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Professor Zed

Weit weg in einem fernen Teil des Landes lebte einst Professor Zed. Professor Zed war jetzt aber gar kein Professor, wie man ihn sich nun vielleicht vorstellen würde. Er war nicht alt und grau, er hatte auch keine Frisur so wie Einstein, hatte keine Brille auf der Nase und war auch nicht so verwirrt, wie manch anderer Professor. Aber Professor Zed war, so wie viele seiner Kollegen ein weiser Mann.

Professor Zed hatte ein ungewöhnliches Gespür für die Menschen und ihre Nöte. Er fand für jeden das richtige Wort und schaffte es immer wieder, Menschen zum Lächeln zu bringen. Er half ihnen mit seiner bescheidenen aber so einfühlsamen Art, den Blick auf ihre Sorgen ein wenig zu verändern oder zwischendurch immer mal wieder gelassener zu werden. Dafür waren ihm viele sehr dankbar und suchten gerne seinen Rat und seine Gesellschaft.

Dabei war das gar nicht so einfach, den Professor Zed lebte recht zurückgezogen und man bekam ihn eigentlich recht schwer zu Gesicht. Der Professor lebte hoch oben in seinem Turm, von wo aus er einen herrlichen Blick über die Stadt hatte. Er ging gerne hinaus auf’s Dach, um hinunterzuschauen auf die Menschen aber genauso auch, weil er dort dann den Wolken und dem Himmel näher war.

Das war für den Professor das aller aller schönste. Und deshalb war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Professor eines Tages beschloss, das Fliegen zu erlernen. Er ging zu seinem besten Freund und erzählte ihm davon. Dieser war gar nicht überrascht, ahnte er doch schon lange, dass der Professor eines Tages mit diesem Wunsch zu ihm kommen würde. Und somit war es auch beschlossene Sache, der Professor würde seinen Pilotenschein machen.

So kam es, dass der Professor ein leidenschaftlicher Pilot wurde und sein größtes Glück war, wenn er seine Maschine starten konnte und sich mit ihr in die Lüfte erheben konnte. Dort – so hoch oben – fühlte er sich so unendlich frei und leicht und dort sammelte er immer wieder die Ideen und Gedanken, mit denen es ihm zurück auf der Erde wieder gelang, den Menschen in ihren Sorgen zu helfen. Der Professor liebte seine Flüge, die Freunde, mit denen er fliegen konnte und das Gefühl der Weite, dort hoch oben.

Eines Tages aber geschah ein Unglück und der Freund, bei dem der Professor das Fliegen erlernte, kam in große Schwierigkeiten. Nun war es der Professor selbst, der nicht mehr ein noch aus wusste und er war völlig verzeifelt, weil er seinem Freund nicht wirklich helfen konnte und wohl auch, weil er große Angst hatte, selber nie wieder fliegen zu können.

Die Menschen merkten, dass der Professor noch weniger  als sonst aus seinem Turm herauskam. Nur des nachts machte er sich manchmal noch auf den Weg und durchquerte die Stadt. Er war einfach so schrecklich traurig und verzweifelt, dass er es nicht ertragen hätte können, anderen zu begegnen. Und darüber hinaus konnte er es noch viel weniger ertragen, den Menschen, die so auf ihn vertrauten  und all ihre Hoffnung in ihn setzten, von dem Unglück zu erzählen. Er machte sich große Sorgen und wusste nicht mehr, wie er ihre Erwartungen erfüllen konnte. Oftmals saß er auf dem Dach seines Turmes und weinte bitterlich.

Aber mit all den geweinten Tränen kehrte langsam auch wieder die Gelassenheit zurück und der Professor begann zu ahnen, dass ihm die Fliegerei keiner mehr wegnehmen konnte. Und so wurde er von Tag zu Tag wieder ein wenig zuversichtlicher. Er begann neue Ideen zu entwickeln und er konnte endlich mit denen, die auf ihn vertrauten über seinen Kummer sprechen. Und was geschah? Er wurde total überrascht von deren Reaktionen und war überwältigt von ihrer Zuwendung und den Hilfen, die sie ihm anboten.

Professor Zed kam nun endlich wieder mehr heraus aus seinem Turm und es machte ihm wieder große Freude, mit den Menschen gemeinsam unterwegs zu sein. Er fand es spannend immer wieder neue Menschen kennenzulernen, waren sie ihm doch Bereicherung und Ideengeber für seine eigenen künftigen Pläne. Er hörte genau hin auf das, was sie sagten, er hatte ein enormes Gespür für das was sie brauchten und was so zwischen den Zeilen lag und er freute sich, wenn er merkte, dass wieder einmal ein Mensch Lächeln konnte, weil er ihn ein wenig  von dessen Sorgen ablenkte.

Der Professor schöpfte viel Kraft aus der Beziehung zu den Menschen, die er liebte, die seinem Herzen und seiner Seele ganz nahe waren und deshalb war es für ihn sehr wichtig, sich auch immer wieder Zeit zu nehmen, um nur für diese besonderen Menschen da zu sein. Das war gar nicht immer einfach, weil die mal hier und mal dort waren, aber das war keine Hürde für den Professor. Er war ja schlau und weise und so ließ er sich immer wieder etwas Neues einfallen, um auch diese besonderen Menschen zu überraschen.

Den Menschen in der Stadt gefiel das und sie freuten sich jedesmal, wenn sie nach oben auf den Turm blickten und sahen, dass der Professor wieder einmal da war und ein Auge auf sie hatte. Sie waren berührt und sehr dankbar, ob all der Aufmerksamkeit und dem Gespür, dass er ihnen immer wieder zuteil werden ließ und sie mochten den Professor nicht nur deshalb von Herzen gerne.

Und so braucht ihr euch auch weiter nicht wundern, wenn ihr eines Tages in diese Stadt kommt und seht, dass die Menschen immer zu einem Turm hoch schauen. Sie wollen ja nur wissen, ob der Professor da ist und ob es ihm gut geht. Und ich kann euch nur empfehlen, tut es ihnen gleich…….


eine weise Geschichte….mir erzählt worden…

In einem Indianerdorf lebte einst ein kleiner Junge mit seinem Großvater. Der Junge liebte seinen Großvataer sehr und genoss die Zeiten, die er täglich mit ihm verbringen konnte. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Sie waren viel zusammen unterwegs und der kleine Indianderjunge konnte von seinem Großvater lernen. Er liebte es, in das gütige und liebevolle Gesicht seines Großvaters  zu schauen.

Eines Tages jedoch, als sie so am Fluß saßen, erschrak der Junge als er indas Gesichtt seines Großvaters blickte…es war düster, grimmig und es schien ihm, als würden Wolken durch das Gesicht des Großvaters ziehen. So einen Gesichtsausdruck hatte er bei ihm wahrlich noch nie gesehen.

Nach einer kurzen Weile kehrte der freundlich gütige Ausdruck wieder in das Gesicht des Großvaters zurück und der Junge getraut sich zu fragen. „Großvater, was war denn gerade los? So habe ich dich noch nie gesehen!“ Der Großvater meinte:“ Ach weißt du mein Junge, ich habe nur gerade an eine Situation von früher gedacht. Jemand, der mir sehr nahe stand hat mir damals übel mitgespielt, mich belogen und sehr verletzt. Ich habe den Zorn und die Trauer darüber gerade gespürt und ich dachte nach, ob ich mich denn irgendwann dafür noch einmal rächen sollte.“ Der kleine Indianerjunge staunte nicht schlecht, als er das so hörte. „Ja, Großvater, und was passierte dann, dein Gesicht ist jetzt ja wieder ganz freundlich und du lachst wieder!?“ „Weißt du, dann hab ich mir plötzlich gedacht, was bin ich doch für ein alter Narr. Es geht mir gut, ich bin gesund, ich kann mich mit dir hier an der Natur erfreuen und ich habe Menschen um mich, die mir wichtig sind. Da ist alles andere doch eigentlich unwichtig. Aber weißt du,manchmal ist das mit meinen Gefühlen so, als ob zwei Wölfe gegeneinander kämpfen würden.“ Der Indianerjunge blickte seinen Großvater erstaunt an und fragte: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt dann??“

„Ach weißt du“, antwortete der Großvater, „immer der, den ich füttere.“