheitsgründen so entscheiden und viele Fälle erfahren wir gar nicht mehr. Positive Antigentests beim Hausarzt und dann tagelanges Warten auf behördlich angeordnete PCR Tests….auch keine Spaß, auch nicht für immer mehr betroffene Lehrerinnen.
Die Supplierpläne werden immer dichter, da ja keine Klassen fehlen und die gesunden Kollegen die Stunden übernehmen müssen. Achten Sie darauf, dass die Lehrerinnen in möglichst gleichbleibenden Teams arbeiten……ein frommer Wunsch, aber in der Praxis nicht haltbar.
Schutzausrüstung für Lehrer innen? Humbug….Schulen sind sichere Orte.

Social Medias sollte ich derzeit eigentlich meiden, die einen schreien, Schulen ja nicht schließen, die anderen genau das Gegenteil und alle wissen besser, wie es uns grad geht, nur wir selber wissens anscheinend nicht.Die Stimmung heizt sich auf, Gerüchte machen die Runde, werden zum Teil bewusst gestreut, durchaus auch von Menschen, die sich ihrer Reichweite bewusst sind.Lehrer* innen werden müde vom Kämpfen gegen Windmühlen, alle haben Sorge, wieder ins distance learning zu müssen, denn auch, wenn man sich das immer anders vorstellt, Lehrerinnen wollen ihre Kinder unterrichten und schätzen den Kontakt zu ihnen sehr.
Eltern werden nervös und verunsichert. Viele haben Angst um die Gesundheit ihrer Kinder, viele haben Sorge, wie ein neuerlicher lockdown für sie als Familien praktisch aber auch existenziell zu schaffen sein.

Dann kam der Montag mit seinem Terror in Wien.

Wie ein Fahrradschlauch,dem man das Ventil audfdreht, konnte man spüren, wie uns allen dieses Ereignis noch Energie und Kraft kostet. Kinder sind betroffen, haben Angst. Lehrerinnen sind ebenso betroffen, gemeinsam suchen wir Wege, unsere Emotionen zu bewältigen und zum Ausdruck zu bringen.

Die Stimmung ist schwierig, es ist wesentlich lauter als sonst, Kinder sind unruhig,Lehrerinnen ebenso, Krankmeldungen machen Sorge, jeder bangt auch um seine eigenen Gesundheit. Die allgemeine Situation im Land trägt nicht zur Beruhigung bei, die Berichte aus den Spitälern machen uns alle mürb.Das Telefon läutet permanent, Eltern haben tausende Fragen. Der Gang über den Schulparkplatz kann zum Spießrutenlauf werden, wenn Eltern ihren Emotionen freien Lauf lassen, gut, dass ich Sie grad erwisch Frau Direktorin!

Ich kann teilweise nicht mehr schlafen, weil ich nicht mehr weiß, wie ich all den Herausforderungen vor Ort begegnen soll und die Gesundheit der mir Anvertrauten schützen kann. Ich denke, ich bin keine Schulleiterin, die ewig jammert und nörgelt, im Gegenteil, mein Credo ist eher „pack ma‘s“.

Und dann kommen mails aus dem Ministerium, Umsetzen der „neuen“ nicht mehr Neuen Mittelschule, neue Beirteilungsskalen, Zuordnungen in Leistungsniveaus, neue Testungen, die die Bildungsstandards ablösen, Digitalisierungsoffensiven mit Zeitplänen, die Triathleten vor Neid erstarren lassen würden, Abfragen, Umfragen, Statistiken, Tabellen und und und….

ich weiß manchmal nicht mehr, wo mir der Kopf steht…ach ja, administrative Unterstützung wurde uns für den Pflichtschulbereich versprochen, befindet sich derzeit aber vermutlich dort, wo auch die FFP2 Masken für Lehrer innen sind, in Lummerland oder wo auch immer.

Ja mir geht die Luft aus und ja, ich weiß, vielen Menschen im Land geht es gerade genauso. Ich kann und will aber nur für meinen Arbeitsbereich sprechen, denn da bin ich fachlich sattelfest, ich würde mir nicht anmaßen über die Arbeitssituation von Pflegepersonal einen Kommentar abzugeben, da ich sie schlichtweg nicht kenne.
Über Schule redet man halt gerne. Jede und jeder.
Möge das Experiment gelingen.

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Allerheiligenblues

Durch den Nebel gehen.
Vermissen, was war.
Denken, an jene, die fehlen.
Eingehüllt in ihr Gedenken dem Neuen entgegen.
Lockdown.
Beklemmung, Überforderung, Einsamkeit, Unsicherheit,
Müdigkeit, Wut, Zorn, Ohnmacht.
Den Nebel annehmen.
Nächste Schritte ertasten.
Einfach gehen, ohne genau wissen wohin.
Dankbar sein, für das, was die, die ich vermisse, mir alles auf den Weg mitgegeben haben.
Dankbar sein, für das, was die, die mit mir gehen, mir geben.
Wissen, dass es trotz allem Nebel einen safe place gibt.
Auch für mich.
Mich dankbar darin bergen.
Aufatmen.
Entscheidungen treffen.
Kraft neu spüren.
Weitergehn.
Durch den Nebel hindurch.
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Ich hab es satt

Ja, stimmt schon, derzeit gibt es Vieles, was ich satt habe, weil Corona Maßnahmen einfach einschränken und nach diesen 2 Monaten manches wirklich mühsam geworden ist, aber dennoch, man weiß ja, warum man es tut.

Aber dann gibt es Bereiche, da hab ich es wirklich satt und die Nase gestrichen voll. Blöderweise betrifft das meinen Beruf, ich hab es nämlich mehr als satt, wie man mit uns an den Schulen von Seiten der eigenen Behörden umgeht.

Seit Anfang März arbeitet mein Schulleiterinnen Hirn auf Hochtouren, weil es so viele durchaus schwierige Entscheidungen zu treffen galt, viele Dinge geplant und umstrukturiert werden mussten, Home schooling ermöglicht werden musste, Digitalisierung herbeigezaubert werden musste und  so weiter und so fort…es gab praktisch kaum mehr frei Wochenenden oder Ferien, weil man immer irgendwie beschäftigt war – das ist soweit in Krisenzeiten auch total okay, das gehört zu meinem Job als Führungskraft dazu, darüber will ich gar nicht jammern, auch wenn es anstrengend ist und ich manchmal sehnsüchtig auf die Home office Möglichkeiten vieler Lehrerkollegen geschaut habe. Dennoch. Und vor allem, ich bin mir bewusst, welch Luxus es ist, in Zeiten wie diesen keine Job- und keine Existenzsorgen zu haben.

Was ich aber nicht mehr kommentarlos hinnehmen mag, ist die Art und Weise, wie vorgesetzte  Behörden – im Speziellen das Unterrichtsministerium – mit uns umgehen. Da werden in Wien in hübschen Büros an netten Schreibtischen Dinge von Menschen beschlossen, die offensichtlich sehr wenig Ahnung von Schulpraxis haben und die in erster Linie das Bundesschulwesen kennen und die Pflichtschulen nur vom Hören Sagen. Erlässe werden an Schulen verteilt mit Terminvorgaben, wir planen an den Schulen wie verrückt, um das alles einzuhalten, wir entscheiden vieles schulautonom, weil die Vorgaben unklar sind oder sehr breiten Auslegungsspielraum zu lassen. Auch gut, aber wenn es Schulautonomie gibt, dann will ich nicht ein paar Tage später einen Artikel in der Wiener Zeitung lesen mit der Überschrift „Schulen entscheiden nach Gutdünken“ und darunter einen Generalsekretär, der sich darüber beschwert, wie einzelne Bildungsdirektionen Schulautonomie sehen. Entweder es gibt Autonomie oder es gibt sie nicht, dann will ich aber bitte klare Vorgaben. Und ich möchte nicht permanent die Änderungen der Änderungen zur Kenntnis nehmen und umsetzen müssen.

Das Ministerium vertritt überall das 3:2 Schulmodell und ist verärgert, dass wir an den Schulen sehr häufig das 1:1 Modell (tageweiser Wechsel) gewählt haben, weil das den Schüler*innen wesentlich mehr entgegenkommt, vor allem im Bereich der Pflichtschule – außerdem ist auch die Anzahl der Schultage ausgewogener, denn aufgrund der Feiertage kommt man mit 3:2 ganz schön ins Schleudern, aber das ist nochmal eine andere Geschichte.

Über den Hauptverband der katholischen Elternvereine wird mir ausgerichtet, dass man im  Ministerium die Elternvertreter ohnehin regelmäßig auffordert, Schulen oder auch einzelne Lehrer*innen in Wien zu melden, die nicht konform arbeiten. Hallo? Was sind das für neue Methoden?

Als Schulleiterin erfahr ich derzeit das Meiste zuerst aus Pressekonferenzen und diverse social media Kanäle bis die offiziellen Schreiben mal bei mir im Maileingang ankommen. Und gerne auch mal an freien Tagen, am 1. Mai, am Pfingstsamstag…..macht ja nix, Lehrer (und folglich auch Direktorinnen) haben eh immer frei und jammern trotzdem, also wurscht, die sollen mal was tun.

Man kann sich nicht vorstellen,was die Umsetzung der vielen Vorschriften und die Änderungen der Änderungen in der Praxis letztlich für ein Kraftakt sind, wie schwierig es ist, Eltern immer wieder zu informieren, das Team trotz allem motiviert zu halten und eigentlich von allen Seiten nur angemault zu werden, weil alle müde und genervt sind und man jene, die verordnen ja nicht erreicht, also lass ma unseren Frust in den Direktionen ab, die halten das schon aus.

Wir wollen eigentlich Zeit haben für unserer Kinder und für unsere Lehrer*innen und werden zugeschüttet mit teilweise wirklich sinnloser Bürokratie, wie zuletzt mit den Monitoring Abfragen, wer ist wann und aus welchem Grund an der Schule anwesend oder abwesend, für jeden einzelnen Tag inklusive Hauspersonal anzugeben…..in Monitoring Woche 2 hieß es „Fragebogen wurde vereinfacht“ und dann ist ident der gleiche Fragebogen wie in Woche 1 da. Wieso muss ich wöchentlich angeben, ob meine Schule ausreichend mit Desinfektionsmittel ausgestattet ist? Wenns mir ausgeht, bin ich eh selber verantwortlich für Nachbestellung oder das zumindest zeitgerecht zu melden…..

Kaum ist die heutige PK mit en Lockerungen draußen kommt nun die SPÖ und fordert die tägliche Turnstunde…es ist nur mehr zum Lachen….als ob wir das nicht selbst wüssten,dass Bewegung gut tut und wichtig ist, aber liebe Leute, wir sind an Infrastrukturen gebunden und wenn sich 40 Klassen 2,5 Turnsäle teilen, dann wird das eng mit der täglichen Turnstunde (ja, stimmt, man kann locker 60 Kinder in einen großen Turnsaal stellen, bewegen sie sich halt nicht viel, weil kein Platz oder wie?) . Ministerin Heinisch Hosek hat anno dazumal auf unsere Anfrage geantwortet „nutzen Sie doch Wald und Wiesen“ ….

Ich seh die Kinder, die meine Schule besuchen, ich seh die Lehrer*innen, die sehr engagiert an meiner Schule arbeiten und dann ist mir manchmal wirklich zum Heulen, wenn ich sehe, wie man mit uns umgeht. Befehlsempfänger auf Zuruf.

Mir friert das Lächeln ein, wenn ein Minister Faß,mann in der Pressekonferenz betont, dass das Ministerium bisher alles richtig gemacht hat und die Schulleiter*innen ja Managerqualitäten haben und alles gut umsetzen. Ja, wir haben wirklich kleine Wunder vollbracht in den letzten Wochen, aber in erster Linie deshalb weil wir Verrückte sind, die ihre Kinder und ihre Lehrer*innen nicht hängenlassen wollen und weil wir wollen, dass Schulen lebenswerte Orte sind. Viele von uns Leiter*innen sind derzeit wirklich an den Grenzen, weil es so zermürbend ist, wenn das eigene Tun nicht geschätzt wird, wenn man permanent auf Zuruf bis Vorgestern Änderungen umzusetzen hat, von denen man oft sehr genau weiß, dass sie so nicht umsetzbar sind und auch oft weiß, dass sie nicht sinnvoll sind. Uns blutet das Herz bei vielen Vorgaben, weil wir wissen, sie gehen zu Lasten jener Kinder, die es ohnehin oft schon nicht leicht haben.

Gute Ausgangsvoraussetzungen für die nächsten Wochen, in denen wir uns dann auch noch ganz oft anhören werden dürfen, wenn die Gesellschaft wieder einmal der Meinung ist, dass uns Lehrer*innen die Ferien sowieso nicht zu stehen und wir ja heuer 2 Monate mehr Ferien hatten, weil sie im homeschooling ja unseren Job gemacht haben.

Ich bin müde geworden und die Ohnmacht raubt noch mehr Energie. Die Ohnmacht zu wissen, dass man als Schulleiterin aus der Praxis kaum Gehör findet, dass man zwar Vieles sieht, was man sinnvoll verändern könnte, aber man an manche Stellen oder Positionen ohne  Beziehungen oder passendes Parteibuch ja gar nicht kommt (nicht mal für einen Gesprächstermin, der aber letztlich eh nix verändert) und es an diesen Stellen auch nicht mehr wirklich um sinnvolle Bildungssysteme geht sondern um politische Verwirklichung und Schlagabtausch. Selbsternannte Bildungsexperten, die uns erklären, wie Schule und Bildung funktioniert, aber selber weit weg von eben diesen Schulen sind, machen unser schulisches Glück dann noch perfekt. Die Kinder und die Zukunft unserer Kinder sind oft nur noch leere Phrase, die man gern einsetzt um Publikum zu bekommen oder Wählerstimmen zu fischen.

Ich wünsch mir, dass Schule wieder menschlich wird. Dass Kinder in unseren Schulen wachsen und werden können und alle, die Verantwortung dafür tragen geprägt sind von einem ehrlichen Interesse an diesen jungen, wunderbaren Menschen und deren Potenzial und dass Herkunft, sozialer Status, handicaps etc. keine Rolle mehr spielen und allen Kindern wertvolle, gleichberechtigte Bildung zugänglich ist. Und ich wünsche mir, dass diejenigen, die in diesen Schulen arbeiten, die Expert*innen sind, die anerkannt und gehört werden.

Ein schöner Traum. Ich weiß.

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Griechischer Wein

Vor ein paar Tagen hab ich am Schulgelände den Vater einer ehemaligen Schülerin getroffen. Wir sind einander immer noch herzlich verbunden, ich hab die griechische Familie in den Jahren, in denen die Tochter bei uns war, sehr schätzen gelernt. Sie waren neu in Österreich, standen am Anfang und wollten sich eine neue Existenz aufbauen. Mit viel Fleiß haben sie es auch geschafft. Für die Tochter haben sie sich immer engagiert, haben ihre Dankbarkeit über die Möglichkeit, in unsere Schule zu gehen, immer wieder zum Ausdruck gebracht und das was mir besonders hängen geblieben ist, ist, dass der Vater immer gut aufgelegt wirkte und unendlich optimistisch an alles heranging.
Vor ein paar Tagen also diese zufällige Begegnung, er fragt, „ wie geht es, Frau Direktor?“ und ich sag nur kurz, dass wir gerade „Aufnahmestress“ haben.
Das ist für mich persönlich in der Tat eine der anstrengendsten Wochen oder eigentlich wirklich die anstrengendste Woche überhaupt im ganzen Schuljahr. Die Bescheide über Schulplatzzusagen sind bei den Familien angekommen und da wir sehr, sehr viele Anmeldungen haben, müssen wir leider auch immer wieder Familien enttäuschen und können nicht allen einen Schulplatz zuweisen. Viele haben dafür Verständnis, aber es gibt jedes Jahr auch Viele, die via Telefon oder auch persönlich bei mir in der Direktion ihren Frust abladen. Es macht manchmal sprachlos, mit welcher Vehemenz das gemacht wird und vor allem mit welchen Argumenten begründet wird, warum jemandem ein Schulplatz an unserer Privatschule definitiv zustünde und wie unfähig ich bin, weil ich das nicht erkenne. Da tun sich manchmal Abgründe auf, die tief in die österreichische Seele blicken lassen. Passt ein wenig auch zu all den Meldungen über extreme Hamsterkäufe, Diebstahl von Desinfektionsmitteln aus Kliniken und so, weiter und so fort. Daneben die Bilder aus den griechischen Flüchtlingslagern. Es macht mich sprachlos, wenn ich unseren Bundeskanzler mantraartig herunterbeten höre, dass Österreich zu den am meisten belastetsten Ländern der EU zähle und wir daher sicher keine der Kinder (und Frauen) aufnehmen. Wir bunkern Lebensmittel, weil uns ein Virus zu schaffen macht, aber wir haben kein offenes Herz für die Menschen in den Lagern, die dort unter unmenschlichsten Bedingungen leben. Allein der Gedanke, wieviele unbegleitete Kinder dort auch festsitzen, schnürt mir die Luft ab. Aber diese Kinder sind gefährlich für unser Land, denn wenn wir sie hereinlassen hat auch der Rest der Familie Recht auf Nachzug….klar, Eltern machen das aus reiner Berechnung, dass sie ihr 12 jähriges Kind alleine in eine ungewisse Zukunft schicken und nicht mal sicher wissen können, ob ihr Kind überlebt. Es macht mich wütend, wenn man die Augen verschließt und sich bequeme Scheinwahrheiten zurecht legt.

Aber zurück zu meinem griechischen Schülervater. Gestern ruft er an, ob ich heute in der Schule bin, er muss mir was vorbei bringen. Und dann stürmt er heute mittag strahlend in meine Direktion, stellt mir eine große Papiertasche auf den Tisch und sagt „Sie brauchen gutes Essen für gute Laune und deshalb hier Moussaka und ein bisschen Wein für Sie“. Ich bin kurz mal sprachlos. Ja, klar, man kann ihm unterstellen, dass er noch einen kleineren Sohn hat, den er in zwei, drei Jahren auch in unserer Schule unterbringen will und ich weiß, dass das viele auch tun würden. Warum? Weil wir verlernt haben, einander absichtslos Gutes zu tun und sofort eine Absicht hinter solchen Gesten wittern. Tischgemeinschaft. Teilen. Abgeben von dem, was ich hab und mich mit anderen freuen. Wir sollten das wieder einüben.
Die Geste dieses Griechen hat mich tief berührt und fast ein wenig beschämt, seine Freude über meine Freude , während wir die Menschen in Griechenland und in der Türkei im Stich lassen.
Letztlich haben wir einander dann spontan umarmt und ich bin unendlich dankbar für diese Begebenheit.

Und ja, das Essen war herrlich.

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5 Sterne Gedanken

Jetzt ist sie also da, die App Lernsieg mit der man Schulen und Lehrer bewerten kann und selten hat mich etwas so irritiert wie diese 5 Sterne.

Ich lade die App herunter und finde meine Schule (und auch schon 2 Bewertungen zu dieser) und zu meinem großen Erstaunen tatsächlich alle Namen meiner Lehrer und Lehrerinnen. Kein Mensch hat sie gefragt, ob sie namentlich auf dieser App erscheinen möchten. Man argumentiert, dass das die Daten sind, die ohnehin auf jeder homepage veröffentlicht seien. Stimmt, meine Lehrer stimmen zu, dass ihr Name unter dem Lehrerfoto erwähnt ist und dass die Sprechstundenlisten online sind und sie wissen auch, dass mehr mit ihrem Namen nicht geschieht.

Ich möchte gefragt werden, wenn ein Anbieter meinen Namen auf einer App veröffentlicht, da red ich noch gar nicht von Bewertung.

Bewertung ist eine sehr komplexe Sache (also insgesamt, die auf der App ist alles ander als komplex). Der Kommentar von vielen, dass es nicht zulässig sei, dass Lehrer sich über eine Bewertung von 1-5 beschweren, wo sie doch selber ihre Schüler ständig von 1-5 bewerten, hat einen ordentlichen Haken. Ja, wir haben ein Ziffernnotensystem von 1- 5 . Aber diese Noten werden im Normalfall (sic!) nicht aufgrund einer subjektiven Befindlichkeit vergeben, sondern nach streng in der Leistungsbeurteilungsverordnung festgelegten Kriterien. Das ist meiner Meinung nach schon ein großer Unterschied.

Ich bin durchaus dafür, dass Lehrer und Lehrerinnen ihr Tun kritisch reflektieren und Feedback von Schülern, Kollegen und auch Eltern dabei hilfreich sein kann, aber eben nur, wenn auch dieses Feedback bestimmten Kriterien unterliegt und dadurch konstruktiv wird.

Die App Lernsieg ermöglicht jedem, der eine Telefonnummer angibt, eine Bewertung abzugeben. Das heißt, der Nachbar, der sich über einen meiner Lehrer ärgert, kann das genauso tun, wie einer, der sich einen Jux machen will oder eine, die sich geärgert hat, weil sie gegen eine Regel verstoßen hat und eine Lehrerin das geahndet hat. Die aufleuchtenden Sterne geben darüber aber keinerlei Auskunft. Man hat eine Stimme pro Schule und pro Lehrer die man abgeben kann. Gut, neue Telefonnummer, neues Glück….. man kann, wenn man will, schon dafür sorgen, dass ein Lehrer innerhalb kürzester Zeit auf die Bewertung kommt, die man ihm gönnt.

Und ja, machmal gönnt man dem anderen auch, dass es ihm oder ihr schlecht geht. Denen zeigen wir’s….. und das macht mir wirklich Sorgen. Lehrer und Lehrerinnen sind – welch Überraschung – Menschen. Und vor allem, wir sind, wie alle anderen auch Menschen mit Emotionen. Und, auch wir Lehrer kommen an unsere Grenzen, sowohl manchmal physisch, wenn wir uns halb krank in die Schule schleppen, weil a Klasse bald Mathe Schularbeit hat und sie die Übungsstunde brauchen, manchmal auch psychisch, weil vielleicht Lebensumstände extrem herausfordern oder berufliche Situationen zehren.

Sterne leuchten nicht nur, sie haben auch scharfe Zacken. Die Kehrseite der Medaille. Und diese Sterne können Menschen fertig machen. Es werden whats apps mit screen shots herumgeschickt…hast gesehen? Der xy hat nur einen Stern, der Loser…..die yz aber eh auch, gschieht ihr recht, der depperten Kuh. Man informiert sich, bevor man sein Kind an eine Schule schickt und schaut mal nach….. oh Gott, mein Kind kriegt den xy in Deutsch, der hat nur einen Stern. Diese Eltern kennen den xy zwar nicht, aber werden ihm mit Vorbehalten begegnen, weil er ja schlecht beurteilt wurde und manch ei Kollege, eine Kollegin wird sich lange Zeit vergeblich abmühen und sein/ihr Bestes geben, es wird nicht gesehen werden, denn ist der Ruf erst ruiniert…..

Der Entwickler der App, ein 17 jähriger Schüler, meinte im Interview, dass Lehrer sich dann aufgrund der App freuen könnten, dass ihre Arbeit Wertschätzung erfährt. Ehrlichgesagt hab ich von ausgedrückter Wertschätzung einen ganz anderen Begriff, eine ganz andere Vorstellung.

Ich hab manchmal,das Gefühl, Lehrer und Lehrerinnen sind in unserer Gesellschaft Freiwild geworden. Zum Abschuss freigegeben. Pauschal verurteilt, pauschal beurteilt, aber letztlich werden wir für so ziemlich alles verantwortlich gemacht.

Eine App, die Menschen nur mit Sternen bewertet finde ich Menschenverachtend, egal ob es dabei um den Uber Fahrer, den Pizzaboten oder die Lehrerin geht. Es drängt sich das Bild von Kaiser Nero auf, Daumen nach oben oder nach unten. Ich wünsch mir einen sinnvollen Diskurs, ich wünsch mir angstfreie Feedbackmöglichkeiten und konstruktive Beiträge. Ich trau meinenSchülern und Schülerinnen wirklich viel zu und ich weiß, wie gut sie auch feedback geben können. Wir nutzen nämlich durchaus auch feedbackplattformen, die es ja gibt, auf denen aber differenziert hingeschaut wird und die durchaus hilfreich für einen Lehrer, eine Lehrerin und deren Schüler/Schülerinnen sein können.

Und ich wünsche mir Respekt und Wertschätzung für die Menschen, die tagtäglich Stundenlang viel Herzblut einsetzen, um junge Menschen zu kritikfähigen, mündigen Menschen zu erziehen und ihnen auch noch das nötige Wissen zu vermitteln, damit sie gut Fuß fassen können in dieser Welt. Ja, schwarze Schafe gibt es, das ist mir bewusst, aber die gibt es auch in allen anderen Berufsgruppen. Manchmal gewinnt man halt schon den Eindruck, dass grad über Lehrer dann immer wieder pauschal der Stab gebrochen wird.

Ich bin gespannt, wie die Diskussion in dieser Sache weiter gehen wird, aber ich fürchte, wir Lehrer und Lehrerinnen werden uns in den nächsten Tagen noch oft anhören dürfen, wie gut es ist, dass wir uns endlich verantworten müssen und diese Bewertungen eh längst überfällig sind.

Es wundert mich nicht, dass viele heute diesen Beruf nicht mehr ergreifen wollen.

Dabei zählt er für mich nach wie vor zu den schönsten, die es gibt. Junge Menschen begleiten, unterrichten und ihnen helfen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln ist mehr als ein Job. Und vor allem ist es mehr, als man mit 5 Sternen ausdrücken kann.

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Until we meet again…

Lieber Wolfgang,

der Zeitpunkt des Abschiednehmens ist da, es ist an der Zeit loszulassen.

Eigentlich ist es gar nicht an der Zeit, sondern viel zu früh. Dein unerwarteter und plötzlicher Tod letzte Woche hat viele erschüttert, so auch mich. Viele Jahre waren wir Kollegen, unsere Schreibtische fast nebeneinander. Oft waren wir anderer Meinung, aber wir haben nie die Wertschätzung füreinander verloren.

Du warst ein Streitbarer, keine Frage, aber vor allem warst Du einer mit einem großen Herzen und einer, der sich engagiert hat. Ob als leidenschaftlicher Kirchenmusiker, Chorleiter oder als Handwerker oder Gärtner. Viel warst du für andere da, unkompliziert hast du geholfen und eigentlich konnte man dich um alles bitten. Deine Leidenschaft für Holz und deine Begabung Holz zu verarbeiten hat mich immer fasziniert und gerade in diesen Tagen bemerke ich deine Spuren auch in meinem Zuhause…. Der Holzschemel, der Meditationshocker, die Schildkröte, das Spaghettimaß und deine Schneerosen. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, als du mir vor vielen Jahren eine kleine Schneerosenpflanze auf den Schreibtisch gestellt hast, weil du wusstest, dass ich mir eine für meinen Garten gewünscht habe. Heute ist es eine stattliche große Pflanze und mittlerweile blüht sie auch. Genau über diese Schneerosen hab ich heute mit deiner Frau gesprochen, weil sie heuer blühen, wie verrückt…. Und deine Frau sagte, „na dann gehörst du zu den besonderen, die Wolfgang sich ausgesucht hat, weil bei vielen blühen sie gar nicht“

Ich bin überrascht und dankbar wieviel positive Erinnerungen da sind, wenn ich an dich denke…. Überrascht, weil im Alltag so oft untergeht, wie sehr man einander doch schätzt und es einem oft erst so bewusst wird, wenn etwas oder jemand nicht mehr ist.

Im gemeinsamen Musizieren sind wir einander immer wieder begegnet und diese Melodie wird dankbar in mir nachklingen….. Und deshalb – und auch weil ich weiß, dass du darauf vertraut hast – wünsch ich dir until we meet again, may God hold you in the palm of His hand…… Mach’s gut, lieber Herr Kollege…..

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Was bleibt….

Noch kann mein Verstand nicht fassen, dass du nicht mehr da bist, ich schau auf meine Telefon und seh noch deine letzte Nachricht von Neujahr…..voller Pläne warst du für das neue Jahr und dann reißt ein Unfall auf der Heimfahrt von einem Einsatz dich aus dem Leben. 51 Jahre ….51 Jahre in denen du vielen Vorbild warst in deinem beispiellosen Einsatz für die, die dir wichtig waren, allen voran deine Sonne und die zwei Mädels.

Ich bin dankbar für die Zeit, die uns geschenkt war, für die Begegnungen, Nachrichten, für die Rolle in deinem Krimi, die du mir zuteil hast werden lassen und noch so viel mehr.

Du hinterlässt uns viel und ich denke, alle, die dich gern hatten, werden daran arbeiten und sich bemühen, die Welt in deinem Sinne ein wenig besser zu machen….

Dein Engagement für andere, dein Einsatz bei der Feuerwehr in allen möglichen Ländern, deine Kreativität, dein Sanftmut, dein Humor, deine unverbesserliche Zuversicht, deine Herzlichkeit, deine bedingungslose Gastfreundschaft, deine Offenheit, deine Großzügigkeit, dein Herz für junge Menschen, dein Ideenreichtum, das lustige Funkeln in deinen Augen, deine Besonnenheit, deine Sensibilität und Empathie.

Wir werden dich im Herzen halten und in deinem Sinne weitergehen, auch wenn wir heute alle nicht fassen können, was geschehen ist.

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dem Leben ein Fest

wir versammeln uns um dich und

beginnen ein fest, wie in den großen traditionen.

große feste beginnen am vorabend.

dein lachen begrüßt uns

und noch fällt es schwer, es zu erwidern.

wir feiern dein fest, auch wenn wir dich morgen zu grabe tragen.

am abgrund des todes dem leben ein fest und die spuren

deiner unerschütterlichen liebe zum leben tanzen und singen.

du hast gekämpft, bist immer wieder auf die beine gekommen, hast dich vom rollstuhl

nie bezwingen lassen.

du hast uns angesteckt mit deiner lust auf leben, deinen mann, deine kinder, deine

familie und uns alle. ich kann mich an keine begegnung ohne lachen mit dir erinnern.

du forderst uns auf mit deinem viel zu frühen tod, dem leben ein lachen zu schenken,

du zeigst uns, wie wertvoll und not_wendend es sein kann, die prioritäten zu ändern,

ohne wenn und aber konventionen hinten anzustellen und das leben zu lieben.

du wirst uns nah bleiben und die erinnerung an dein lachen wird uns begleiten und

wege weisen, wenn wir uns zu verirren drohen in unseren hamsterrädern.

den eigenen tod müssen wir sterben, doch den tod derer, die uns nah sind müssen wir

leben.

danke, dass du warst und nun bist.

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Empört euch…oder was die Ankündigung von Schulreformen mit einer Direktorin macht.

Ja, ich empöre mich.

Ich bin wütend und zornig.

Nach einem intensiven Arbeitstag im Dienst von vielen Kindern steige ich ins Auto, um aus dem Radio wieder einmal nicht unwesentliche Informationen meinen Beruf betreffend zu hören. Ich mag das ja besonders gern, solche Dinge über die Medien mitgeteilt zu bekommen. Der neue Herr Minister, der uns noch nicht mal eine Begrüßungsmail geschickt hat oder einen Brief geschrieben hat, erklärt also, dass die Neue Mittelschule reformiert werden soll, Teamteaching verändert und die Notenskala wieder rückgeführt werden soll.

Soll ich gleich losheulen oder hysterisch lachen -ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, was mich morgen in der Schule erwarten wird. 30 Lehrer/innen, die von mir wissen möchten, ob das, was heute in den Medien gesagt wurde, tatsächlich stimmt. Ich will nicht sagen müssen, ja, liebe Kollegen, große Teile von dem, was wir mühevoll erarbeitet haben und wo wir jetzt endlich begonnen haben, die Früchte zu ernten, werden wieder in den Schubladen verschwinden und wir gehen wieder zurück an den Anfang, der ohnehin auch schon eine Systemkatastrophe war. Ich will morgen nicht sagen müssen, ja, für zwei oder drei von euch wird das auch bedeuten, dass ich keine Stunden mehr für euch haben werde. Und ich will den Eltern nicht erklären müssen, dass das, wovon wir sie mittlerweile überzeugen konnten, nun doch wieder obsolet ist.

Eine meiner ersten Aufgaben als Schulleiterin war es, die damalige Hauptschule in eine Neue Mittelschule umzuwandeln. Wir haben unzählige Fortbildungen besucht, ungezählte Stunden in Teambesprechungen verbracht, haben externe Begleitung gesucht,um unser Tun besser reflektieren zu können und Veränderungen hinsichtlich neuer Methoden und neuer Aufgabenkultur herbei zu führen. Wir haben uns bemüht weit bis an unsere Grenzen, wir haben unglaublich viel Herzblut investiert, um verunsicherte Eltern davon zu überzeugen, dass es gut ist, was wir tun und dass Neue Mittelschulen Kinder fundiert vorbereiten auf entweder Lehrstellen oder weiterführende Schulen.

Wir lassen uns medial durch den Fleischwolf drehen, werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, wie etwa zu wenig Medaillen bei olympischen Spielen und so weiter und dennoch geben wir nicht auf und bleiben dran. Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem selbst die engagiertesten mutlos werden und resignieren, um dann halt nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.

Dabei wünsch ich mir nichts anderes, als dass wir gehört werden, dass man gerade auch mit uns Schulleitern ins Gespräch kommt unseren Blick wahrnimmt und mit ein bezieht in Entscheidungen. Derzeit sind wir leider nichts anderes, als Spielbälle der jeweils Mächtigen.

Es muss uns doch verdammt nochmal bewusst sein, dass die Kinder in unseren Schulen, die Zukunft unserer Gesellschaft sind.

Ich hab für mich persönlich noch nicht entschieden, wie mein künftiger Weg in diesem System ausschauen wird, aber ich weiß, dass ich immer an der Seite der Kinder sein werde und zwar auch vor allem jener, die es nicht so leicht haben, die handicaps haben, die sozial schlechter gestellt sind, die Heimat brauchen und davon wird mich auch die mutwillige Zerstörung eines Systems nicht abhalten.

Es ist verantwortungslos unseren Kindern nicht die bestmöglichen Ausbildungen zuteil werden zu lassen, weil eigene Interessen oder politische Programme wichtiger zu sein scheinen. Es ist verantwortungslos, Gesamtschule nicht einmal andenken zu dürfen ohne gleich wieder geprügelt zu werden. Und es ist verantwortungslos und hochgradig gefährlich, eine junge Generation in Systeme zu stecken, die Bildung verhindern. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja sogar gewollt. Je weniger Bildung, umso mehr Chance dem Populismus, den fake news, den Verhetzungen und Verleumdungen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, uns das alles gefallen zu lassen.