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Hops findet den Frühling

Vor langer Zeit lebte einst ein Kaufmann in einer Stadt weit weg von hier. Der Kaufmann war erfolgreich, geschäftstüchtig, gut drauf und manchmal auch ein kleines Schlitzohr und eigentlich waren alle recht zufrieden mit ihm.

Hops, der Kaufmann, war bei den Menschen recht beliebt, da er ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte und die Menschen damit zum Lachen brachte. Hops war auch ein ziemlicher Genussmensch und gönnte sich ab und an alles mögliche an guten Dingen. Hops hatte ein feines Haus und man könnte meinen, dass es nun ewig so weiterginge.Aber irgendwie tief innen drinnen war Hops unzufrieden.

Eines Tages  wachte Hops auf und dachte so bei sich, von heut an muss alles anders werden. Ich geb mir 100 Tage Zeit und in der Zeit kremple ich mein Leben um und alles wird anders.

Und Hops begann die Leute zu verblüffen, weil er plötzlich keine Schokolade mehr aß, er verzichtete auf guten Wein und allerhand andere Sachen, nur weil er sein Leben neu ordnen wollte.

Hops hatte einen ganz festen Plan im Kopf, wie er diese 100 Tage gestalten wollte und er war sich auch ganz sicher, dass er in der Zeit sein Leben total entrümpeln würde.

Aber Hops hatte nicht damit gerechnet, dass alles ganz anders kam, als er dachte. Eines Morgens wachte er auf und fühlte schon, dass das ein seltsamer Tag werden würde. Und in der Tat, es wurde ein seltsamer Tag. Hops ging wie üblich in eines seiner Geschäfte, um dort nach dem Rechten zu schauen. Er unterhielt sich mit den Kunden, verkaufte ein wenig hiervon und davon und bemerkte den alten Mann zunächst gar nicht, der sich schon eine ganze Weile im Geschäft aufhielt. Als Hops meinte, dass nun alle Kunden gegangen wären, drehte er sich um und erschrak ganz schön, als da in einer Ecke ein kleiner alter Mann stand. „Verzeihung, mein Herr, ich hab sie gar nicht gesehen, wie kann ich ihnen helfen“, meinte er freundlich. Der alte Mann kam ein wenig aus dem Dunkel hervor und ging auf Hops zu. „Hm, ein schönes Geschäft haben sie hier. Ist das ihr einziges?“ Und ehe sich Hops versah, begann er dem alten Mann zu erzählen, von seinen Geschäften, von seinem Leben, von seinen Plänen. Hops war selber ganz überrascht, kannte er den alten Mann doch eigenlich gar nicht. Als er mit dem Erzählen fertig war, erhob sich der alte Mann lächelnd, griff in seine Tasche und zog ein Buch heraus. „Das schenk ich ihnen“, meinte er, „vielen Dank für den schönen Nachmittag in ihrem Geschäft“. Und schon war er weg, der kleine alte Mann. Hops stand verdutzt in seinem Geschäft und blickte auf das Buch, das ihm der alte Mann geschenkt hatte. Es war ein ganz schlichtes altes Buch mit einem schönen roten Einband. Neugierig begann Hops drin zu blättern und er begann zu lesen. Und Hops vergaß pötzlich die Zeit um sich herum, so gefesselt war er von den Worten und Gedanken, die er da in dem Buch vorfand.

Und er setzte sich hin und las in dem Buch weiter und als Hops die letze Seite umblätterte, stellte er erstaunt fest, dass er den ganzen Abend und die ganze Nacht in seinem Geschäft gesessen war  und in diesem Buch gelesen hatte. Aber seltsam, Hops war kein bisschen müde – ganz im Gegenteil Er verspürte soviel Energie und Kraft wie schon lange nicht mehr. Und vor allem, er  wusste nun, dass er seinen 100 Tage Plan getrost über den Haufen werfen konnte, weil es etwas ganz anderes war, dass sein Leben verändern würde.

Hops ging sofort nach draußen und begann das umzusetzten, was er die ganze Nacht lang in seinem Buch gelesen hatte. Die Menschen waren teilweise sehr überrascht und irritiert, weil ihnen Hops heute so anders begegnete als sonst aber das war Hops egal. Und er begann sich zu verändern.

Von Tag zu Tag wurde er gelassener und fröhlicher. Er ließ so viele Dinge los, von denen er früher dachte, er könne nicht ohne sie sein. Seine Freunde und seine Familie dachten machmal schon, er sei völlig verrückt geworden – vor allem, wenn er wieder von dem alten Mann zu sprechen begann. Es schien ja fast, als hätten die beiden so etwas wie einen heimlichen Treffpunkt vereinbart, denn Hops erzählte immer wieder von neuen Begegnungen mit dem alten Mann und keiner wusste, wo Hops ihn traf. Aber das spielte keine Rolle. Hops lernte sich von Tag zu Tag selber besser kennen und er lernte zu verstehen, dass es gar nicht so viel zu einem glücklichen zufriedenen Leben brauchte und dass es oftmals nur drauf ankommt, selber Dinge zu verändern.

Hops gefiel der neue Hops recht gut und er fühlte sich wohl in seiner Haut. Er begab sich auf Reisen und schmiedete neue Pläne und selbst der tiefste Winter konnte Hops nichts mehr anhaben, denn er hatte etwas sehr spezielles entdeckt. Hops hatte den Frühling gefunden. Und wo? Ja, das war eben das besondere, Hops hatte entdeckt, dass der Frühling ganz tief in ihm drinnen wohnte und dass er selbst im tiefsten Winter Blüten hervorbrachte. Und so war es auch kein Wunder, dass Hops die Menschen zum Lächeln brachte und sie sich an ihm erfreuten, wann immer er an ihnen vorbeiging oder bei ihnen einkehrte. Die Menschen spürten,dass der Frühling nah war, wenn Hops nah war und so begannen sie von ihm zu lernen. Und je mehr sie von Hops lernten, desto besser ging es ihnen selber. Und so waren es immer mehr Menschen, die auch den kleinen alten Mann kennenlernten und bald wunderte sich niemand mehr, wenn Hops von ihm erzählte, denn sie kannten ihn ja nun selber und freuten sich jedesmal, ihm zu begegnen. Und der kleine alte Mann ging oftmals lächelnd durch das Dorf und freute sich über die Veränderungen die er dort wahrnehmen konnte. Und am meisten freute er sich über den Frühling, den man überall so herrlich verspüren konnte. Mitten im kalten Winter.


Dondolo

Vor langer Zeit lebte einst in den Wäldern der Dondolo. Der Dondolo war ein seltsames Wesen, der seine Gestalt verändern konnte und den man deshalb auch nur schwer finden konnte. Man wusste ja nie genau, ob es denn nun der Dondolo war oder doch jemand anders, wenn man so durch die Wälder streifte.

Der Dondolo war eigentlich ein sehr friedliebendes Wesen, das den Menschen gerne helfen wollte, zu dem zu werden, was sie eigentlich sein sollten. Das war aber gar nicht so einfach. Vor allem für den Dondolo war es nicht so einfach, denn der hatte mit sich selber manchmal ganz schön viel zu tun. Es war nämlich gar nicht immer so lustig, sich in verschiedene Gestalten verwandeln zu können. Manchmal war das für den Dondolo nur furchtbar anstrengend.

Da wachte er morgens auf, und stellte fest, er ist mal wieder eine Schildkröte. Das wäre ja nicht weiter schlimm aber oftmals passierte ihm, dass er Menschen zu sich eingeladen hatte und genau wenn die kamen, hatte er aber dann justament das Bedürfnis, sich in seinen Panzer zu verziehen. Schildkröten machen so etwas ja gerne.

Die Menschen bemühten sich dann redlich, den Dondolo wieder hervorzulocken, alles mögliche ließen sie sich einfallen, sie meinten es ja gut mit ihm und freuten sich, wenn sie Zeit mit ihm verbringen konnten. Aber da war nix zu machen, wenn der Dondolo sich in seine Höhle, in seinen Panzer zurückgezogen hatte, dann blieb er da auch drin, solang es ihm passte und nix auf der Welt konnte ihn wieder hervorlocken.

Manche Menschen gingen dann verärgert weg, andere wiederum kannten ihn schon ganz gut und wussten, er braucht eben seine Zeit aber wenn’s ihm dann passt, dann kommt er ja wieder raus.

Und dann gab’s da auch die Zeiten,da war der Dondolo keine Schildkröte sondern da war er so genüsslich unterwegs wie ein Nilpferd. Er liebte es dann, sich bei jeder bietenden Gelegenheit im Schlamm zu wälzen und herumzuplanschen und wenn ihm dann auch noch jemand etwas besonders Feines zum Futtern vorbeibrachte, dann war er rundherum zufrieden und hatte jede Menge Spaß mit den Menschen. Er genoss das Zusammensein mit ihnen und die Menschen genossen die Zeit mit ihm, denn jedesmal wenn sie von ihm weggingen merkten sie, dass sie ein Stück ruhiger und ausgeglichener waren und das tat ihnen allen natürlich sehr gut.

Eines Tages beschloss der Dondolo, dass er nun sein Wesen einfach nicht mehr wechseln würde, um die Menschen auch nicht mehr zu verschrecken. Eine Zeit lang ging das ja auch ganz gut aber dann wurde der Dondolo furchtbar krank. Niemand wusste, was ihm fehlte, die Menschen machten sich große Sorgen um ihn aber nichts konnte ihm helfen. Der Dondolo war schon ganz schwach geworden, er sehnte sich doch so danach, endlich wieder eine Schildkröte sein zu dürfen, wenn ihm danach war oder dann auch mal wieder ein Nilpferd, eben auch , wenn ihm danach war. Er wollte sogern der sein, der er eben war und er mochte sich nicht mehr verstellen.

Den Menschen fiel auf, dass sie den Dondolo kaum noch zu Gesich bekamen und sie machten sich große Sorgen um ihn. Da kam ein weiser alter Mann ins Dorf und die Menschen erzählten ihm vom Dondolo und seiner Veränderung. Der weise alte Mann machte sich auf den Weg in den Wald, um den Dondolo zu suchen. Und tatsächlich, er fand ihn auch. Ganz klein und krank lag er da so in seiner Höhle und wollte zuerst den alten Mann gar nicht herein lassen. Doch der verstand es, mit dem Dondolo umzugehen und der Klang der Stimme tat dem kleinen Dondolo gut und so fasste er vertrauen zu dem alten Weisen.

Und der Alte tat nichts anderes, als sich hinzusetzen und dem Dondolo zuzuhören. Und er hörte ihm lange zu. Tagelang erzählte der Dondolo. Von seinen früheren Jahren, von seiner Fmailie, von dem Ort, wo er aufgewachsen war, von den Menschen, die ihm dort vertraut waren, von den Abenteuern, die er dort erlebte genauso, wie von den Kämpfen die er dort auszutragen hatte. Er erzählte  von all den Orten, an denen er schon wohnte und von den vielen Begegnungen, aus denen er ein wenig glücklicher hervorging, weil er wieder gemeinsam mit jemand wachsen konnte. Er erzählte von seinen Träumen und von seinen Sehnsüchten und es gelang ihm auch, über seine Ängste und Sorgen zu sprechen. Und der alte Mann saß einfach da und hörtes ihm zu. Er hörte ihm auf eine ganz besondere Art und Weise zu, denn der Dondolo merkte, dass er mit jeder Geschichte, die er dem alten Mann erzählte, selber wieder mehr Kraft und mehr Energie bekam. Als der Dondolo nach vielen Tagen endlich das Gefühl hatte, nun alles erzählt zu haben, stand der alte Mann auf.

Was, du kannst jetzt aber nicht so einfach gehen, meinte der Dondolo. Ohne dich werd ich ja sofort wieder krank werden, meinte er. Oh nein, antwortete der alte Mann, du brauchst nicht mich, um dir zu helfen, du brauchst dich selber. Du musst lernen, ganz du selber zu sein und deine Seiten anzunehmen. Du wirst lernen, die Schildkröte in dir genauso gern zu haben, wie das kleine Nilpferd und ihr werdet gut miteinander auskommen und du wirst sehen, du wirst viel schneller merken, wer du am nächsten Tag sein wirst. Du kannst die Menschen dann besser darauf vorbereiten und so wird es ihnen dann leichter gelingen, dich anzunehmen, so wie du eben bist und sie werden nicht mehr dauernd mit ihren Vorschlägen daherkommen und versuchen wollen,dich zu verändern.

Der Dondolo konnte zunächst gar nicht glauben,dass es so einfach sein sollte, da er dem alten weisen Mann aber vertraute, wollte er es zumindest versuchen. Er begann gut auf sich zu achten, hörte viel in sich hinein und lud auch nicht mehr ganz so viel Menschen gleichzeitig zu ihm ein. Von Tag zu Tag wurde er wieder kräftiger und eines Tages merkte er, dass er nun wieder völlig hergestellt war und vor allem auch, dass er endlich ganz er selber war und dass die Menschen ihn so nehmen konnten, wie er eben war.

Er kam aus seiner Höhle raus und freute sich. Er freute sich unglaublich. Er freute sich über jede einzelne Blume, die er sah, er freute sich über das Licht, über die Wolken, über den Regen genauso wie über den Wind. Er freute sich an allen Lebewesen und empfand eine ungeheuer große Zuneigung zu ihnen. Und auch die Lebewesen erwiederten diese Zuneigung und der Dondolo fühlte sich wohl so mitten unter ihnen, so als einer von ihnen.

Oftmals am Abend saß er da so, sich im Wind wiegend, vor seiner Höhle und dachte an den alten weisen Mann, der solang an seiner Seite saß und ihm zuhörte. Und manchmal fragte er sich dann, ob er ihm jemals wieder begegnen würde. Und eine Stimme ganz tief drinnen im Dondolo sagte ihm, dass dieser alte weise Mann ganz ihn seiner Nähe war. Mitten in seinem Herzen. Und dort fand er ihn auch immer wieder, wenn er sich zurückzog und seiner Sehnsucht Raum gab. Und so wurden der alte weise Mann und der Dondolo gute Freunde und sie freuten sich beide sehr, einander immer wieder zu begegnen. Genauso wie die Menschen sich täglich neu freuten, wenn sie dem Dondolo begegneten.

Schön, lieber Dondolo, dass du bei uns bist und wir gemeinsam ein Stück aneinander wachsen dürfen.