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Empört euch…oder was die Ankündigung von Schulreformen mit einer Direktorin macht.

Ja, ich empöre mich.

Ich bin wütend und zornig.

Nach einem intensiven Arbeitstag im Dienst von vielen Kindern steige ich ins Auto, um aus dem Radio wieder einmal nicht unwesentliche Informationen meinen Beruf betreffend zu hören. Ich mag das ja besonders gern, solche Dinge über die Medien mitgeteilt zu bekommen. Der neue Herr Minister, der uns noch nicht mal eine Begrüßungsmail geschickt hat oder einen Brief geschrieben hat, erklärt also, dass die Neue Mittelschule reformiert werden soll, Teamteaching verändert und die Notenskala wieder rückgeführt werden soll.

Soll ich gleich losheulen oder hysterisch lachen -ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, was mich morgen in der Schule erwarten wird. 30 Lehrer/innen, die von mir wissen möchten, ob das, was heute in den Medien gesagt wurde, tatsächlich stimmt. Ich will nicht sagen müssen, ja, liebe Kollegen, große Teile von dem, was wir mühevoll erarbeitet haben und wo wir jetzt endlich begonnen haben, die Früchte zu ernten, werden wieder in den Schubladen verschwinden und wir gehen wieder zurück an den Anfang, der ohnehin auch schon eine Systemkatastrophe war. Ich will morgen nicht sagen müssen, ja, für zwei oder drei von euch wird das auch bedeuten, dass ich keine Stunden mehr für euch haben werde. Und ich will den Eltern nicht erklären müssen, dass das, wovon wir sie mittlerweile überzeugen konnten, nun doch wieder obsolet ist.

Eine meiner ersten Aufgaben als Schulleiterin war es, die damalige Hauptschule in eine Neue Mittelschule umzuwandeln. Wir haben unzählige Fortbildungen besucht, ungezählte Stunden in Teambesprechungen verbracht, haben externe Begleitung gesucht,um unser Tun besser reflektieren zu können und Veränderungen hinsichtlich neuer Methoden und neuer Aufgabenkultur herbei zu führen. Wir haben uns bemüht weit bis an unsere Grenzen, wir haben unglaublich viel Herzblut investiert, um verunsicherte Eltern davon zu überzeugen, dass es gut ist, was wir tun und dass Neue Mittelschulen Kinder fundiert vorbereiten auf entweder Lehrstellen oder weiterführende Schulen.

Wir lassen uns medial durch den Fleischwolf drehen, werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, wie etwa zu wenig Medaillen bei olympischen Spielen und so weiter und dennoch geben wir nicht auf und bleiben dran. Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem selbst die engagiertesten mutlos werden und resignieren, um dann halt nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.

Dabei wünsch ich mir nichts anderes, als dass wir gehört werden, dass man gerade auch mit uns Schulleitern ins Gespräch kommt unseren Blick wahrnimmt und mit ein bezieht in Entscheidungen. Derzeit sind wir leider nichts anderes, als Spielbälle der jeweils Mächtigen.

Es muss uns doch verdammt nochmal bewusst sein, dass die Kinder in unseren Schulen, die Zukunft unserer Gesellschaft sind.

Ich hab für mich persönlich noch nicht entschieden, wie mein künftiger Weg in diesem System ausschauen wird, aber ich weiß, dass ich immer an der Seite der Kinder sein werde und zwar auch vor allem jener, die es nicht so leicht haben, die handicaps haben, die sozial schlechter gestellt sind, die Heimat brauchen und davon wird mich auch die mutwillige Zerstörung eines Systems nicht abhalten.

Es ist verantwortungslos unseren Kindern nicht die bestmöglichen Ausbildungen zuteil werden zu lassen, weil eigene Interessen oder politische Programme wichtiger zu sein scheinen. Es ist verantwortungslos, Gesamtschule nicht einmal andenken zu dürfen ohne gleich wieder geprügelt zu werden. Und es ist verantwortungslos und hochgradig gefährlich, eine junge Generation in Systeme zu stecken, die Bildung verhindern. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja sogar gewollt. Je weniger Bildung, umso mehr Chance dem Populismus, den fake news, den Verhetzungen und Verleumdungen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, uns das alles gefallen zu lassen.

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Familienbande

Es hätte ein großes Fest werden sollen, der 100 er meiner Tante Paula, (die eigentlich die Schwester meines Großvaters war) aber alles kam anders, da sie uns im Jänner verließ.

Meiner Tante war diese Familienzusammenkunft immer sehr wichtig und so haben ihr ihre Enkelinnen das Versprechen gegeben, dass wir auch feiern würden, wenn sie einmal nicht mehr ist. Das Versprechen wurde gehalten und ein Termin vereinbart. Was wir damals bei der Beerdigung meiner Tante alle nicht ahnen konnten, war, dass uns bis zu dem angesetzten Feiertermin noch 3 aus der Familienrunde verlassen würden, darunter leider auch mein Paps.

Und so sind wir heute alle zusammen gekommen mit sehr gemischten Gefühlen, aber jetzt am Abend kann ich auch sagen, dass mich schon lange kein Familienfest mehr so berührt hat, wie das heute.

Wir haben heute gemerkt, dass wir miteinander lachen und weinen können, dass wir füreinander da sind und dass wir Emotionen und Trauer nicht verbergen brauchen. Wann immer eine/r von uns mit den Tränen zu kämpfen hatte, war mindestens ein/e andere/r da, um sie/ihn in den Arm zu nehmen.

Es gab so viele liebevolle Details. Rudi, der Hausherr, hat in seiner Begrüßungsrede schon so liebevoll all derer gedacht, die wir noch so gern bei uns gehabt hätten.

Normalerweise gab es immer ein Schätzspiel. Das gibt es nun nicht mehr, denn die letzten beiden Gewinner waren meine Tante Paula und mein Paps und deshalb sollen die beiden auch in Hinkunft die Nummer eins bleiben.

Wir haben es wie alle Jahre gemacht, gemeinsames Mittagessen, wir „Jungen“ (also die Generation beinahe 50) kümmerten uns dann um Geschirr, Gläser,Abwasch etc…. die Kinder tobten im ersten Stock und hatten Spaß, die Oldies plauderten am Tisch, wir bauten das Buffet ab und den Kuchentisch auf und freuten uns, dass wir es auch dieses Jahr geschafft haben.

Und wie alle Jahre haben wir dann mit Sekt angestoßen auf meine Tante Paula, aber auch auf meinen Paps und die beiden anderen, die fehlen.

Wir ließen bunte Luftballone in den nebelgrauen Himmel steigen, an jedem hing ein guter Gedanke oder Wunsch für die, die nicht mehr hier sind.

Mein Onkel hatte unglaublich liebevoll Fotos der Geburtstagsfeiern der letzten zehn Jahre herausgesucht und als Präsentation zusammengestellt….bei vielen Fotos mussten wir schmunzeln, bei manchen kamen uns die Tränen und doch war es gut, sich gemeinsam zu erinnern.

Meine Tanten haben uns überrascht und die eine hat für jeden einen kleinen Engel gebastelt und die andere für jeden ein Stoffherz genäht, um zu zeigen, wie wichtig ihnen der Tag heut war.

Und wenn einen genau diese Tanten dann beim Abschied fest in den Arm nehmen und ins Ohr flüstern „ich bin so froh, dass es dich gibt“ , dann bin ich dankbar und berührt Teil dieser wunderbaren Familie sein zu dürfen…….


Nikolaus

Gleich mal vorweg ich bin Nikolausfan. Bekennender. War schon als kleines Kind fasziniert von dem Mann mit Rauschebart, dessen Stimme so sehr an meinen Papa erinnerte, aber mein Papa hat den Besuch des Nikolaus zu meinem Ärgernis ja immer verpasst, er kam da jedesmal zufällig zu spät vom Dienst nach Haus…..

Nun gut. Es wurden viele Nikolaussackerl heute verteilt und es gab viele strahlende Gesichter. Auch ich hab mich über meine schon sehr gefreut heut. Dienstag ist ja auch immer mein „Mutterhaustag“ – soll heißen, da bin ich am Nachmittag nicht in der Schule sondern im Büro im Mutterhaus. Und da sitz ich also am späten Nachmittag so am Computer und tippe fröhlich vor mich hin (und genieße Ruhe und Stille) da klopft was an der Tür. Erster Gedanke, ah die Putzfrau kehrt draußen schon zusammen. Es klopft nochmal, diesmal hartnäckiger. Oh, da will wer zu mir. Also Tür auf.

Und dann steht er da. Der Nikolaus. Groß, langer Rauschebart, schönes Kleid mit schönem Umhang, eine goldene Mitra mit bunten Steinen und natürlich ein Bischofsstab. Schwester Floriberta, die den Nikolaus begleitet, kann sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen, kein Wunder, wenn man mich so mit offenem Mund und großen staunenden Augen da stehen sieht. Der Nikolaus schlägt sein goldenes Buch auf und sucht meinen Namen. Und dann beginnt er zu erzählen. Das, was ihm Schwestern über mich erzählt haben. Und ich steh da. Gänsehautfeeling. So viel Wertschätzung, soviel Anerkennung für meine Arbeit und so viel Rückenstärkung für den weiteren Weg. Ich antworte artig auf die Fragen und ertappe mich dabei, wieder Kind geworden zu sein. Verlegen und mit roten Wangen steh ich aufgeregt da und hab Mühe, meine Rührung zu beherrschen, als mir der Nikolaus aus seiner Tasche Schokolade schenkt.

Der Nikolaus muss wieder weiter. Die Tür schließt sich wieder und ich steh allein im Büro. Mit einem Herzen angefüllt bis obenhin mit Freude und Dankbarkeit. Was ist das doch für ein Geschenk, wenn Menschen einander so wichtig nehmen, dass sie sich so viel Mühe machen. Erwartungslos. Bedingungslos. Nur der Sache wegen.Die Liebe, die diese Schwestern (die Franziskanerinnen von Vöcklabruck) schenken, lässt Menschen heil werden. Ganz tief innen drinnen, dort, wo wir es alle am Nötigsten haben.

Danke, lieber Nikolaus für dieses überraschende Wiedersehen nach gut 40 Jahren. Du hast dich kaum verändert……

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Zachor – Erinnere dich.

Fest der Freude am Heldenplatz in Wien. Gerne wäre ich selber heute vor Ort dabei. 

Ich vermisse meinen Großvater und meinen Onkel Cees. Die beiden Menschen, von denen ich gelernt habe, was Freundschaft bedeutet. Mein Großvater war ungefähr 18 Jahre, Krieg, er in den Niederlanden, in der Gegend von Alkmaar. Ausgangssperre. Der junge Soldat hat Dienst und entdeckt eine junges Mädel – Tini – die noch auf der Straße unterwegs ist. Er spricht sie an, begleitet sie nach Hause, kommt ins Gespräch mit ihr. Er kommt noch ein paar Mal zu der Familie und bemerkt bei einem Besuch die illegalen Waffen. Er bemerkt, dass er, der reichsdeutsche Soldat mitten im Widerstand gelandet ist. Er verlässt das Haus und verliert darüber nie ein Wort, er kehrt aber wieder. Er riskiert sein eigenes Leben. Der Krieg führt ihn weiter zurück nach Deutschland, Dresden- beim Bombenangriff verbrennt ihm der Stahlhelm die Ohren. Er ist ein junger Draufgänger, leistet sich viel und wird immer wieder strafversetzt. Seine Kriegstagebücher lassen uns ein wenig erahnen, was er alles erleben musste. Geredet hat er darüber nie sehr viel. Er konnte nicht. Weihnachten flossen bei ihm immer Tränen. Und er hat sich wohl ein Leben lang Vorwürfe gemacht für all das was er als Soldat mitunterstützt hatte und der Menschen wegen, die durch ihn zu Tode kamen. 

Waizenkirchen, 1951. Der Krieg vorüber, mein Großvater ein jungverheirateter Familienvater. Eines Tages läutet es an der Gartentür. Ein junger Holländer steht am Zaun. Wohnt hier ein Otto Tumeltshamer? Meine Eltern schicken mich, ihn zu suchen. Cees Ris, der Bruder von dem jungen Mädchen, das mein Großvater in der Nähe von Alkmaar damals nach Hause brachte, anstatt sie anzuzeigen. Cees und mein Großvater konnten einander damals nicht treffen, denn der 16 jährige Cees und einige seiner Freunde wurden kurz zuvor als Widerstandskämpfer verhaftet. Sie wurden in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1941 in Uitgeest verhaftet. Cees war bis Juni 1942 im Gefängnis Amstelveensweg in Amsterdam, anschließend bis August 1942 im Durchgangslager Amersfoort, September 1942 – Februar 1944 in Buchenwald, Februar 1944 bis Juli 1944 in Lublin (Majdanek). August 1944 bis Jänner 1945 in Auschwitz, Todesmarsch von Auschwitz zur tschechischen Grenze, Februar 1945 bis Mai 1945 Mauthausen bzw. die letzten Wochen in Gusen, im Nebenlager 2. Dort erlebte er vor heute 71 Jahren die Befreiung und kehrte zurück in die Niederlande zu seiner Familie, die ihr Glück gar nicht fassen konnten.  Und nun stand er am Gartenzaun meiner Großeltern. Cees Eltern wollten unbedingt in Erfahrung bringen, ob der junge Soldat von damals überlebt hatte, da die Briefe von ihm irgendwann endeten. Mein Großvater und er waren von diesem Moment an die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Ihre Familien – unsere Familien wurden in diesem Moment zu einer Familie und die beiden Männer haben das den Rest ihres Lebens so gelebt. Die Familie Ris war meinem Großvater so unendlich dankbar , dass er sie und die befreundeten Widerstandskämpfer nie verraten hatte und  sie hatten großen Respekt vor seinem Mut. Mein Großvater brauchte wohl diese Erinnerung zum Überleben, denn die „andere Seite“ , den befehlsausführenden Soldaten, gab es ja trotzdem und diese Erinnerungen machten ihm sehr zu schaffen. 

Ich hab mit ungefähr 14 Jahren zum ersten Mal von Cees Geschichte erfahren. Es war einherrlicher  Sommertag, Cees war mit seiner Frau, meiner Tante Truus zu Besuch bei den Großeltern und wir standen beide Hände waschend am Waschbecken. Ich entdeckte an seinem linken Unterarm eine tätowierte Nummer und fragte ihn, was das ist und ob das eine Bedeutung hat. Er hat mich angesehen und gefragt, ob ich in Geschichte in der Schule schon einemal etwas von Auschwitz gehört hätte. Ich bejahte und er meinte, nun, so eine Nummer bekam man, wenn man einmal in Auschwitz war. 

Mir war als Schülerin die Tragweite dieser Aussage damals nicht bewusst. Ich hab erst als junge erwachsene Frau begriffen,was mir mein Onkel Cees an diesem Sommertag ins Herz gepflanzt hat. Cees und mein Großvater konnten herrlich streiten, sie waren aber auch die dicksten Freunde und haben einander blind vertraut. Mein Großvater hat in Nordholland eine zweite Heimat gefunden und hat uns diese Liebe zu Land und Leuten und in erster Linie zur Familie Ris weitergegeben und auch wenn Cees und mein Großvater heute nicht mehr bei uns sind, so sind unsere Familien bis heute miteinander verbunden und wir sind dankbar, was wir voneinander lernen durften. Cees hatte kein leichtes Leben, auch wenn er ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann wurde, die Erinnerungen quälten ihn und er war ein Leben lang auf der Suche nach dem, der ihn damals verraten hatte. Cees hatte 2 Söhne und diese beiden Söhne hatten es durch die Lebensgeschichte ihres Vaters auch alles andere als einfach. Und so schwierig die Lebensgeschichten der beiden Männer, Cees und Otto, durch diesen Krieg sich gestalteten, so dankbar bin ich den beiden, für all das, was ich durch sie erfahren und erlernen durfte und vor allem dass sie mir durch ihre Geschichten Wege eröffnet haben, die ich bis heute gehe. 

Danke, dass ihr immer noch ein Teil von mir seid und vor allem, dass ihr immer noch mit mir seid. 
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Nichtsdestotrotz

3 Menschen gegangen,
Kommen nie mehr.
Die eigenen Seelen kraftlos und leer.
Nichtsdestotrotz.
Wir feiern das Leben.
Und mehr.

Projekt „txt.*“ https://www.facebook.com/projekttxt/

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Abgrundtief

Ich wage mich vor
an den abgrund meiner seele
und blicke hinunter
in das schier endlose dunkel.

ich konzentriere meinen blick
und durchdringe die nacht.
Ich begegne dem fremden,
das dennoch ein teil von mir ist.

ich erkenne
meine wut, meine ohnmacht und
auch meinen hass.
sie kauern unsicher und zerzaust
in der hintersten ecke
des dunkels.

lange bleibe ich stehen und betrachte
stumm, was diese grenze mir zeigt.
doch ich laufe nicht weg,
ich beuge mich tief und reiche die hand
meiner wut, meiner ohnmacht und auch dem hass.

sie kommen zaghaft nach vorne und treten
ins licht. sie verlieren ihren schrecken
und ich nehme sie an.
ungern, aber bewusst und wissend,
dass sie vervollkommnen die, die ich bin.

abgrundtief. das dritte wort. [*.txt] http://neonwilderness.net/2015/02/18/das-dritte-wort-txt/

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Schmerz (lat. dolor, griech. ἄλγος, álgos)…..

……ist eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann….

Über Schmerz zu schreiben ist gar nicht so einfach, denn Schmerz ist etwas sehr subjektives. Und manchmal lässt Schmerz sich sehr schwer beschreiben.

Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Kreuzschmerzen, Herzschmerzen, Regelschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen…. und was es da nicht noch so alles gibt. Und dann gib’s da noch so ganz unterschiedliche sehr schmerzhafte Erkrankungen und von Zeit zu Zeit darf ich mich selber auch mit so einer Neuropathie abplagen. Neuropathien sind Nervenschmerzen und der Nerv, der sich bei mir meldet, nennt sich Trigeminus. Eine unangenehme Sache, eine die eigentlich tierisch weh tut aber ich merk auch, wie schwer es mir fällt, darüber zu reden bzw. es zu erklären, weil es immer so absurd klingt und ganz oft auf Unverständnis stößt, wenn ich sag, mir bereitet ein Gesichtnerv solche Schmerzen, dass ich es – wenns denn wirklich mal wieder akut ist – ohne Schmerzinfusionen nicht schaffe. Ich erleb immer wieder, wie Menschen da ein wenig vor sich hinlächeln und es als Spinnerei oder Einbildung abtun oder halt eben mit “ a bissl Kopfweh“ gleichsetzen. Eigentlich ja eh nachvollziehbar, denn woher soll man denn wissen, wie sich das anfühlt. 

ja, wie fühlt es sich an….gute Frage. Wenn es wirklich ganz akut ist, dann hab ich für mich immer so das Gefühl, mein Nerv „brüllt“ los, was das Zeug hält. Der Schmerz überfällt einen manchmal aus dem Hinterhalt, manchmal schleicht er sich langsam ein. Wenn er dann da ist, nimmt er Besitz von mir. Bestimmt mein Denken und Handeln und dominiert mich. Deckt alles zu und pulsiert vor sich hin. Beständig, intensiv und unnachgiebig. Jeder Wimpernschlag tut weh. Jede Regung, jeder Gesichtszug, jedes Wort ist mit Schmerz verbunden.  Ich hab dann das Gefühl als würde jede Bewegung eines Haares am Kopf auch schon schmerzhaft sein. Frisieren kostet Überwindung. Ich sag manchmal, wenn mich wer fragt, wie man sich das vorstellen muss: stell dir vor, du liegst mit einer Hälfte deines Gesichtes in einem Stecknadelkissen. Der Schmerz raubt mir im Lauf des Tages die Luft. er zermürbt, macht müde, macht traurig und manchmal lässt er einen auch verzweifeln. Infusionen mit Schmerzmitteln bringen Erleichterung….seliges Dahindämmern im Drogenrausch zumindest für ein paar Stunden, dann merkt man, dass der Schmerz sich seinen Weg wieder bahnt aber immerhin ist er abgedämpft und  erträglicher. Ich bin unleidig, bin froh, wenn ich mit niemandem reden muss – was in meinem Job aber nicht ganz so einfach ist und meist geh ich ja trotzdem arbeiten, denn jede Ablenkung ist willkommen, denn ansonsten rennt man ja sowieso nur im Kreis und hört in sich hinein und gibt dem Schmerz noch mehr Raum.

Und dennoch neben all dem mühsamen auch die Erkenntnis, man lernt mit diesem Schmerz leben. Man weiß, dass ein, zwei, dreimal im Jahr solche Attacken auftauchen. Man weiß, das werden mühsame Tage aber man weiß auch, sie gehen vorüber. Man versucht, sich zwischendurch immer wieder auszuruhen, man versucht, sich abzulenken. Man weiß und spürt, wie reizbar man ist, wie schnell man in der Höhe ist und am liebsten auszucken möcht. Man ist ungeduldig und unruhig. Und manchmal möcht man sich einfach nur verstecken und heulen, weil man sich selber nicht mag, weil man den Zustand nicht mag und weil man den Schmerz nicht mehr aushält und er nicht und nicht weichen will.

Und Gott sei Dank gibt es Menschen, die einen in solchen Zeiten ermutigen, die einen aushalten und die einen Durchtragen. Vielleicht mag sich der eine oder andere jetzt denken, was für eine theatralische Jammerei. Ich hör auch schon wieder auf damit. Aber ich wollte mir wenigstens ein einziges Mal selber erlauben auszusprechen, dass es einfach verdammt weh tut. Denn man will es diesem Schmerz ja nicht und nicht zugestehen, dass er eventuell irgendwann mal Erfolg haben könnte und er einen klein kriegt. Noch bin ich die Stärkere

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